Savage Species war für mich eine Art Pflichtkauf, nachdem ich als Spielleiter vorhatte, einem Spieler einen Kir-Lanan-Charakter zu erlauben (eine Art Gargoyle aus Faerûn). Nachdem ich mit den Regeln, die hier präsentiert werden, soweit ziemlich zufrieden war und mal schaute, was sonst noch so alles in dem Buch drinsteckt, war ich doch verdammt enttäuscht.
Der weitaus größte Teil des Buches befaßt sich mit den Monsterklassen. Richtig, Monster als Klassen, so daß man schon auf der ersten Stufe einen Ifrit oder Deva oder meinetwegen eine Phasenspinne spielen kann. Wäre dann allerdings ein ziemlich kleiner Ifrit/Deva/etc., der seine besonderen Fähigkeiten im Laufe der Zeit erlernt.
Nette Idee eigentlich, aber dafür haben sie einfach viel zu viel zu viel Platz hergegeben. Und das Hauptproblem ist nicht einmal, daß diese Monsterklassen nicht ausgewogen sind (denn das sind sie nicht... ich würde sagen, im Durchschnitt wesentlich zu schwach auf der Brust für ihre jeweilige Stufe). Vielmehr fehlt mir schlicht und einfach, wie leider viel zu oft bei D&D-Produkten, ein Sinn für Verhältnismäßigkeit und Prioritäten.
Man hätte so viele schöne Dinge reinpacken können - von Überlegungen, wie man Monstercharaktere in gewöhnliche Gruppen integriert über Gesinnungsprobleme bis hin zu sozialen und teils schlicht anatomischen Problemen des Monster-Alltags. Das wird aber nur auf ganz wenigen Seiten abgehandelt. Auch ein paar Überlegungen zu manchen Zaubern wären mal an der Zeit gewesen (alle "...Person"-Zauber machen im Wesentlichen nur dann Sinn, wenn man als Person eben Menschen betrachtet, nicht z. B. Sphingen; warum sollte "Alter Self" einer Lillend nur humanoide Formen gestatten?).
Stattdessen geht der Großteil des Buches (einmal mehr) für Tabellen drauf, die detailliert auflisten, auf welcher Stufe der Stärkeentzug eines Shadow welchen Effekt hat, und ab wann der Oger Magus dauernd flugfähig ist.
Naja, trotz allem ist der "harte" Regelteil wirklich gelungen, insbesondere die Feats, aber auch ein paar der Prestigeklassen sind wirklich einen oder zwei Blicke wert, und zwar teilweise nicht nur für Monster. Die Zauber scheinen mir teilweise (ein paar der Feats übrigens auch) allerdings nicht ausgewogen. Hier ist das Urteil eher: zu mächtig. Auch die templates gefallen mir sehr gut, wenn ich auch bei einigen davon nicht wirklich weiß, ob es ein Witz ist. "Gelatinous" Kreaturen, OK. Aber als Beispiel einen "Gelatinous Bear" zu verwenden, weckt doch arge Haribo-Assoziationen!
Hauptkritikpunkt an dem Buch bleibt für mich aber, daß man denn doch nicht so häufig monströse Charaktere spielen wird, zumal die Anpassung der Erfahrungsstufen fast durch die Bank so ausgefallen ist, daß es sich, rein technisch betrachtet, einfach nicht lohnt. Auch der Spielleiter wird wohl nicht ständig Geflügelte Reptilienartige Mumifizierte Schattenhafte (alles neue templates) Blink Dogs mit Klassenstufen als NSCs rumlaufen lassen, so daß auch für ihn der Nutzen eher eingeschränkt ist.
Fragt mich nicht, warum, ich mag das Buch trotzdem. Ich schmöker gern drin, und es bringt mich auf Ideen. Aber wirklich gut und ständig verwendbar, wie ein Regionalbuch oder Magic of Faerûn oder sowas, ist es eben einfach nicht.