Elaine Pagels ist Religionswissenschaftlerin und eine ausgezeichnete Kennerin der christlichen Frühgeschichte. In diesem Buch beschreibt sie die Entstehung und Entwicklung der christlichen Lehre von dem kosmischen Kampf zwischen Gut und Böse und die daraus resultierende Diffamierung der Juden in den Evangelien.
Das Buch gliedert sich in drei Hauptabschnitten. Der erste Teil betrachtet die vier Evangelien in ihrer zeitlichen Reihenfolge und stellt die literarischen Beziehungen zwischen den Autoren, ihrem sozialen Kontext und ihr Denken über Satan/das Böse dar. Pagels macht deutlich, wie die synoptischen Autoren die Römer immer stärker als Unschuldige am Tod Jesu darstellten. Dafür wurden die Juden als böse Menschen unter dem Einfluss Satans dargestellt und für die Kreuzigung Jesu verantwortlich gemacht.
Der zweite Teil des Buchs beschreibt die wachsende Kluft zwischen den Heiden im Römischen Reich und der wachsenden christlichen Sekte. Um das zu belegen, vergleicht Pagels die Schriften der berühmten heidnischen Denker Celsus und Marc Aurel mit den frühen Schriften der Kirchenvätern Justin der Märtyrer und Origenes. Im Römischen Reich gab es keine größere Tugend als die Staatsbürgerschaft im Imperium. Die Christen betrachteten sich nicht als Bürger Roms, sondern des Himmels, und ihre christlichen Rituale konkurrierten mit denen der Heiden. Satan wurde in dieser Zeit der frühchristlichen Geschichte natürlich mit den Heiden identifiziert.
Im letzten Teil des Buches erörtert Pagels die wachsenden Spannungen innerhalb der frühen Kirche selbst und die Identifizierung des Satans mit den (kircheninternen) Ketzern. Für mich persönlich war dieser Teil des Buches sehr aufschlussreich, weil hier deutlich wird, wie sich die Kirche ihren Kontroll- und Machtanspruch theologisch aufgebaut und (bis heute) gesichert hat. Die Schriften von Tertullian zu lesen und diese mit den Gnostiker-Evangelien derselben Zeitperiode zu vergleichen, ist unglaublich aufschlussreich! Der Kirchenvater Irenäus formulierte (unter anderem) den Anspruch der christlichen Kirche um "die Lehre der Apostel und das alte Lehrgebäude der Kirche für die ganze Welt". Den "Leib Christi" besitzt man in der "Nachfolge der Bischöfe und in den Schriften in treuer Überlieferung".
Mein Fazit: Ein populärwissenschaftliches und ausgesprochen aufschlussreiches Buch über den Ursprung und der Entwicklung von einer der gefährlichsten Erfindung der Menschheit - dem Teufel.
Als Ergänzung empfehle ich folgende Bücher
Abschied vom Teufel und
Der Teufel.