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5.0 von 5 Sternen
Grandios!, 15. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Saturday (Gebundene Ausgabe)
Zugegeben: Meine Erwartungshaltung an dieses so hoch gepriesene Buch war wohl ein Grund, weswegen ich im Mittelteil schon kurz vor der Kapitulation stand. Der Autor schildert doch sehr detailliert die Facetten dieses einen Tages im Leben des Neurochirurgen Henry Perowne. Teils schon so detailliert, dass es der Leser als langweilig empfinden mag.
Die Kehrtwende kam für mich, als ich mir vor Augen führte, dass ein Außenstehender wohl niemals nachfühlen kann, was für den Einzelnen "seine" kleinen Wunder des Alltags sind. Haben Sie schon mal versucht, einen einzigen Tag in Ihrem Leben in ein Buch zu fassen? Gibt es nicht auch für Sie sehr bedeutende Dinge, die andere als bedeutungslos abhandeln würden?
Von diesem Augenblick an konnte ich mich auf "Saturday" einlassen, was darin gipfelte, dass ich am Ende des Buches sogar heulte... Dann nämlich, als ich begriffen hatte, was der Autor mit seinen minutengenauen Schilderungen andeuten wollte: Irgendwann ist im Leben für jeden der "Samstag" gekommen. Und unweigerlich wird dieser Samstag - so lange man ihn auch hinauszögern kann - in den "Sonntag" und somit in den Tod übergehen. Und gerade deswegen ist jede Sekunde enorm wichtig.
Mein Fazit: Ein Meisterwerk der modernen Literatur, jedoch nichts für jene, die ihr Leben auf der Überholspur führen.
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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Musste zwar schmunzeln..., 21. April 2007
ja, der Verriss der vorhergegangenen Rezension hat mich wirklich amüsiert, ist er doch auch messerscharf (und gut!) geschrieben, und absolut verständlich - so kann man das Buch sicher auch lesen. Das muß ich zugeben.
Habe ich selbst aber nicht, im Gegenteil, mir hat das Buch so gut gefallen, daß ich es jetzt auf Deutsch nochmal für meinen Mann bestelle, wobei ich natürlich hoffe, daß er nicht so reagiert wie mein Vorrezensent ;-)
Komischerweise finde ich, daß GERADE die in ihrer Beispielhaftigkeit (natürlich) überzeichneten Hauptfiguren so typisch sind für eine "moderne erfolgreiche" Familie, die sich halb aus eher künstlerisch/emotional und halb aus eher wissenschaftlich geleiteten Menschen zusammensetzt.
Da es sich um eine "reiche" Familie handelt, ist es auch klar, daß alle jede nur erdenkliche Möglichkeit haben und hatten, sich bestmöglich im Beruf zu entwickeln- da ist gar nichts ungewöhnliches dran, leider, möchte man fast sagen.
Und spätestens hier wird es auch so interessant - denn wie fähig sind Vater, Mutter, Tochter und Sohn denn nun im menschlichen Bereich? Wenn es zum äußersten kommt?
...zunächst nur vorgedacht, und dann ist am Ende die böse reale Welt tatsächlich zuhause angekommen...
natürlich geht das nicht, ohne einen anständigen Zufall oder eine anständige schicksalshafte Begegnung - wie in jedem Roman, in dem Gegensätze aufeinander treffen, die sich sonst nie begegnet wären.
Wie stereotyp denken gebildete Menschen, die sich für höchst individuell halten? - für mich eine Grundfrage, die das Buch aufwirft.
Ja, man sollte wirklich manchmal inne halten und über die Sorgen der Welt einen Schluck Rotwein nehmen - und das ist auch die Kritik an dem Buch: jede Sorge wird inszeniert, zu jedem Gedanken gehört der passende Rahmen, die passende Musik, der passende Wein.
ABER ich bin mir gar nicht sicher, ob McEwan das nicht mit Absicht macht - uns modernen "Intellektuellen" zeigen, wie wenig uns das doch alles wirklich betrifft - eigentlich schlimm, da muß ich doch sorgenvoll nochmal an meinem Schampus nippen...
Ertappt.
Und dann ist der Mann auf einmal da...
Mehr wird nicht verraten.
FAZIT: Nicht so ein Knaller wie Abbitte, aber ich fand es schön und habe besonders die kleinen Exkurse genossen.
Die Sprache und die Einblicke, die sie gewährt, faszieniert, amüsiert und beunruhigt.
Blicke in den menschlichen Körper, wenn man Perones Schnitten und Blicken folgt, Reflexionen über Squash spielende Männer (großartig, großer Lacher!!), und Gedanken zum bevorstehenden Irak-Krieg.
Als Einstieg würde ich allerdings Abbitte empfehlen, oder Liebeswahn.
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25 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kann ein einziger Tag so spannend sein?, 4. Mai 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Saturday (Gebundene Ausgabe)
Ja, er kann! McEwan ist brillant: Was diese Beschreibung eines einzigen Tages an philosophischen, psychologischen, politischen und sozialen Einsichten enthält, ist bei der ersten Lektüre gar nicht zu fassen. Und immer, wenn ich das Gefühl hatte, jetzt könnte aber auch die äußere Handlung mal wieder einsetzen - ha, da tat sie es auch. Und was den Roman so anrührend macht(jedenfalls für Menschen über vierzig), ist McEwans Fähigkeit, das Einzelschicksal so darzustellen, dass der Leser die Parallelen oder meinetwegen auch Unterschiede zum eigenen Leben erkennt und über Dinge nachdenkt, die bisher gar nicht nachdenkenswert erschienen. McEwan erwartet aber auch einiges vom Leser - die Bereitschaft, sich auf lange Beschreibungen einzulassen (Erzählzeit gleich erzählte Zeit...)und wohl auch eine gewisse Lebenserfahrung. Aber der Gewinn ist groß!
Wer etwas weniger Zeit investieren will, dem sei die englische Hörbuchversion empfohlen: wunderbar gesprochen und ob der gezwungenen Langsamkeit des Verständnisprozesses an Stellen noch eindringlicher als die selbst gelesene Version.
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