"Wolltest du dich schon einmal trennen?" - "Ja sicher!" "Aber ich dachte, ihr liebt euch?" - "Tun wir doch auch!" Dieser Dialog zwischen der Enkelin Yvonne (Leonie Benesch), die die Fragen stellt, und ihrer Großmutter Anita (Senta Berger) spiegelt sehr gut das Paradoxon eines (langen) Lebens zu zweit. Es gibt Probleme und Krisen: Fred (Bruno Ganz) der ein erfolgreicher Geschäftsmann war/ist und viel reiste, hatte ein Verhältnis mit seiner Sekretärin. Seine Ehefrau Anita hat die Geliebte ihres Mannes damals im eigenen Garten mit Kuchen und Blumen empfangen und das Verhältnis endete kurze Zeit später. Auf der anderen Seite bindet eine Partnerschaft aber auch stark aneinander, so dass auch nur vorläufige Trennungen kaum vorstellbar erscheinen: Fred nimmt sich eine eigene Wohnung, als er von seinem Prostatakrebs erfährt, um "nachdenken zu können". Anita empfindet das als Zurückweisung und kämpft fortan um die eigene Selbstbestimmung, aber auch die Selbstbestimmung als Paar, wozu in ihren Augen auch die Begleitung bis zum Tod gehört.
Die Regisseurin Sophie Heldmann hat ihr Spielfilmdebüt, zu dem sie auch das Buch mitverfasste, um Initiationen, Abschiede und auf das Recht auf Selbstbestimmung hin angelegt. Während die Tochter von Anita und Fred, Karoline (Carina Wiese), heiratet, feiert die nun erwachsene Enkelin Yvonne ihr Abitur. Der Sohn Patrick (Barnaby Metschurat), der von einem entfernteren Ort mit dem Flugzeug zur Hochzeit anreist, führt ebenfalls ein ganz eigenes Leben. Allen gemeinsam ist die Selbstbestimmung des eigenen Lebens und trotzdem sind sie verstört, als Fred in der Nacht nach der Hochzeitsfeier ihnen gesteht, dass er ihnen nicht alles sagen muss, nur weil er ihr Vater ist, manches könnten sie getrost ihren Eltern allein überlassen.
Beeindruckend ist das Spiel mit Licht und Schatten, mit ausgefeilten Dialogen und sprechendem Schweigen, getragen durch das hervorragende Darstellerensemble, welches einem das Gefühl gibt, eine gewisse Zeit Teil dieser Familie zu sein. Die Dramaturgie ist nicht ganz so ausgefeilt, vor allem da das Ende dann doch überrascht und nicht unbedingt schlüssig, wenngleich im Sinne der Selbstbestimmung als möglich erscheint.
Ein stiller Film, der geduldiges Wahrnehmen verlangt und zum Nachdenken anregt.
Die Extras der DVD bieten neben dem Trailer auch ein Making-Of, das einige Hinweise von Regisseurin, Produzent und Darstellern zur formalen und inhaltlichen Gestaltung des Films enthält.