Sauna – aber richtig!
WAS IST UNTER »SAUNA« ZU VERSTEHEN?
Saunabaden– gestern und heute
Steinschwitzbäder als Vorläufer der heutigen Sauna
Badekultur der Griechen und Römer
Die mittelalterlichen Badestuben
Die Renaissance der Sauna in Deutschland
EMPFEHLUNGEN FÜR SINNVOLLES SAUNABADEN
Das finnische Vorbild gilt noch heute
Man benötigt Zeit und wenige Utensilien
Ein Auftakt nach Maß
Hygiene muss sein
Badesandalen drinnen oder draußen?
Wo Schwitzen ein Vergnügen ist
Der Wärme folgt die Erfrischung
Warme Fußbäder ergänzen die Abkühlmaßnahmen
Drei Saunagänge genügen völlig
DAS KLIMA IN DER SAUNA
Wichtigstes Klimaelement ist die Temperatur
Die Unterschiede zwischen absoluter und relativer Feuchte
MEHR ALS NUR SCHWITZEN – SO WIRKT DIE SAUNA
Erforschung und Wirkungsspektrum des Saunabades
So wirkt die Sauna auf den Wärmehaushalt des Menschen
So wirkt die Sauna auf Herz und Kreislauf
So wirkt die Sauna auf den Wasserhaushalt des Menschen
So wirkt die Sauna auf die Atemwege
So wirkt die Sauna auf die Haut
So wirkt die Sauna auf Nerven und Psyche
BESONDERE ASPEKTE DER SAUNABENUTZUNG
Alles über den Aufguss
Mit Kindern in die Sauna?
Was bietet die Sauna dem älteren Menschen?
Saunabaden während der Schwangerschaft?
Was nützt die Sauna dem Sportler?
Saunabaden bei Erkrankungen des Bewegungsapparates
Welche Kranken dürfen in die Sauna?
Abnehmen durch Saunabaden?
Sauna und Massage – eine klassische Verbindung
WAS IST UNTER »SAUNA« ZU VERSTEHEN?
Trotz großer Konkurrenz in der Freizeitwirtschaft hat sich das Saunabaden als gesundheitsorientierte Freizeittätigkeit expansiv weiterentwickelt. Immer mehr Bundesbürger zählen sich zu den Saunafreunden.
Die Häufigkeit des Saunabesuchs hat der Deutsche Sauna-Bund in den letzten 15 Jahren durch mehrere Bevölkerungsbefragungen in West- und Ostdeutschland ermitteln lassen. Nach der letzten Befragung im Jahr 2004 zählten sich in Deutschland 42 % der erwachsenen Bevölkerung (Männer 50 % / Frauen 34 %) zu den Saunagängern. Dies bedeutet, dass etwa 30 Millionen Menschen bei uns in die Sauna gehen und der Zuwachs unvermindert anhält. Sieben Jahre zuvor waren es nämlich »nur« 25 Millionen Saunagänger.
Die Popularität der Sauna in Deutschland ist weltweit einmalig. Nirgendwo gibt es so viele öffentliche Bademöglichkeiten und so viele Saunafreunde. Dass es sogar mehr als in Finnland sind, liegt selbstverständlich an der Bevölkerungszahl insgesamt, denn in Finnland leben nur etwa 5 Millionen Menschen. Allgemein betrachtet ist der Saunamarkt in Deutschland einer der wenigen freizeitwirtschaftlichen Bereiche, der sich in der letzten Zeit von seiner Akzeptanz her noch gut entwickelt hat, obwohl der Zuwachs flacher verläuft als in den Boomjahren 1994 bis 1997.
Dennoch entspricht das Wissen über die Sauna keineswegs immer den tatsächlichen Gegebenheiten. Häufig genug werden mit Sauna falsche Vorstellungen verbunden. Sie entbehrten entweder schon immer jeglicher Grundlage oder konnten inzwischen durch langjährige praktische Erfahrungen und wissenschaftliche Untersuchungen widerlegt werden. Viele dieser Unsicherheiten und Vorurteile gegenüber der Sauna haben in den ungewöhnlichen Bedingungen dieses Bades ihren Ursprung; zum einen in dem krassen Gegensatz der Temperaturen, dem sich der Badende aussetzt, zum anderen in der Tatsache, dass ein Saunabad unbekleidet durchgeführt wird. Als 1941 der Begriff Sauna zum ersten Mal in ein deutschsprachiges Wörterbuch aufgenommen wurde – es handelte sich um das bekannte Rechtschreibwörterbuch des Konrad Duden –, da erschien hinter dem Stichwort die Erklärung »finn. Dampfbad«, eine Erläuterung, die sich als folgenschweres Missverständnis herausstellen sollte. Erst wenige Jahre zuvor war die Sauna überhaupt einer etwas breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden, und der Verfasser des Dudeneintrags hatte sich bei seiner Worterklärung nicht an der Baderäumlichkeit orientiert, sondern an der überlieferten Badeweise der Finnen und dabei wohl in Unkenntnis des gesamten Badeablaufs dem Wasseraufguss zu große Bedeutung beigemessen.
