Dieses Buch habe ich mit sehr gemischten Gefühlen gelesen, wobei nach und nach die negativen Einflüsse Überhand nahmen. Zweifellos ist dies eine beeindruckende Ansammlung von persönlichen Erfahrungen eines schwer depressiven Menschen, es scheint jedoch immer wieder eine Nachricht versteckt an den Leser durch: "Egal was du versuchst - den Teufel der Depression wirst du NIEMALS besiegen.". Man liest über die zahlreichen Versuche Andrew Solomons, der Depression zu entkommen, liest über die Sinnlosigkeit dieser Versuche, da es ihn doch immer wieder in seine Anfangsposition des Suchenden zurückwirft. Vermisst habe ich dabei jedoch den Hinweis wie lange dieser Prozess dauern kann, denn bei einer tief sitzenden Depressionen reichen "Schnellschüsse" nicht aus. Das Fazit dieses Buches sagt "Deine einzige Chance ist es, bis zum Ende Deines Lebens so viele Medikamente zu schlucken, daß du nahe dran bist, dich zu vergiften". Allein der Satz im Review erwähnte Satz ´Andrew Solomon MUSS täglich 12 verschiedene Pillen schlucken um zu existieren`zeigt: Hier war ein amerikanischer Autor am Werk. Solomon beschreibt, wie sich verschiedene Depressive auf einer Party unterhalten, und wie wenn man liest wie sorglos und abgestumpft über die jeweiligen Medikamentencocktails gesprochen wird stellt einem die Nackenhaare auf. Ich spreche aus eigener Erfahrung - diese zahl- und meist wahllosen Mischungen an derart VIELEN Medikamenten treibt den Betroffenen unweigerlich in eine Sackgasse, die er kaum wieder zu verlassen vermag. Sicherlich ist das Thema Medikation ein wesentlicher Teil in der Behandlung schwerer Depressionen, jedoch nicht der alleinige Weg. Meine eigene Erfahrungen und mein Austausch mit anderen Depressiven rund um den ganzen Erdball haben mir immer wieder gezeigt, nirgendwo werden so viele harte Medikamente verabreicht wie in den USA. So ganz nach dem Motto "Der Mensch hat zu funktionieren, also her mit der Holzhammermethode!"
Weiterhin wurden sogar Patienten beschrieben, die sich freiwillig einer Gehirnoperation unterzogen haben ("Ich ließ mir Löcher in Kopf bohren") bei dem Versuch die Depression zu bekämpfen. Nur um dann das Fazit nachzureichen, daß nicht einmal DAS Erleichterung brachte. Für Betroffene ein harter Schlag ins Gesicht, der sich demotivierend und niederschmetternd auswirkt.
Sehr geschätzt habe ich bei diesem Buch jedoch, daß hier endlich einmal ein Autor die gnadenlose Wahrheit über das unendliche Leid des Menschen aufzeigt der an Depressionen erkrankt ist. Hier wird nichts schöngespielt, das Elend wird sehr detailliert beschrieben und hilft nicht betroffenen Lesern endlich zu verstehen, daß es sich bei dieser Krankheit um kein kleines Zipperlein handelt, bei dem sich der Patient lediglich zusammenreissen muss um wieder Boden unter den Füßen zu gewinnen. Depressionen sind eine unheimlich schwer zu ertragende Krankheit, bei der man in härteren Fällen durchaus den Vergleich zu Krebserkrankungen, Aids oder schweren körperlichen Behinderungen ziehen darf. Und es war schon lange an der Zeit, daß dieser Fakt einmal deutlich offen dargelegt wird. Dafür danke ich Andrew Solomon sehr.
Alles in allem fand ich dieses Buch wesentlich hilfreicher für nicht Betroffene als für den Patienten selbst...denn wer es während einer depressiven Phase liest schwebt in der Gefahr völlig seine Hoffnung zu verlieren. Eine große Sammlung - es fehlt jedoch der rote Faden, der einem zur Selbsthilfe führt. Depressionen sind oft heilbar. Und wenn nicht, so finden sich Wege mit der Depression zu leben. Diese Nachricht habe ich sehr vermisst. Teilweise musste ich dieses Buch sogar weglegen, da mich eine derart große Frustration überkam, daß ich nicht mehr weiterlesen wollte. Das Gesamtfazit, daß man akzeptieren müsse von nun an nur noch als halber Mensch zu leben, empfand ich als sehr störend.