Da die Polizei nach wie vor nicht auf ihn verzichten kann, weil er so gut ist, schickt Helge Schneider seinen gleichnamigen Kommissar ein sechstes Mal ins Rennen. Nach so langer Zeit könnte man eine erzwungene Rückkehr zu einer altgedienten Figur befürchten, doch weit gefehlt: Helge gelingt - mal wieder - ein echtes Husarenstück. Schneiders Roman sind ja allesamt Genreparodien, die Gattungskonventionen mit brachialer Gewalt aufbrechen und infrage stellen. Man hätte denken können, dass die 5 Vorgängerkrimis dies in Bezug auf dieses doch oft in starren Grenzen verharrende Genre bereits bis zum Letzten geleistet hätten. Doch auch dies ist ein Irrtum, Helge führt den Krimi nun in ultimativer Weise ad absurdum, indem er seinen Kommissar ermitteln lässt, obwohl es keinen Täter, kein Opfer, ja einfach gar keinen Fall gibt. Der Kommissar reist einfach mal nach Mallorca, wo seine Tochter auf einen angeblichen Modefotographen, den fiesen Jeremy, hereingefallen ist, und weil er auf den so wütend ist, beginnt er mal drauf los zu ermitteln. Parallel dazu erzählt der Roman die Geschichte eines gewalttätigen, aber gutmütigen Motorradaussteigers (Satan Loco eben, eine dieser Schneider-typischen, ambivalenten Außenseiterfiguren in der Tradition des Diogenes von Sinope), und seines besten Freundes, eines Pumas (natürlich ist dieses Tier die einzige Figur, die charakterlich noch integerer ist als der einsame Wolf Satan Loco). Und so ermittelt der Kommissar einfach mal drauf los, die Geschichte erzählt auch, wie man das bei Helges Romanen kennt, einfach mal zusammenhanglos und episodenhaft drauf los, gespickt mit irrwitzigen Zwischenfällen, bei denen man aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommt ' und am Ende treffen dann die Geschichten der drei Hauptfiguren (des Kommissars Schneider, Satan Loco und des fiesen Jeremy) in so konstruiert-zufälliger Weise zusammen, dass man darin nur eine spöttische Parodie der oft so krude zurechtgebogenen Handlungen typischer Kriminal- und Detektivgeschichten sehen kann. Natürlich ist es letztendlich nur dem Einschreiten des Kommissars überhaupt zu verdanken, dass erst das Verbrechen Einzug in diese Geschichte erhält, wenn er auch selbst längst nicht mehr so gewalttätig auftritt wie in den ersten Kommissar-Schneider-Krimis. Vielmehr werden die Tendenzen aus 'Aprikose, Banane, Erdbeer' aufgegriffen und weitergeführt: Es sind der Zufall, die oft unglücklichen äußeren Umstände, die die Aussteigerfiguren der jüngeren Schneider-Romane zu Verbrechern, ja zu Mördern machen. So erhält auch 'Satan Loco', ganz wie sein Krimi-Vorgänger, eine überaus nachdenkliche Note, wenn auch der krude Humor Schneiders selbstverständlich immerfort überwiegt. Bemerkenswert ist dabei, wie nah Schneiders Roman an hochaktuellen Diskursen dran ist, die die gesellschaftlichen und medialen Diskussionen prägen. Auf diese Weise ist 'Satan Loco' mal wieder ein äußerst rundes, gelungenes Werk Schneiders geworden, das zugleich überrascht und auch auf bewährte Muster Schneiderschen Humors zurückgreift. Sein Projekt, die Gattungskonventionen des Krimi auf möglichst schonungslose Weise bloßzulegen, dürfte mit diesem ganz neuen Niveau der Genreparodie, des Krimis völlig ohne Fall, Täter und Opfer, nun aber abgeschlossen sein, sodass aus meiner Sicht leider vorerst kein neuer Kommissar Schneider-Roman zu erwarten sein dürfte. Mal sehen, was sich der Meister der Genreparodie als nächstes einfallen lässt.