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Sarkophag
 
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Sarkophag [Gebundene Ausgabe]

Walter Laufenberg , Eva Weigl
3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Ein nackter Mann mit durchtrennter Kehle in der Johanneskathedrale von Valletta. Er wusste wohl zuviel. Bald stellt sich heraus, dass sich in der Hauptstadt der martialisch befestigten Insel Malta Fremde herumtreiben, die auf der Suche nach einem ungeheuer wertvollen Schatz sind – aber um was genau handelt es sich dabei, und welche Rolle spielt der Mörder in Mönchskutte, der vor nichts zurückschreckt, um ein brisantes Geheimnis zu bewahren?

Edward Green, ein maltesischer Englischlehrer, und seine Schülerin, die attraktive Kriminalassistentin Iris Schwarzkopf aus Köln, hatten sich ausgerechnet die Kirche als Liebesnest ausgesucht und geraten plötzlich zwischen alle Fronten. Es geht ums Überleben, egal, was es kostet. Eine atemlose Flucht durch Valletta und seine unterirdischen Kasematten beginnt …

„Sarkophag“, der neue Thriller von Walter Laufenberg, verwebt gekonnt historische Tatsachen und Streitfragen mit spannender Fiktion rund um den legendären Malteserorden.

Über den Autor

Walter Laufenberg, Rheinländer, war Fernsehreporter beim WDR und ZDF, freier Filmemacher, Verlagslektor und Werbeberater. Langjähriger Autor der Kultzeitschrift „TransAtlantik“. Seit dem Jahreswechsel 1995/96 Herausgeber des Online-Magazins „Laufenberg NETzine“. Lebt zurzeit in Mannheim. Veröffentlichte neben Zeitromanen und historischen Romanen die Kriminalromane „Hitlers Double“ (1997) sowie „Sylvesterfeuerwerk“ (2000).

Auszug aus Sarkophag von Walter Laufenberg. Copyright © 2008. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

So verloren, dieser grau-beige Felsklotz im Meer zwischen Sizilien und der nordafrikanischen Küste, so klein auch, dass man meinen könnte, die Sonne brauchte nur einen einzigen Strahl auf ihn zu richten, um ihn zu erwärmen. Und der Fels, von gewaltigen Festungswerken gekrönt, nimmt die Hitze gern auf und speichert sie bis in die Nacht hinein, wenn sich die Menschen längst in ihre Behausungen zurückgezogen haben. Wo sie die Sicherheit genießen − Stein auf Stein um sich herum aufgeschichtet − oder einfach alles verschlafen. Ohne sich um die zu kümmern, die den tiefschwarzen Schatten der Nacht für ihre dunkelsten Absichten nutzen. Und auch für die allerschönsten.
Ganz offensichtlich enttäuscht war sie und einfach nicht mehr bereit, auch nur einen Schritt weiter zu gehen. Mehr widerborstig als müde lehnte sie sich in der dunklen Nische der Johanneskathedrale von Valletta an einen steinernen Ritter, der seit Jahrhunderten auf seinem Sarkophag ruhte. Auf dem Rücken lag der gepanzerte Mann, die Arme über dem Leib verschränkt, die Beine mit den Beinschienen und den spitzen Schuhen brav nebeneinander, so vertrauenerweckend, dass Iris nichts dabei fand, ihn mit dem neugierigen Lichtstrahl ihrer kleinen Stablampe von oben bis unten abzutasten. Auch die stolze Schamkapsel besonders in den Blick zu nehmen. Den steinernen Ritter störte ihre Vertraulichkeit nicht. Er schwieg das Schweigen der Ewigkeit.
Dass er stillhält, das kann es ja wohl nicht sein, was ihn für Iris so anziehend macht, überlegte Edward, der ein paar Schritte weitergegangen war und sich jetzt nach ihr umgewandt hatte. Hand in Hand waren sie umhergeschlendert, nachdem die Kirche geschlossen worden war und alle Lichter ausgegangen waren. Sie beide allein in dem riesigen Raum, durch dessen farblose ovale Fenster, hoch oben im Tonnengewölbe, nur hin und wieder eine schwache Helle dringen konnte. Denn schnell ziehende schwere Wolken ließen die Halbmondnacht immer wieder in völlige Finsternis versinken. Wie zwei Kinder, die sich verlaufen hatten, so verloren in der Weite des Kirchenraums, waren sie dahin geschlichen, über die bunt bebilderten Grabplatten, die den Boden schmückten, Grab an Grab, wie Schulter an Schulter und wie Kopf an Fuß. Nur dem Licht der kleinen Lampe in ihrer Hand folgend, waren sie immer weiter gegangen, auf dem schier endlos erscheinenden marmornen Teppich der Toten. Dabei war sie beinahe ängstlich auf die Bilder mit Gerippen und Sensenmann und Totenkopf und Stundenglas und frommen Sprüchen getreten, viel behutsamer als er, der zeigte, dass er sich hier auskannte. Erst als die beiden bei einem plötzlichen Aufleuchten des Mondes direkt vor sich die beinahe mannshohen Kerzen auf dem Altar gesehen hatten, waren sie in eine Seitenkapelle ausgewichen. Weil die dünnen leichenblassen Riesenkerzen ohne Flammen sie wie eine Gattersäge bedrohten.
Diese schauerlichen Eindrücke und dazu diese Dunkelheit, das kann eine Frau schon in ein Stimmungstief fallen lassen, sagte Edward sich. Deshalb hat sie sich von meiner Hand losgerissen. Und was vielleicht noch schwerwiegender ist: Zu der Schwärze der Nacht kommt der intensive Geruch nach Weihrauch, der die Luft des Kirchenraums geschwängert hat. Ein Duft, der für sie ungewohnt sein dürfte, weil sie ja nicht gläubig ist. Liebevoll machte er sich alles an Verständnis klar, was ihm einfiel. Nur an die monotone Aufzählung von Namen und Jahreszahlen, die er ihr bei dem Rundgang geboten hatte, in Kastellanmanier fast dreihundert Jahre Herrlichkeit des souveränen Militärordens der Malteser im Schnelldurchgang serviert, der Fürst und der Großprior, der Freiherr und der Großmeister, er kannte sich ja bestens aus, an diese Zumutung dachte er nicht. Und auch nicht daran, dass er ihr eigentlich ein gemütliches Eckchen versprochen hatte.
Ihre Finger spielten lustlos in den Augenhöhlen des steinernen Totenkopfs, dessen Helmvisier hochgeschoben war, als sie missmutig sagte: „Also ich weiß nicht, Edward, wir hätten uns vielleicht doch nicht gerade hier verstecken sollen. Es gibt sicher schönere Liebesnester.“
In dem Moment gab der Ritter nach, senkte sich geräuschlos in den Sarkophag, an dem sie lehnte, und verschwand mit dem schweren marmornen Kasten im Boden. Dabei riss er die Kriminalassistentin Iris Schwarzkopf aus Köln mit in die Tiefe.
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