Ich will nicht motzen: die Artikel sind sehr interessant und spannend, und mir als totalem Laien erschloss sich sozusagen ein Feld ungeahnter, wenn auch recht hypothetischer, Möglichkeiten. Bisher ging ich nämlich davon aus dass sich das Feld der Satelliten-Nutzer in zwei recht heterogene Gruppen aufteilt: kabelmüde TV-junkies mit offset-Schüssel aus'm Baumarkt auf'm Balkon, welche die Technik -- naturgemäss -- eher passiv nutzen; und die eigentlichen player, nämlich Geheimdienste und grosse, gesichtslose, multinationale Konzerne mit Portokassen in der Grösse des lateinamerikanischen Bruttosozialprodukts. Christian Mass zeigt in seinem Buch sehr anschaulich dass da, salopp gesagt, noch einiges mehr geht, und vermittelt en passant einen ganzen Haufen von technischen Einsichten -- beispielsweise habe ich jetzt zumindest einen Anflug von Ahnung davon worum es beim, bis vor kurzen im nahen Bad Aibling angesiedelten, "Echelon"-System der amerikanischen und britischen Geheimdienste geht.
So weit, so gut. Leider zeigt das Buch die für den Franzis' Verlag typischen Schwächen: ein Lektorat findet ebensowenig statt wie 1968 die Revolution; viele Formulierungen wirken eher wie erster Entwurf und nicht druckreif, Eigennamen werden mal in Kapitalen, mal in Anführungszeichen geschrieben, und einige Fakten (wie z. B. bei der Captain Midnight-Geschichte) sind oberflächlich, sprich schlecht, sprich falsch, recherchiert (so sass der Captain nicht im Gefängnis sondern bekam "lediglich" eine einjährige Bewährungsstrafe und US$ 5000 Strafe aufgebrummt -- und wenn ich das recherieren kann, wieso hat sich nicht auch der Autor die Mühe gemacht?). Die Artikel selbst wurden schon mal in einer Fachzeitschrift veröffentlicht, und dann offensichtlich ohne die geringste Änderung in's Buch gepackt -- schön für die Verlagbilanz, schlecht für Herrn Buchkäufer. Das Ergebnis hat den durchaus attraktiven Charme einer kompetent hingerotzten Facharbeit, allerdings leider zum Premium-Preis für die ein junger Mann wie ich im rezessionsgeschüttelten Nach-Wiedervereinigungs-Deutschland lange stricken muss.
Mein Tip: in der Buchhandlung im Stehen lesen, und dann ein anderes Buch kaufen.