Petrons Satyricon schildert die Streiche des Nichtsnutzes Encolpius, der mit seinem Lustknaben Giton und seinem "Freund", dem gut bestückten Ascyltos, durchs Land zieht und sich mit allerlei Streichen und Betrügereien über Wasser hält. Alle schlafen wie selbstverständlich miteinander und zwischendurch auch mit Frauen, was dem ganzen Stück eine lustvolle Moralfreiheit verleiht. Auch die Eifersuchtsszenen zwischen den Beteiligten sind geradezu unglaublich modern.
In der Tat ist Petronius' Werk auch deswegen ein Meisterstück, weil es sich der Moralisiererei enthält und die Figuren ihr Leben in sexueller und essensmäßiger Ausschweifung führen lässt, ohne sie in irgend einer Weise dafür zu verurteilen.
Das Trio komplett macht der satirische Dichter Eumolpus, der das köstliche Trio zum Quartett vervollkommnet und dessen spöttische Verse der Schelm Encolpius fast mehr fürchtet als den Tod.
Leider ist der Roman nur zu einem Bruchteil erhalten, aber es genügt, um einen Eindruck zu erhalten. Im Fragment fliehen die Protagonisten zunächst vor ihrem Wirte, den sie übers Ohr zu hauen versuchten, gelangen über das Gastmahl des Trimalchio, das ein wenig langatmig gerät, auf das Schiff ihres Verfolgers, das schließlich Schiffbruch erleidet und sie nach Croton gelangen lässt, wo sie mit einer famosen Geschichte als Erbschleicher reüssieren. Encolpius wird nebenbei von seiner Impotenz geplagt, was im Viagra-Zeitalter auch schon wieder modern anmutet.
Kurz: ein wahrer Schelmenroman für Kenner, der sich anfangs nicht leicht erschließt und in den man sich hineinlesen muss, um ihn schätzen zu lernen. Wer diese Zeit aber aufbringt, wird mit einem moralfreien, scharfzüngigen und satirischen Meisterwerk belohnt, wie es das nachfolgende Christentum in 17 Jahrhuderten nicht mehr zuwege gebracht hat.