Prof. Dr. Erich Kunze, deutscher Sprachwissenschaftler an der Wirtschaftshochschule in Helsinki, vermerkte über diesen Irrtum gut 30 Jahre später in einer Fachzeitschrift für das Saunawesen: »Die Folgen dieses Missverständnisses blieben nicht aus. Einerseits bezeichnete man mit dem Wort Sauna jede dem Dampfschwitzen dienende Apparatur, andererseits verstanden weite Kreise der Bevölkerung unter Sauna jede Art des Dampfbades überhaupt.« (Sauna-Archiv, 2/1971). In der Tat hinterließen die sprachregelnden Einflüsse des Duden ihre Spuren, denn alle deutschen Wörterbücher übernahmen viele Jahre lang die sachlich ungenaue Worterklärung, und die falsche Assoziation mit Dampf ist bis in unsere Tage hinein lebendig.
Besonders deutlich wird dies, wenn von einer »Dampfsauna« gesprochen wird, denn das Wort »Dampfsauna« ist ein Widerspruch in sich. Die Saunawärme ist nämlich eine verhältnismäßig trockene Wärme. Dampf spielt beim Saunabaden, außer bei den gelegentlichen Aufgüssen, keine Rolle. Wie weit verbreitet diese falsche Vorstellung aber immer noch ist, mag daran erkennbar werden, dass immerhin 20 % der Befragten auf die schon erwähnte Frage, was unter Sauna zu verstehen sei, das Bad mit Dampf oder hoher Luftfeuchtigkeit in Verbindung brachten. Dass eine knappe, sachlich richtige Erklärung des Begriffes »Sauna« schwerer fällt, als man annehmen sollte, wird auch von finnischen Fachleuten zugegeben. In seinem bereits 1943 erschienenen Buch »Finnische Sauna« schreibt der Magister H. J. Viherjuuri: »Es ist schwer, den Begriff ›finnische Sauna‹ so zu definieren, dass die Bedeutung vollständig klar wird. Für die Finnen selbst ist dies auch kaum notwendig, da sie seit mindestens tausend Jahren in die Sauna gegangen sind, ohne sich um Begriffsbestimmungen und Erklärungen zu kümmern. […] Nur wenn ein Ausländer an sie die Frage richtet: ›Wie ist das finnische Saunabad, feucht wie das russische oder trocken wie das römische?‹, oder: ›Wie muss eine finnische Idealsauna aussehen?‹, erkennt er, dass es wichtig wäre, eine Festlegung dafür zu haben, was das finnische Saunabad ist, und was es nicht ist.« Mehr als 50 Jahre später hat sich die Internationale Sauna-Gesellschaft auf dem XII. Internationalen Sauna-Kongress in Aachen dieser Aufgabe angenommen und nach durchaus kontroversen Diskussionen zwei allgemein gültige Definitionen vorgelegt.
Die Unwissenheiten in Bezug auf die Begriffserklärung haben nicht nur in den deutschsprachigen Ländern dazu geführt, dass das finnische Wort »Sauna« übernommen wurde. Die Bezeichnung »Sauna« ist inzwischen weltweit als Fremd- oder Lehnwort in viele Sprachen übernommen worden, fast überall hat man bei der Einführung des Bades auf einen eigenen Begriff für diese Badeform verzichtet. Nur im Schwedischen sagt man für Sauna »bastu« oder »badstuga« (Badestube), und zu dieser Ausnahme von der Regel mögen sicher die nachbarschaftliche Lage und die Geschichte der beiden Völker beigetragen haben.
Das Wort »Sauna« gehört zum altüberlieferten Erbwortschatz des Finnischen. Sprachhistorische Studien stellten eine Verwandtschaft zu dem Wort »suownje« des Inari-Lappischen her, das Schneegrube oder Erdgrube bedeutet. Daraus leitet man in Finnland ab, dass die Urform der Sauna ein in die Erde gebauter, mit Holz verschalter Raum war. Einige solcher Erdsaunas sollen bis in unser Jahrhundert hinein noch benutzt worden sein, und in öffentlichen Saunabädern in Deutschland sind Erdsaunas seit Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts sehr beliebte, urige Bademöglichkeiten. Unter dem Aspekt »Zurück zum Ursprung« wurden bisher etwa 150 dieser attraktiven Baderäume in...