Ich habe mir bewusst ein wenig Zeit bis zur Bewertung des Artikels gelassen. Vor diesem Buch habe ich bereits zwei weitere Werke von Oliver Fehn gelesen ("Satans Handbuch" und "Die Schule des Teufels") und sehe diese 3 Bücher als eine Art Gesamt(kunst)werk an, die sich nahezu perfekt ergänzen.
Ich gebe zu, dass ich damals, als ich mein erstes Oliver Fehn Buch ("Satans Handbuch") in den Händen hielt sehr skeptisch war. "Das hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt", "Eigenartige Aufmachung. Sieht komisch aus" und "Ist ja ziemlich dünn. So wenig Papier für so viel Geld?" waren einige der Gedanken, die mir durch den Kopf schlichen. - Sie alle wurden nach nur einer halben Stunde absoluten Lesevergnügens dick und fett als "Unbegrüdet!" abgestempelt und verworfen. Hier bekommt man sehr wohl etwas für sein Geld.
So war, bzw. ist es auch bei diesem Buch. Der Autor kommt schnell auf den Punkt und befasst sich nur mit dem Nötigsten (was in jeder Hinsicht positiv gemeint ist). Er verzichtet auf langatmige, ermüdende Passagen, protzige Fachausdrücke und erhobene Zeigefinger, was das Lesen zu einem uneingeschränkten Genuss macht. Es geht nach einer kleinen Einleitung sofort zur Sache, und unter Berücksichtigung des ersten Kapitels (;-)) wird wirklich jeder - ob nun Satanist oder nicht - der sich wirklich auf die Übungen, Vorschläge und Anregungen einlässt, mit lediglich ein wenig Eigeninitiative sofort Ergebnisse (noch besser: Erlebnisse!) erzielen. Die Motivation, die dadurch unweigerlich entsteht, verbietet es einem förmlich, das Buch aus der Hand zu legen und so kann man mit dem Lesen einfach nicht aufhören. Die unzähligen Alltagsbeispiele, bei denen man sich das ein oder andere Schmunzeln nicht verkneifen kann und nicht selten an sich selbst denkt, tragen ebenfalls erheblich dazu bei.
Es wurde hier ein-, zweimal geschrieben, O.F.-Bücher seien Abzocke. Das halte ich wie gesagt für gänzlich unbegründet. Auch wurde die Buchgestaltung, ja sogar das Layout kritisiert. Für all jene Punkte gilt: Es geht um den Inhalt! Sicher, ein silber glänzendes Hardcover, das im Dunkeln leuchtet hätte was. Doch ändert das nicht im Geringsten was an dem Inhalt. Es ist einfach unsinnig, der Erscheinung so viel Aufmerksamkeit beizumessen, wo es bei Büchern doch eigentlich sowieso darum geht, was drinsteht. Und in dieser Hinsicht punktet der Autor auf ganzer Linie.
Er liefert stets eine Quintessenz, die vollkommen ausreicht, um das zu vermitteln, was er vermittlen will. Das auch noch in einer sehr lockeren und erfrischend humorvollen Sprache (die der Thematik zudem endlich mal dieses düstere, "böse" und humorlose Image nimmt). Mehr kann man nicht verlangen... und meinetwegen könnte es auch auf Klopapier abgedruckt werden.
Auch, dass der Autor als Satanist ( = eigentlich doch eher rationaler Mensch) oft auf Fantasie als Hilfsmittel zurückgreift finde ich in keinster Weise schlimm. Fantasie ist zwar irreal, klar. Sie kann jedoch in der Realität als vollkommen reales Hilfsmittel benutzt werden. Klingt zunächst widersprüchlich, wird jedoch jedem einleuchten, der kurz drüber nachdenkt. - Mehr macht der Autor nicht: Fantasie "benutzen", um Realität zu ändern. Deswegen Realitätsverlust zu unterstellen finde ich schon fast frech. Da hat jemand wohl einfach nur was falsch, bzw. nicht verstanden.
Dann war da noch die Beschwerde, man kenne viele der Tricks doch schon. Auch hier möchte ich nochmal auf das (erste) Kapitel, "Wie man uraltes Wissen nutzt" hinweisen. Es ist schon ein enormer Unterschied ob man Tricks nur kennt, oder ob man sie BEWUSST kennt UND ANWENDET. (Es hat sicher seine Gründe, warum dies das erste Kapitel ist) - Abgesehen davon, um Zweifler zu beruhigen: Ich persönlich kannte auch einige Tricks schon, empfand aber mindestens drei Viertel der Kiste als absolut neu.
Um es einfach mal zusammenzufassen: Ich persönlich schätze diese kompakte Zauberkiste sehr. Sie hat mir einiges beigebracht, mich in vielen Dingen bestärkt und mich nebenbei auch noch erstklassig unterhalten - eine wahre Bereicherung. Und es gibt viele Bücher, die nichtmal einen dieser Aspekte erfüllen.
Von daher kann ich das Buch uneingeschränkt empfehlen und wünsche jedem viel Spaß, der bereit ist, sich wirklich darauf einzulassen und "mitzumachen" - es lohnt sich!
Teuflische Grüße
- Hendrik