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Wie schon in "Caruso singt nicht mehr" beschreibt die Autorin sehr feinsinnig die Widersprüche dieser Stadt zwischen Hochfinanz, den Alt-68igern und dem niederen Fußvolk, hier aus der Gebäudereinigungsbranche. Wer Frankfurt kennt, weiß wie fein hier vieles beobachtet und beschrieben wird. Frankfurt ist eine seltsame Stadt: wohl nirgendwo sonst hätte ein Bankierssohn Ende der 60iger Jahre sein Familienerbe dem Vietkong geschenkt, um dann später als erster grüner Stadtkämmerer und noch später als UNO Sonderbeauftragter zu reüssieren. Dies alles macht die Geschichte um ein paar jugendliche Studentenrevoluzzer, die die Vergangenheit Jahrzehnte später einholt, so glaubwürdig und so authentisch für diese Stadt.
Karen Stark hat sich in den letzten Krimis immer mehr zur Hauptfigur entwickelt, während Paul Bremer, der einem manchmal als Einsiedler in seinem Nest im Vogelsberg etwas auf die Nerven gehen konnt, etwas in den Hintergrund tritt. Das hat mir sehr gefallen.
Ach ja und das ganze ist natürlich ein reißender Thriller, den ich nicht habe weglegen, bevor das Whodunnit aufgeklärt war. Wer behauptet, die Figuren seien klischeehaft, der mag sich mal mit dem Werk von Frau Mischke oder auch Dan Brown befassen... das sind Klischees....
Fazit: eine psychologisch subtile, spannungsgeladene Studie der menschlichen Sehnsüchte als klassischer Krimi....
Ich habe das Buch in einer Nacht ausgelesen. Das passiert mir nicht sehr oft, weil ich meist beim Lesen einschlafe. Hier nicht. Die Stimmung, die Anne Chaplet in ihrem Buch verbreitet, hat mich zunächst wachgehalten und dann gefesselt. Besonders angetan hat es mir die Putzfrau Dalia S. und Will mitsamt seinem praktisch veranlagten Vater, der mehr echte Lebensfreude zu verbreiten scheint, als sein melancholischer Sohn. Besonders die Verbindung zwischen den Startbahn-West Ereignissen mit den Helden von damals und den heute verspießbürgerlichten Darausgewordenen fand ich sehr eindrucksvoll. Chaplet versteht es erstklassig, Geschichte, zumindest den Teil davon, an den wir noch eine gewisse Erinnerung haben, so einfühlsam und mitreißend zu erzählen, dass man sich mitten hineinversetzt fühlt in diese manchmal sehr rätselhaften Verbindungen, die sie so schön vieldeutig und gleichzeitig scheinbar unzusammenhängend andeutet, dass man unglaublich neugierig wird, wie sich dieses Gewirr am Ende zu einer wunderbaren und logischen Erlösung hinentwickeln kann. Dann aber holt man verblüfft tief Luft, zischt durch die Zähne und ist erneut erstaunt, wie fest sie die Spannung der Handlung durch das ganze Buch hindurch in ihrer Hand halten kann. Ein Klasse-Buch. Ich würde es sogar noch mal lesen.
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