Legacy, 02/99
Kurzbeschreibung
Der Verlag über das Buch
Die Satanische Rituale: Mit Beispielen von Ritualen aus verschiedenen Kulturen, größtenteils in Originalsprache mit Übersetzung. In seiner konsequenten satanischen Sichtweise eine sinnvolle Ergänzung zu der Satanischen Bibel.
Der Autor über sein Buch
Dieses Buch enthält Wahrheit - und Phantasie. Eins kann ohne das andere nicht existieren; jedoch muß beides als das erkannt werden, was es ist. Was du erfährst, mag dir vielleicht nicht immer gefallen, aber du wirst es erfahren! Dies sind satanische Gedanken, niedergeschrieben aus wahrhaft satanischer Sicht. Anton Szandor LaVey, The Church of Satan
Umschlagtext
Von da an war sein Lebensweg klar. In der letzten Aprilnacht des Jahres 1966 - der Walpurgisnacht, dem wichtigsten Fest in der Überlieferung von Magie und Hexenwesen - rasierte sich LaVey rituell sein Haupthaar nach der Art alter Scharfrichter und verkündete die Gründung der Church of Satan. Er erkannte, daß eine Kirche gebraucht wurde, die Verstand und Triebe des Menschen als Anlaß zum Feiern wiederentdeckte. "Da die Verehrung des Fleisches Wonne bereitet", sagte er, sollte ein herrlicher Tempel der Sinnesfreude entstehen... " -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Auszug aus Die Satanische Bibel & Rituale von Anton Sz. LaVey. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
GOTT
TOT ODER LEBENDIG
Es ist eine weitverbreitete falsche Annahme, daß der Satanist nicht an Gott glaubt. Die Vorstellung des Menschen von Gott hat sich im Laufe der Zeit so oft verändert, daß sich der Satanist einfach die Definition aussucht, die für ihn am geeignetsten ist. Der Mensch hat sich immer seine Götter geschaffen und nicht seine Götter ihn. Für manche ist Gott gütig, für andere furchteinflößend. Für den Satanisten ist Gott mit welchem Namen, wenn überhaupt, er auch benannt werden mag - der ausgleichende Faktor in der Natur und kein Lebewesen, das für das Leid zuständig ist. Diese mächtige Kraft, die das Universum durchdringt und im Gleichgewicht hält, ist viel zu unpersönlich, um sich um das Glück oder Unglück von Lebewesen aus Fleisch und Blut zu sorgen, die auf diesem kleinen schmutzigen Erdball leben.
Wer glaubt, daß Satan böse ist, sollte einmal an all die Männer, Frauen, Kinder und Tiere denken, die gestorben sind, weil es Gottes Wille war. Jeder Mensch, der den plötzlichen Tod geliebter Angehöriger betrauert, würde diese wohl lieber bei sich als in der Hand Gottes wissen! Statt dessen werden sie salbungsvoll von ihrem Geistlichen getröstet, der sagt Es war Gottes Wille, meine Liebe; oder Er ist jetzt bei Gott, mein Sohn. Derartige Phrasen waren schon immer ein bequemer Weg der Frommen, die Erbarmungslosigkeit Gottes zu dulden oder zu rechtfertigen. Wenn jedoch Gott alles so völlig unter Kontrolle hat und so gütig ist, wie behauptet wird, warum läßt er dann zu, daß derartige Dinge passieren? Viel zu lange schon haben sich religiöse Eiferer auf ihre Bibeln und Gesetzbücher zurückgezogen, um zu beweisen, zu widerlegen, zu rechtfertigen, zu verurteilen oder zu interpretieren.
Dem Satanisten ist bewußt, daß der Mensch sowie die Aktion und Reaktion des Universums für alles verantwortlich ist, und er gibt sich nicht der Illusion hin, daß jemand anderes für ihn sorgt. Wir werden uns nicht länger zurücklehnen und das Schicksal passiv hinnehmen, nur weil es in Kapitel soundso, Psalm soundso geschrieben steht - ein für allemal! Der Satanist weiß, daß Beten überhaupt nichts bewirkt - im Gegenteil, es verringert die Erfolgschancen, da sich die frommen Eiferer oft einfach nur andächtig zurücklehnen und eine Situation herbeibeten, die sie selbst viel schneller erreichen könnten, wenn sie sich nur selbst darum kümmern würden!
Der Satanist meidet Ausdrücke wie Hoffen und Beten, da sie ein Anzeichen für eine bestimmte Geisteshaltung sind. Wenn wir hoffen und beten, damit etwas eintritt, handeln wir nicht im positiven Sinne, damit es wirklich eintritt. Der Satanist weiß, daß er alles, was er erreicht, sich selbst zu verdanken hat, und er übernimmt das Kommando anstatt Gott darum zu bitten. Positives Denken und positives Handeln führen zusammen zu Ergebnissen.
