"Sarek" ist ein Buch, das von so vielem handelt - vonbrisanter Politik & der Geschichte der Föderation, von SareksLeben, von vulkanischer Logik und deren Konflikt mit der Ethik, von Liebe (Amanda & Sarek; Valdyr & Peter), von einer Verschwörung, die einem regelrecht paranoid lassen werden kann - aber die Autorin verliert dabei nie die vielseitige Geschichte aus den Augen, die sich abwechselnd langsam und rasant entwickelt, ohne daß man je auf den Gedanken käme, das Buch aus der Hand zu legen (es sei denn man ist kurz vor dem Verhungern oder die Jem'Hadar greifen an). Man merkt schon nach der dritten Seite, daß man es hier nicht mit einem gewöhnlichen "Star Trek"-Buch zu tun hat. Ann Crispin ist eine erfahrene Autorin, das spürt man in jedem Satz. Damit meine ich nicht nur ihren Schreibstil, sondern auch ihr Talent dem Leser einen Einblick in Sareks Leben zu geben - "Einblick" ist sogar noch untertrieben, sie lässt uns an Sareks täglichem Leben teilhaben. Vergesst alle Vorurteile, die ihr je gegenüber den Vulkaniern hattet! Auch Amanda kennenzulernen, lohnt sich - von ihrem ersten Date mit Sarek an (sehr interessant!!) bis zu ihrem Tod (schnüff). Mit ihren Tagebucheinträgen (gute Idee, übrigens) wächst sie einem garantiert ans Herz. Wollt Ihr wissen, wie es ist, als menschliche Frau mit einem Vulkanier verheiratet zu sein? Vulkan und die Lebensweise seiner Bewohner erscheinen bis in kleinste Detail so realistisch, daß ich - wüßte ich es nicht besser - sagen würde, Ann Crispin hat den Planeten besucht, ein Jahr in Sareks Villa gelebt und Amandas Garten gepflegt... aber da ich es besser weiß, hat sie wohl genau und lange recherchiert um so ein wahrheitsgetreues Bild des riesigen "Star Trek"-Universums zu erschaffen - das merkt man auch an der Zeittafel im Anhang und den kleinen Verweisen auf föderationsgeschichtliche Ereignisse im Buch: Hier schreibt eine Spezialistin. Crispin hat auch eine romantische Ader (aber keine Angst, kitschig wird's nicht). Abgesehen von Amanda & Sarek begegnen wir einem weiteren Paar, das Probleme mit völkerbedingten Barrieren hat - Peter Kirk und die Klingonin Valdyr. Man muß es gelesen haben, um es sich vorstellen zu können, denn dieser Sternenflottenkadett will so ganz und gar nicht zu einer Klingonin passen. Valdyr ist aber auch nicht der Archetyp einer groben Klingonin (oder glaubt ihr wirklich, daß die nach Aprikosen duften?) - nein, auch sie ist eine dieser wunderbaren Charaktere in dem Buch, die man einfach liebhaben MUSS! "Sarek" ist eines der besten - um ehrlich zu sein DAS BESTE - "Star Trek"-Buch, das ich je gelesen habe und mit Sicherheit das beste, das ich je kritisiert habe. (Aber warum spreche ich von "kritisieren"? Ich habe auf fast 550 Seiten keinen einzigen Kritikpunkt gefunden!!) Und das obwohl ich wirklich kein Fan der Classic-Serie bin und immer eher eine vorsichtige Haltung gegenüber Vulkaniern hatte (um nicht zu sagen: es gab eine Zeit in der ich Vulkanier nicht leiden konnte!). Aber dieser Roman hat mich überzeugt, und zwar völlig. Es stimmt einfach alles.