Sie schlürfen einen Cocktail in einer Bar, genießen die bequemen dicken Lederpolster und hören sachte Musik von De-Phazz oder einer der vielen "Café del Mar"-Sampler. Sie hören gar nicht richtig hin. Nichts Ungewöhnliches, denken Sie, das ist ja der Zweck von Hintergrundmusik. Vor 100 Jahren wäre das im klassischen Konzertbetrieb ein Affront gewesen.
War es auch. Denn ein französischer Komponist namens Erik Satie schrieb genau solche Musik, vornehmlich für Piano solo. "Musique d'Ameublement" nannte er das - Musik als Möbelstück. Satie, ein ziemlich verschrobener, aber äußerst liebenswürdiger Zeitgenosse, nahm eine Sonderstellung unter den Erben von Debussy & Co. ein. Der Franzose komponierte die erste Chillout-Musik des damals noch jungen 20. Jahrhunderts.
Das Quartett Amarcord Wien hat nun einige bekannte Stücke des Visionärs neu interpretiert. Das Akkordeon nimmt die Hauptrolle ein und verweist ziemlich genau auf den Ursprung der Originale. Der äußerst bescheiden lebende Satie klimperte nämlich zum Broterwerb in Cafés und Varietés, was er nicht weiter schlimm fand, denn das passte in sein außergewöhnliches Konzept. Bei dem jungen Quartett um den Akkordeonisten Tommaso Huber klingt das verträumt bis verräuchert, ein Hauch von Lateinamerika weht herüber. Und ein bisschen Wiener Caféhaus-Schmäh ist auch dabei.