Zunächst muss man einmal sagen, dass diese Scheibe viel besser als ihr Ruf ist. Noch dazu, so würde ich meinen, ist es in jedem Fall eine Steigerung zum etwas verunglückten Vorgängeralbum "Between the buttons", das, mir unverständlicherweise, im Allgemeinen höher eingeschätzt wird als "Their Satanic Mejesties Request".
Die Stones experimentieren, so wie viele andere Bands zu jener Zeit (wir schreiben das Jahr 1967) auch. Und wenn man - ich geh hier gleich aufs Ganze - "Their Satanic Majesties Request" und das (angeblich) grandiose "Sgt. Peppers" von den Beatles zumdindest einem indirekten Vergleich unterziehen darf, so würden die Stones hierbei besser abschneiden als die Pilzköpfe (die sie zu jener Zeit ja eigentlich gar nicht mehr waren). Das soll jetzt keine Anti-Beatles-Kampagne sein, keine Sorge - ich vererhre und schätze die Beatles durchaus!
Aber insgesamt ist "Their Satanic Majesties Request" ein absolut geglücktes Album mit einigen Aussetzern, die dieser Scheibe aber irgendwie auch einen gewissen Charme verleihen.
Es ist eben das etwas andere Stones-Album. Eine psychedellische Verschnaufpause, wenn man so möchte, zwischen etwas (zu jener zeit) verstaubter Beat-Musik ("Between the buttons") und riesigen, künftigen Glanzzeiten ("Beggars Banquet", "Let it Bleed" usf.)
Um meine Rezension nicht noch weiter unnötig in die Länge zu ziehen, möchte ich anhand einer (subjektiven) Bewertung der einzelnen Songs dieser Platte einen kleinen Gesamtüberblick bieten.
Bewertungsskala: 1 - 5 Sterne / 1 Stern: MIES, 5 Sterne: GRANDIOS
1. SING THIS ALL TOGETHER ****
Das Album beginnt, wie es beginnen muss (passend zum Thema): chaotisch, laut, aber durchaus begeistert und begeisternd. Mick singt hier lauthals von Bildern, die er mit geschlossenen Augen sieht. Wahrhaftig ein Drogenlied, aber kein unsympathisches!
2. CITADEL ****
Für diese Scheibe fast schon unerhört "rockig". Keiths Gitarrenriff erinnert an große, noch folgende Zeiten. Eine Rock-Psychedellic-Nummer mit Herz, die hervorragend auf dieses Gesamtkunstwerk, als das ich mich diese Platte zu nennen getraue, passt!
3. IN ANOTHER LAND ***
Wirkt beim ersten Mal Anhören etwas einfallslos und fad. Passt jedoch (so wie im Grunde alle Nummern dieses Albums) super auf die Scheibe. Animiert zum Dahinträumen. Bill Wymans einziger Versuch in der Stones-Ära sich als Songwriter durchzusetzten, begünstigt von wirren, die Band beinahe zerüttenden Umständen (Mick und Keith waren zu dieser Zeit wohl häufiger bei Gerichtsverhandlungen als im Studio).
4. 2000 MAN ****
Eine wirklich gelungene Single, die, auch wenn man sie solo hört, begeistern und mitreißen kann. Wurde übrigens von KISS gecovert (ohne natürlich ans Original heranzukommen). Wirklich gut!
5. SING THIS ALL TOGETHER (SEE WHAT HAPPENS) **
Ein kleiner Absturz ins absolute Chaos, der, wenn überhaupt nur in Hinblick auf die Gesamtkonzeption des Albums eine Überlebensberechtigung hat. Ist nach dem gefälligen Beginn jedoch irgendwie auch eine nette Abwechslung, um wieder auf den (Psychedellic-)boden zu kommen. Naja - warum nicht?!
6. SHE'S A RAINBOW *****
Einzige eigentliche Hit-Single auf diesem Album. Hätte auf anderen Stones-Alben, bezüglich Harmonie und Feinabstimmung, überhaupt keine Chance ernstgenommen zu werden. Für die Stones eher eine untypische Single, aber gleichzeitig auch eine, die die Vielseitigkeit und Kreativität der Band unter Beweis stellt! Erheitert das Gemüt. Ein unbeschwetes Liedchen zum Mitträllern!!
7. THE LANTERN **
Für mich persönlich am "schwierigsten" auf dieser Platte zu bewerten. Passt ganz gut auf die Scheibe, ist jedoch nicht wirklich ein Song, der tatsächlich im Langzeitgedächtnis haften bleibt!
8. GOMPER ****
Nach großartigem Beginn gleitet dieser Song leider ins Ungewisse und endet ziellos und stümperhaft irgendwo im Nirgendwo... Wenigstens zeigt aber der Anfang dieser Nummer noch einmal auf eindrucksvolle Weise das Kreativpotential der Band auf! Hören Sie sich's an!!
9. 2000 LIGHTYEARS FROM HOME ****
Kritiker sprechen wenigstens auch dieser Single, neben "She's a Rainbow" ein gewisses Maß an Existenzberechtigung zu. Verdientermaßen, würde ich sagen. Der Gitarrensound, gleich zu Beginn, war damals eine echte Neuheit, fast schon überdimensional. Eine spacige Weltraum-Odysee im psychedellischen Musikrausch einer unbekümmerten Rock `n` Roll Band, die einfach Spaß am Musizieren hat!
10. ON WITH THE SHOW ***
Als ob es Mick und Co schon geahnt hätten, wie es weitergehen würde... Die Show muss weitergehen und sie wird es auch (und wie!). Eine nette Abschlusssingle, die wohl genauso gut in die Mitte des Albums gepasst hätte. Natürlich war es gewiss nicht Zufall, "On with the show" ans Ende von "Their Satanic Majesties Request" zu setzen...
Abschließend möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass "Their Satanic Majesties Request" ein einzigartiges, sich nicht selber 100%ig erntsnehmendes Projekt der Stones war, dass mit Sicherheit mehr GE- als missGLÜCKT ist!!
Herausragend ist das Gesamtkonzept der Scheibe. Ein flüssiges, ineinander verwobenes Album mit Psychedelliccharakterzügen und einigen rockigen Riffs - die Rolling Stones, wie sie die Welt zuvor (und danach) nicht mehr hören sollte...
Die Scheibe hat durch ihre Einzigartigkeit absoluten Kultstatus und sollte in keiner Musikliebhaber-Sammlung fehlen. Stones-Fans kommen an "Their Satanic Majesties Request" sowieso nicht vorbei!
Meine (subjektive) Gesamtbewertung daher: 4 STERNE, und die verdient!!