Jutta Mehler hat mit Saure Milch etwas viel außergewöhnlicheres geschaffen, als man auf den ersten Seiten zu lesen glaubt. Wie viele der bayerischen Krimis, die in den vergangenen Jahre hip geworden sind, geht es auch hier um die Kleinstadt, bayerische Schieber und ähnliches ' aber was wir wirklich vorfinden ist ein psychologisch tief greifendes Krimi Kammerspiel. Ein Theaterstück, dessen geographische Reichweite tatsächlich nur einige wenige Meter umfasst, in denen alles geschieht.
Aber was da geschieht, hat die brutale Größe klassischer Sittengemälde. Der Fall tritt phasenweise beinahe in den Hintergrund ' jedoch nicht in einer unangenehmen Weise, bei der man am liebsten weiterblättern möchte. Vielmehr verweben sich Privatleben der beiden unfreiwilligen Hauptdarsteller, Fall und Ermittlung immer mehr zu einem Knäuel, das unauflösbar erscheint.
Die Ermittlung ist von einer menschlichen Verzweiflung geprägt, die jedoch nie unangenehm oder aufdringlich wird. Hier die Frau, die unter ihrem langweiligen, rücksichtslosen Gatten in ihrer Zwangsehe leidet ' dort der alternde Kommissar, der den Nachfolger schon auf dem Schoß sitzen hat ' und beide haben ihre menschlichen Gründe, in diesem Fall die Wahrheit wissen zu wollen.
Und dabei entsteht so ganz nebenbei ein wirklich spannender Fall.
Mit seinen gerade einmal 200 Seiten eignet sich das Buch für einen Sommertag, eine lange Bahnfahrt oder ähnliches ' hinterlässt aber einen viel bleibenderen Eindruck.
Jutta Mehler ist hier wirklich ein unauffälliger Volltreffer gelungen, von dem gleich klar ist, dass man ihn noch einmal lesen wird ' um all die kleinen Spitzen und Verwicklungen wirklich zu erfassen.
Angenehm auch: Hier werden keine Serienmörder Klischees oder ähnliche Dinge bemüht, um eine spannende Geschichte zu erzählen. Ein kleiner Fall und ein paar kleine Menschen, die ihn lösen ' mit all ihren kleinen Geschichten, deren Komplexität am Ende schwedische Züge hat.
Volltreffer.