Der Film basiert auf der Kurzgeschichte „Die Maske des roten Todes“ von Edgar Allen Poe , die allerdings sehr ausgebaut wurde, Das ist absolut verständlich da Poes Erzählung nur ein paar Seiten lang ist und man sie in unter fünf Minuten relativ gut lesen kann. Die Geschichte handelt von Prinz Prospero, einem europäischen mittelalterlichen Edelmann, der sich aufgrund der Tatsache, dass der „rote Tod“ in seinen Ländereien wütet und die Bevölkerung dahinrafft, mit seiner Gefolgschaft in sein Schloss einschließt um dort in lustiger Quarantäne rauschende Feste zu feiern. Was genau dieser „rote Tod“ ist wird allerdings weder im Buch noch im Film erklärt. Die Opfer weisen ganz andere Symptome auf als wie bei der Pest dem „schwarzen Tod“ aber hier geht es eindeutig um die Dramaturgie. Es genügt zu wissen das es sich um eine garstige sehr ansteckende Krankheit handelt bei der die Menschen wie die Fliegen sterben.
Für die Filmversion reicht es nicht, dass Prospero ein gewissenloser Lebemann ist, nein er wird zu einem der miesesten, bösesten Schurken aller Zeiten, einem eiskalten, intellektuellen Machtmenschen, der sein Volk quält, foltert und töten lässt und so nebenbei in seiner Freizeit satanische Messen zelebriert um den Herren der Finsternis zu beschwören. Eine Rolle also die nach einen Mann, und nur nach einen Mann ruft; Vincent Price beweist wieder einmal auf elegante Weise seine Großmeisterschaft als Horrordarsteller.
Für einen Roger Cormanfilm sind die Ausstattung und Kostüme unglaublich opulent und kostspielig. Das erklärt sich daher, dass dieser Film in England gedreht wurde und man die Sets von „Becket“ aus dem Jahr davor wiederverwenden dürfte. Auch die Crew und die Darstellergilde besteht fast nur aus Briten. Die wunderhübsche Jane Asher (die übrigens lange Zeit Paul McCartneys Freundin und Inspiration für mehrere Beatlessongs war; verständlich ist sie doch wirklich musenhaft schön) spielt das gefangengenommene Objekt der Begierde für den widerlichen Lüstling Prospero, der imposante Charakterdarsteller Nigel Green gibt ihren heldenhaften Vater und Hazel Court beweist mal wieder, dass niemand in einem tiefdekoltierten Kleid besser aussieht als sie.
Mancherorts wird der Film als bergmannesque bezeichnet und tatsächlich verschob Roger Corman die Dreharbeiten um einige Jahre da er fand, dass die Handlung zu viele Ähnlichkeiten zu „Das siebente Siegel“ aufweist. Und wirklich gibt es einige poetisch verstörende Bilder wenn der Tod als vermummter Wanderer durch Land zieht. Natürlich trägt er hier (siehe Originaltitel) statt schwarzer Kutte und Sense einen feschen roten Umhang und statt eines Schachspiels hat er ein Set Tarotkarten bei sich. Auch zeigt uns die grandiose Schlussszene, dass es mehr als einen Engel des Todes gibt, die natürlich alle cinemascope und farbfilmfreundlich verschiede Talare anhaben um nach getaner Arbeit weiterzuziehen.
Ziemlich guter, stellenweise ungewöhnlicher Film aus dem Hause Corman. Störend vielleicht ein wenig die deutsche Synchronisation. Arnold Marquis war wohl einer der grandiosesten deutschen Sprecher aber sein markanter Bariton wirkt etwas deplaziert wenn man Vincent Prices samtiges Organ im Original kennt.
Die DVD selbst ist mal wieder typisch MGM. Bild, Ton ok. Mehrere Sprachen und ein Haufen Untertitel. Extras mal wieder nichts! Ich hab nicht mal einen Trailergefunden. Tja, schade. Aber was solls; einen Price, Poe und Cormanfan sollte das nicht davon abhalten den Film zu kaufen.