Machen wir's kurz: Björn Sonnenberg ist der beste deutsche Songschreiber und Sänger seiner Generation! Umso unverständlicher ist es, dass seiner Band Locas in Love bislang so wenig mediale Beachtung geschenkt worden ist - im Gegensatz zu den unnötigen Sport und Pendikel, den fürchterlichen Fotos, den inzwischen peinlichen Tomte oder den völlig überschätzten Blumfeld. Locas in Love haben sich über die Jahre stetig weiter entwickelt und "Saurus" ist endlich das konstante Werk geworden, das man auf den Vorgängerplatten schon erahnen konnte. Vergleicht man sie mit anderen Bands, die auch deutsch singen, fällt auf, dass Sonnenberg nicht in den typischen enervierenden Singsang der Hamburger Schule verfällt, sondern sich vielmehr an amerikanischen Vorbildern aus der Country/Folk Ecke oder wahrhaft großen Pop-Bands wie den Jayhawks orientiert. Zugleich macht er nicht den Fehler, dass sich seine Texte unbedingt reimen müssen. So geht er einigen Peinlichkeiten souverän aus dem Weg. Herausragende Stücke sind der Opener "Sachen", das wunderbar leichte "Saurus" (das die Charts entern müsste, gäbe es eine gerechte Welt), "Honeymoon is over", das Herzstück der Platte mit einem sehr schönen Streicher-Outro, das ein musikalisches Thema aufgreift, das die ganze CD durchzieht und die Nick-Drake-Hommage "Rosa Mond". Der Höhepunkt ist aber "Egal wie weit", eine Geschichte der Rückkehr in die Heimatstadt, wie sie viele, die nach dem Abitur von zu Hause weggezogen sind und über die Weihnachtsfeiertage die Eltern besuchen, kennen. Über weite Strecken ist der Text melancholisch und versöhnlich, um einmal kurz auszubrechen und die wahre Gefühlslage zu benennen. "Dass du jedes Jahr an Weihnachten an Selbstmord denkst / und all die Vorwürfe, die du noch zu machen hättest / dass dein kolossales Scheitern letztlich hier anfing / wirst du nicht verraten, nicht einmal um dich selbst zu retten / und ihr tut so als wär' das hier kein besondrer Ort / doch wenn du noch vor deinen Eltern stirbst, begraben sie dich dort / aber so oder so will keiner wissen / was mit dir nicht stimmt / und sie werden dich vermissen / und ich werd dafür sorgen, dass in der Altstadt eine Straße nach dir benannt wird". Das ist wahrhaft groß und rührt zu Tränen. Respekt!