Eingeleitet wird Princes in jeder Hinsicht vorbildliche Studie durch ein beeindruckendes Kapitel, welches sich mit der gesellschaftlichen Situation der 60er Jahre und deren Einfluß auf die Filmschaffenden Hollywoods beschäftigt. Hierbei gelingt es dem Autor, überzeugend nachzuweisen, daß die allgemein herrschende Atmosphäre der Gewalt, belegt durch den Vietnamkrieg, die Ermordung Kennedys, Martin Luther Kings und Sharon Tates den Eindruck von den unschuldigen Vereinigten Staaten restlos hinweggefegt habe. Hierauf nun habe Hollywood reagiert, und zwar mit immer gewalttätigeren Filmen. Das zweite Kapitel, "Aestheticizing Violence" überschrieben, setzt sich mit der formalen Gestaltung der Gewaltszenen auseinander und geht dabei auch auf Vorbilder des Regisseurs, allen voran Akira Kurosawa und Arthur Penn, ein, deren Experimente mit Zeitlupenaufnahmen Peckinpah übernahm und in Filmen wie THE WILD BUNCH oder BRING ME THE HEAD OF ALFREDO GARCIA zur Perfektion brachte. Wurde dem Regisseur immer wieder der Vorwurf gemacht, er verherrliche Gewalt, indem er "hymns to male violence" drehe, so zeigt Prince, der Peckinpahs Filme unter anderem mit den anthropologischen Schriften Robert Ardreys, dem Theater der Gewalt eines Antonin Artauds sowie der Poetik Aristoteles' in Beziehung setzt (Kapitel 3), daß eine solch limitierte Sichtweise nicht haltbar ist, daß es Peckinpah bei seinen Gewaltszenen stets um einen kathartischen Effekt gegegangen sei. Im besonders interessanten abschließenden Kapitel geht Prince dann auf die unzähligen, von Peckinpahs Gewaltdarstellungen beeinflußten Regisseure ein, wobei er weder an John Woo, Oliver Stone und David Lynch, noch an Martin Scorcese, Walter Hill oder Quentin Tarentino ein gutes Haar läßt. Ginge es Peckinpah stets um die moralische Dimension von Gewalt, so stünden bei seinen Epigonen rein ästhetische Fragestellungen (besonders bei Woo) oder schlicht der spektakuläre Effekt im Vordergrund (Tarentino). Gewalt verkomme somit zum bloßen set-piece. Fazit: Ich habe alle Studien über Peckinpag gelesen, und ich glaube, daß einige davon ausgesprochen lesenswert sind (Paul Seydor z.B.), jedoch bin ich mir sicher, daß mich nichts so sehr überzeugt hat wie Stephen Princes erschöpfende Darstellung. Wer auch nur ein wenig interessiert ist an dem Phänomen 'Gewalt im Film', der sollte, nein: der kann an dieser Studie nicht vorbeischauen! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)