Savage Worlds ist ein unkompliziertes schnelles Rollenspielsystem, das seinem Motto "Fast! Furious! Fun!" folgend den Fokus auf das Erleben aktionsreicher Abenteuer legt denn eine exakte Simuation sein will. Es eignet sich besonders, das Genre der "Groschenheftromane" (engl. Pulp) in spannende Spielabende zu verwandeln und so die Welten von Helden wie Doc Savage, Conan, John Sinclair, Indiana Jones, Professor Challenger und diverser Western-, Fantasy- und SF-Geschichten wieder auferstehen zu lassen.
Die hier vorliegende Gentleman's Edition enthält auf 272 die Grundregeln aus der aktuellen englischen "Explorer's Edition" und wurde um beliebte Regelvarianten aus den früheren Ausgaben ergänzt sowie mit weiterem Material, das es im englischen nur als Download gab. Das Hardcover-Buch mit seinem Format, das irgendwo zwischen Taschenbuch und den eigentlich immer zu großen typischen A4-formatigen Rollenspielbüchern liegt, ist im Stile eines Tagebuchs aufgemacht und vollfarbig. Das Layout ist ansprechend und übersichtlich. Während die englische Ausgabe einfach und schon fast billig wirkt, macht es bereits Spaß, in der deutschen (zugegeben auch deutlich teureren) Ausgabe nur zu blättern.
Als universelles Rollenspiel braucht Savage Worlds - wenn man sich nicht selbst eine eigene Spielwelt ausdenken will - Hintergrundbeschreibungen und Abenteuer. Diese sind bislang (August 2009) nur auf englisch verfügbar. Deutsche Ausgaben beliebter Settings sind jedoch angekündigt.
Das Grundregelwerk bietet nach einer kurzen Erklärung, wie Rollenspiel funktioniert, was man erwarten würde: Regeln für die Charakterschaffung mit einem Dutzend generische Rassen, diverse Talente und Handicaps, um Charaktere zu individualisieren, eine Liste mit Ausrüstungsgegenständen, Fahrzeugen und Waffen für diverse Epochen, ausführliche Kampfregeln, Magieregeln und Zaubersprüche und allerlei Regeln für besondere Situationen. Erklärungen zur Spielleitung und dem Erschaffen eigener Spielwelten sind ergänzt um hilfreiche Tipps gerade für Anfänger unter den Spielleitern. Nach einer Zusammenstellung diverser natürlicher und übernatürlicher Kreaturen findet man noch vier fertige Charaktere und ein kurzes generisches Fantasy-Abenteuer. Dieses kann zu einer kleinen Kampagne durch auf der Verlagswebseite verfügbare PDFs mit zwei weiteren Abenteuern ausgebaut werden. Dort findet man dann auch einen Charakterbogen zum Ausdrucken und eine praktische Zusammenfassung der wichtigsten Kampfregeln auf einer Seite - ebenfalls als PDFs.
Ich mochte bereits das englische Savage Worlds, welches ich 2005 nach vielen Jahren Midgard, RuneQuest, World of Darkness und diversen anderen Systemen für mich entdeckt hatte. Mir gefällt Savage Worlds auch daher, da es wenig Vorbereitung braucht und somit auch im Berufsleben (und fortgeschrittenen Lebensalter) die knappe Zeit für einen geselligen Spieleabend reicht. Gerade die deutsche Ausgabe halte ich insbesondere für Anfänger geeignet, um damit in ein interessantes Hobby einzusteigen, das Kreativität und Kooperation fördert.
Und wer seine lieb gewonnene Spielwelt auf die einfacheren Savage Worlds-Regeln konvertieren möchte, findet übrigens im Savage Worlds-Forum der deutschsprachigen Rollenspiel-Community "Blutschwerter" einen umfangreichen Ratgeber zur Konvertierung. Wem etwa Warhammer oder D&D zu regellastig sind, findet mit Savage Worlds möglicherweise ein leichtgewichtiges Spielsystem.