Wir haben das Satmap jetzt seit einem Jahr in Verwendung, und nun möchte ich meinen Senf dazugeben. Direkt nach dem Kauf neigt man ja dazu, ein Gerät vor lauter Freude über den Neuerwerb in den Himmel zu loben oder es wegen Startschwierigkeiten enttäuscht zu verdammen. Also, nach einem Jahr kann ich sagen, dass es uns gute Dienste geleistet hat, genau wie vorher unser Garmin 60Cx. Ich möchte mich aber nicht entscheiden müssen, welches das bessere Navi ist. Beide Geräte haben ihre Vor- und Nachteile.
Der große Vorteil des Satmap ist das große Display. In Sachen Übersicht hat es gegenüber dem Garmin eindeutig die Nase vorn. Je weiter man beim Garmin rauszoomte, desto unübersichtlicher wurde der Wust an Infos. Das Satmap wechselt beim Herauszoomen automatisch in den nächstgrößeren Kartenmaßstab - also von der 1:25.000er-Karte in die 1:50.000er-Karte und dann in die grobe Basiskarte. Beim Hineinzommen geht das Ganze umgekehrt. Übersicht top. Doch jetzt kommt das Aber: Je feiner man die Karte auflösen will, desto schlechter ist das Satmap geeignet. Seine Rasterkarten sind halt wie eingesannte Wanderkarten aus Papier. Wer früher mit normalen Papierkarten unterwegs war, muss nicht groß umdenken, aber er erkennt auch nicht mehr als auf einer 50.000er- oder 25.000er-Karte. Zoomt er weit hinein, wird das Bild unscharf. Die Vektorkarten des Garmin werden niemals unscharf. Dort findet man sogar kleinste, heute längst verschwundene Wege und kann sich weitaus präziser einer bestimmten Stelle nähern. Ich würde sagen, für Radwanderer ist die Auflösung des Satmap locker ausreichend und aufgrund des Riesendisplays ist das Gerät hier erste Wahl. Geocacher dürften mit einem Garmin-Gerät glücklicher werden.
Ein weiteres Plus des Satmap ist der Planungsmodus direkt auf dem Gerät. Mal eben eine neue Route erstellen, einen Wegpunkt korrigieren oder einen POI neu eingeben - kein Problem. Nehmen wir an, man will sich einen Punkt im Gelände markieren, aber der liegt auf der anderen Seite des Flusses. Beim Garmin wird es hier arg fummelig. Am besten, man schwimmt durch den Fluss, um den Punkt an die richtige Stelle zu setzen. :-) Beim Satmap nicht. Dafür ist wiederum die Garmin-Software wesentlich funktionaler als die vom Satmap (die aus einem rudimentären Programm zum Übertragen von Daten besteht). Blöd ist auch, dass das Satmap jeden Wegpunkt als eine Datei überträgt. Hat man 20 Wegpunkte, hat man 20 Dateien. Will man die jetzt in eine Kartensoftware übertragen, artet das im günstigsten Fall in eine Klickorgie (Google Earth) aus, oder man kriegt nie alle Punkte zusammen auf die Karte (MapSource). Die Eigenheit des Garmin, alle Wegpunkte in einer Datei zusammenzufassen, hat uns besser gefallen.
Über die Bedienbarkeit könnte man jetzt lange philosophieren. Beide Gerätetypen haben ihre Eigenheiten, keines ist von Anfang an intuitiv zu bedienen, aber wenn man sich eingefuchst hat, kommt man mit beiden gut klar.
Die Genauigkeit beider Geräte ist praktisch identisch. Im Schnitt liegt sie bei +/- 5 Metern. Mit dem Garmin haben wir als besten Wert +/- 3 Meter erzielt, mit dem Satmap sogar +/- 2 Meter. Aber das ist selten und praktisch nur zu erreichen, wenn man eine Weile auf einer Stelle steht. Das Satmap braucht anfangs länger, um die Satelliten zu finden, behält die Verbindung dann aber stabiler bei. Während das Garmin praktisch in jedem Gebäude, mitunter sogar im Auto die Verbindung zu den Satelliten verliert, macht das Satmap hier einiges mehr mit. Es findet seine Position sogar, wenn es in unserer Wohnung liegt. Unser Garmin hat dies noch nie hingekriegt.
Ein echter Minuspunkt des Satmap ist die absolut kratzempfindliche Sichtscheibe. Nicht umsonst verkauft Satmap Ersatzscheiben im Dreierpack. Für 15 Euro pro Stück ist deren Haltbarkeit ein Lacher. Absolut indiskutabel ist, dass die mitgelieferte, sehr stabile, Tasche sowohl die Sichtscheibe als auch die Gummierung des Geräts bei jedem Herausnehmen arg zerkratzt. Die Tasche ist zwar innen gepolstert, aber die Nähte sind derart grob, dass sie, wie gesagt, selbst die Gummierung der Gehäusekanten binnen kürzester Zeit beschädigen. Für Original-Zubehör ein Unding. Ich habe mir eine runde Dose aus stabilem Plastik besorgt, die sich mit Mühe in die Tasche schieben lässt. Solange die Tasche zuhause liegt, habe ich immer die Dose drin, damit diese die Tasche weitet. So konnte ich die Beschädigungen am Satmap minimieren, allerdings erst, nachdem ich durch Schaden klug geworden bin.
Nachtrag Anfang Juli 2012:
Jetzt hat uns das Geocaching-Fieber gepackt, und wir waren in den letzten Wochen mit unseren beiden Navis häufig im Gelände unterwegs. Beim Wandern ist das Satmap dem Garmin vor allem aufgrund seines großen Displays überlegen. Und wenn man auf Energizer Ultimate Lithium Batterien setzt, wird man vom hohem Stromverbrauch nicht überrascht - die Dinger halten auch bei häufigem Aufruf des Displays verdammt lange. Zwei bis drei Tageswanderungen sind drin. Natürlich sollte man trotzdem Ersatzbatterien dabeihaben. :-) Aber schon mit Duracell Plus, auf die wir früher geschworen haben, kommt man nicht weit. Also: Ruhig das Geld in die Energizer investieren; es lohnt sich definitiv.
Beim Geocaching aber kackt das Satmap im Vergleich zum Garmin klar ab. Natürlich findet man auch mit dem Satmap zum Cache, denn in Sachen Genauigkeit unterscheiden sich die beiden Empfänger praktisch überhaupt nicht. Doch die Vektorkarten des Garmin spielen hier ihre Stärke aus. Am Ziel zoomt man einfach so weit hinein, wie es geht und findet den Cache praktisch auf den Meter genau. Das funktioniert übrigens auch, wenn die Genauigkeit des Empfangs nur bei 5 oder 6 Metern liegt: Da, wo man die größte Annäherung an den anfangs gesetzten Koordinaten-Punkt erzielt, liegt auch der Cache. Das Satmap verwirrt mit seinen beim Maximalzoom völlig verpixelten Karten unnötig. Auch scheint es nicht so häufig wie das Garmin die Positionsdaten zu aktualisieren, sodass eine metergenaue Suche erschwert wird. Dazu kommt, dass Satmap auf Geocaching.com nicht unterstützt wird. Mal eben die Koordinaten bequem ans Navi senden, das geht mit dem Satmap nicht.
Wir nutzen unser Satmap jetzt immer beim Wandern. Gehen wir Cachen, kommt unser altes Garmin 60Cx zu Ehren.