Ebensowenig wie der Satanist Gott um Hilfe bittet, bittet er ihn auch um Vergebung für seine Vergehen. Wenn jemand Missetaten begeht, so bittet er in anderen Religionen Gott um Vergebung oder beichtet sie einem Zwischenträger, damit dieser für ihn Gott um Vergebung für seine Sünden bittet. Der Satanist weiß, wenn beten schon nichts nützt, dann nützt es noch weniger, jemand anderem, der auch nur ein Mensch wie er ist, zu beichten - und außerdem ist es entwürdigend.
Wenn ein Satanist etwas Verkehrtes tut, weiß er, daß es ganz natürlich ist, Fehler zu machen - und wenn ihm sein Vergehen wirklich leid tut, wird er daraus lernen und dafür sorgen, daß es nicht noch einmal vorkommt. Wenn er seine Tat jedoch nicht aufrichtig bedauert und weiß, daß er das Gleiche immer wieder machen wird, ist es sowieso unnötig, zu beichten und um Vergebung zu bitten. Aber genau dies geschieht. Die Menschen beichten ihre Sünden, um ihr Gewissen zu erleichtern und unbelastet neue Sünden zu begehen, meistens dieselben.
Es gibt so viele unterschiedliche Interpretationen von Gott im üblichen Wortsinn wie es unterschiedliche Menschen gibt. Die Vorstellungen reichen vom Glauben an einen vagen universellen kosmischen Geist bis zu dem antropomorphen Gott mit langem weißen Bart und Sandalen, der die Handlungen jedes Einzelnen überwacht.
Sogar in den Grenzen einer vorgegebenen Religion gibt es sehr unterschiedliche Interpretationen von Gott. Einige Religionen gehen sogar so weit, jeden, der einer anderen religiösen Sekte als sie selbst angehört, als Ketzer zu bezeichnen, obwohl die allgemeinen Doktrinen und Vorstellungen von Göttlichkeit fast dieselben sind. Zum Beispiel: Die Katholiken glauben, daß die Protestanten in der Hölle enden werden, und zwar aus dem einfachen Grund, daß sie nicht der katholischen Kirche angehören. Außerdem sind viele Splittergruppen des christlichen Glaubens, wie die Kirche der Evangelisation oder der Erweckungsbewegung, der Überzeugung, daß die Katholiken Heiden sind, die Götzenbilder anbeten. (Das Bild von Christus ähnelt in der Vorstellung jeweils physiologisch stark demjenigen, der ihn anbetet, und trotzdem kritisieren Christen Heiden wegen Götzenanbetung.) Und die Juden wurden schon immer als Teufel bezeichnet.
Obwohl der Gott in all diesen Religionen grundsätzlich derselbe ist, betrachtet jede den Weg der anderen als verwerflich, und obendrein beten diese religiösen Eiferer noch füreinander! Sie verachten ihre Brüder des Pfades zur Rechten, weil ihre Religionen einen anderen Namen tragen, und irgendwie muß diese Feindseligkeit herausgelassen werden. Wie ginge dies besser als durch ein Gebet! Was für eine gekünstelte höfliche Art zu sagen: Ich hasse dich wie die Pest, ist doch dieser schlecht getarnte Akt, den man als Beten für seinen Feind bezeichnet! Beten für den eigenen Feind ist nichts anderes als wie Zorn aus der Billigwarenabteilung eines Kaufhauses, schäbig und von minderer Qualität.
Wenn es so viele krasse Meinungsverschiedenheiten darüber gibt, welcher Weg der Gottesanbetung der richtige ist, wie viele verschiedene Interpretationen von Gott selbst mag es wohl geben - und wer hat recht?
All diese hingebungsvollen Weißlichter sind damit beschäftigt, Gott zu gefallen, damit sich die Tore zum Paradies für sie öffnen, wenn sie sterben. Und trotzdem, wenn ein Mensch sein Leben nicht in Übereinstimmung mit den Vorschriften seines Glaubens geführt hat, kann er immer noch in letzter Minute einen Geistlichen an sein Sterbebett rufen, um die endgültige Absolution zu erhalten. Der Priester oder Pfarrer kommt angerannt, um alles mit Gott ins Lot zu bringen und dafür zu sorgen, daß die Fahrkarte ins Himmelreich korrekt ausgestellt ist. ... Bei all den Widersprüchen in den christlichen Schriften gibt es heutzutage viele Menschen, die vom Verstand her das Christentum nicht mehr in der Form akzeptieren können, wie es in der Vergangenheit praktiziert wurde. Viele Menschen beginnen an der Existenz Gottes im herkömmlichen christlichen Wortsinn zu zweifeln. Deshalb nennen sie sich christliche Atheisten. Zwar ist die christliche Bibel eine Ansammlung von Widersprüchen, aber was könnte widersprüchlicher sein als der Ausdruck christlicher Atheist?
Wenn selbst prominente Oberhäupter des christlichen Glaubens ihre ursprünglichen Interpretationen von Gott verwerfen, wie können sie von ihren Anhängern erwarten, daß diese an den althergebrachten religiösen Traditionen festhalten?
Bei all diesen Debatten, ob Gott tot ist oder nicht - wenn nicht, sollte er wenigstens eine gute LEBENSVERSICHERUNG haben!
Aus Teil 1, Die Satanische Bibel