ja, der Verriss der vorhergegangenen Rezension hat mich wirklich amüsiert, ist er doch auch messerscharf (und gut!) geschrieben, und absolut verständlich - so kann man das Buch sicher auch lesen. Das muß ich zugeben.
Habe ich selbst aber nicht, im Gegenteil, mir hat das Buch so gut gefallen, daß ich es jetzt auf Deutsch nochmal für meinen Mann bestelle, wobei ich natürlich hoffe, daß er nicht so reagiert wie mein Vorrezensent ;-)
Komischerweise finde ich, daß GERADE die in ihrer Beispielhaftigkeit (natürlich) überzeichneten Hauptfiguren so typisch sind für eine "moderne erfolgreiche" Familie, die sich halb aus eher künstlerisch/emotional und halb aus eher wissenschaftlich geleiteten Menschen zusammensetzt.
Da es sich um eine "reiche" Familie handelt, ist es auch klar, daß alle jede nur erdenkliche Möglichkeit haben und hatten, sich bestmöglich im Beruf zu entwickeln- da ist gar nichts ungewöhnliches dran, leider, möchte man fast sagen.
Und spätestens hier wird es auch so interessant - denn wie fähig sind Vater, Mutter, Tochter und Sohn denn nun im menschlichen Bereich? Wenn es zum äußersten kommt?
...zunächst nur vorgedacht, und dann ist am Ende die böse reale Welt tatsächlich zuhause angekommen...
natürlich geht das nicht, ohne einen anständigen Zufall oder eine anständige schicksalshafte Begegnung - wie in jedem Roman, in dem Gegensätze aufeinander treffen, die sich sonst nie begegnet wären.
Wie stereotyp denken gebildete Menschen, die sich für höchst individuell halten? - für mich eine Grundfrage, die das Buch aufwirft.
Ja, man sollte wirklich manchmal inne halten und über die Sorgen der Welt einen Schluck Rotwein nehmen - und das ist auch die Kritik an dem Buch: jede Sorge wird inszeniert, zu jedem Gedanken gehört der passende Rahmen, die passende Musik, der passende Wein.
ABER ich bin mir gar nicht sicher, ob McEwan das nicht mit Absicht macht - uns modernen "Intellektuellen" zeigen, wie wenig uns das doch alles wirklich betrifft - eigentlich schlimm, da muß ich doch sorgenvoll nochmal an meinem Schampus nippen...
Ertappt.
Und dann ist der Mann auf einmal da...
Mehr wird nicht verraten.
FAZIT: Nicht so ein Knaller wie Abbitte, aber ich fand es schön und habe besonders die kleinen Exkurse genossen.
Die Sprache und die Einblicke, die sie gewährt, faszieniert, amüsiert und beunruhigt.
Blicke in den menschlichen Körper, wenn man Perones Schnitten und Blicken folgt, Reflexionen über Squash spielende Männer (großartig, großer Lacher!!), und Gedanken zum bevorstehenden Irak-Krieg.
Als Einstieg würde ich allerdings Abbitte empfehlen, oder Liebeswahn.