Die Satiren des Juvenal (ca. 55 n. Chr - 135 n. Chr.) stellen eine Sammlung von XVI Satiren dar, welche er teils als junger Mann, teils im Alter verfasste. Die stilistische Inkongruenz lässt sich durch die zeitliche Versetzung des Schaffens erklären. Einige Werke stoßen auf Anerkennung, ob ihrer Klarheit und geistigen Tiefe, manche jedoch werden aufgrund ihrer Grobschlächtigkeit, Verallgemeinerung und Darstellung seines blanken Hasses abgelehnt. In ihrer Vielfalt spiegelt sich Juvenals Lebenswandel, der nur indirekt ergründbar ist. Einige Satiren sind ein grober, von Hass geprägter und von Abscheu getragener Rundumschlag - sei es gegen die Lüsternheit, den ausschweifenden Lebensstil der dekadenten Oberschicht, gegen Frauen und gewissen Ethnien. Als lobenswert hingegen ist anzusehen, dass er klare Worte gegen die raumgreifende Korruption, das festgefahrene Ständewesen, in dem der Erfolg ausschließlich von Zugehörigkeit determiniert ist, gegen die geistige Faulheit der herrschenden Klasse, gegen die blinde Willfährigkeit der Unterworfenen ("panem et circenses", der Unterhaltungssucht und gegen römische Ideale der Körperkultur ("Orarum est ut sit mens sana in corpore sano") fand.
"Die Verallgemeinerung stumpft die Spitze der Satire ab", lautet es mancherorts - dem muss angesichts der oftmals augenfällig haltlosen Anschuldigungen Recht zugesprochen werden.
Juvenal gelangt allerdings zu Sentenzen, die den Untergang Roms und dessen gesellschaftlichen Charakteristika skizzieren. Ein zwiespältiges Werk, wobei die ausführlichen Erläuterungen Licht auf die Beweggründe und Aussagen fallen lassen. Obwohl Juvenal zu maßlosen Übertreibungen gewillt war, blitzt sein Genie vielerseits durch. Er vermittelt EINE Sichtweise auf die römische Gesellschaft jener Zeit, die es mit Sicherheit Wert ist, gelesen zu werden.