Der (angebliche) "Satansmord" von Sonderhausen in Thüringen liegt mittlerweile gute 12 Jahre zurück, aber dennoch verliert dieses Buch dadurch nichts von seiner Brisanz, Fakten und "Spannung".
Sehr gut recherchiert und spannend geschrieben geben die beiden Autoren Liane v. Billerbeck und Frank Nordhausen einen Einblick auf die damals involvierten Personen (Täter und Opfer), deren Angehörige und Freundeskreis:
Aufgezeigt von der Schulzeit & Freizeitaktivitäten, das Kennenlernen der Jugendlichen untereinander, der Mord (nach angeblichen "satanischen Vorbild", was sich aber sehr bald als (mehr oder weniger?) geplanter Mord OHNE jegliche "satanische Hintergründe" herauskristallisiert), der anschliessenden polizeilichen Ermittlungen und ja, letztendlich auch die Medienhetze (und deren extreme Verdrehungen der Wahrheiten und Fakten!) und der Gerichtsprozess der drei Hauptangeklagten und deren Aufenthalte (und "Weiterentwicklungen") im Gefängnis.
Aber dennoch endet das Buch hier nicht: dem Hauptangeklagten Hendrik Möbus (welcher inzwischen zum Neonazi wurde und dies auch "fleissig" kundtat wo er nur konnte) wird noch ein weiteres Kapitel gewidmet, in welchem von seiner Flucht in die USA berichtet wird und er dort nach einiger Zeit endlich doch gefasst werden konnte.
Auf den insgesamt 326 Seiten werden also in (zumeist) chronologischer Reihenfolge alle Taten und Fakten dem geneigten Leser unterbreitet, was zusätzlich noch mit passenden Bildmaterial, Fotos und Interviewauszügen sehr unterstützt wird.
Somit also eine "Biografie"(?) wie man sie sich wünscht und die den Leser auch wirklich selbst auf eine "Achterbahn der Gefühle" schickt, die immer irgendwo zwischen Abscheu, Faszination, Spannung und Kopfschütteln schwankt.
Dennoch muss ich leider auch 3 Kritikpunkte aufführen:
- auf Seite 140 werden in wenigen Zeilen "Gothics" von den Autoren als "Freaks" bezeichnet, die lediglich in "Todes- und Selbstmordfantasien" schweben und auf Friedhöfen rumhängen! So ein Schwachsinn!! Da wird schon so ein fundiertes Werk zu Papier gebracht (welches m.u. auch die "Hintergründe & Entstehung" das Satanismus beleuchtet) und dann wird mit solchen überholten Klischees gross aufgefahren.
- den Autoren hat es scheinbar auch grossen Spass bereit deren "persönliche Abneigung" gegen Horrorfilme in dem Buch hervorzuheben. Frei nach dem Motto: "die Horrorfilme sind Schuld an der ganzen Gewalt"... sicherlich haben die Angeklagten nachweisslich auch diese Art Filme konsumiert, aber die Autoren holen hier etwas zu sehr aus, was schon gar nichts mehr mit dem Fall zu tun hat!
- bei dem Kapitel "Der Knast" ist wiederum mehr Material zu lesen was eigentlich in die Vorgängerrubrik "Die Idole" gehört, als über den eigentlichen Knastaufenthalt (wird aber zum Ende des Kapitels hin wieder durch die Fakten und gute Schreibweisse "ausgebügelt").
Fazit: bis auf diese "kleinen Macken" kann ich dieses Buch wirklich mit sehr gutem Gewissen empfehlen... denn, lesenswert ist es in jedem Falle!