Endlich ein Radtourenführer für Sardinien für den nächsten Urlaub! Gekauft, durchgeblättert, enttäuscht. Wird im Regal enden, aus Dokumentationsgründen. Und weil ich noch keinen anderen Radführer für die Insel gefunden habe (abgesehen von Sardinien-Gallura, über den ich auch noch was schreiben werde).
Warum die Enttäuschung?
1) Der Informationsgehalt beschränkt sich auf gähnend langweilige Tourenbeschreibungen. Nach der Lektüre von zwei oder drei Etappen habe ich eigentlich schon keine Lust mehr, überhaupt an Fahrradfahren auf Sardinien zu denken.
2) Die Radtouren sind viel zu lang gewählt, die Etappen durchschnittlich 100 km lang (das ist zugegebenermaßen Geschmackssache). Die Beschreibung der Touren selbst wieder erschreckend aussagefrei.
3) Am Beginn der Etappe eine minimalistische Beschreibung: Länge, Höhenunterschied, Schwierigkeitsgrad. Und dann das Beste: die Sektion "Entlang der Route", die aus solch wunderbar detaillierten Stückseln bestehen wie z.B. "Die Weinberge von Berchidda" und "Der Coghinasee". Und was bedeutet das? Sind die sehenswert? Oder einfach nur Weinberge oder ein See?
3) Innerhalb der Etappenbeschreibungen finden sich kaum noch Bemerkungen zu Sehenswürdigkeiten, nur noch trockene Wegangaben ("Nurallao Richtung Isili durchqueren"), die sich über Seiten hinweg ziehen.
Und zum Abschluss der Schnell-Durchsicht ein Blick auf die Rückenklappe (für viele Rezensenten ohnehin eine gute Referenz).
"Präzise Karten, genaue Streckenbeschreibungen, zahlreiche Stadt- und Ortspläne, Hinweise auf das kulturelle und touristische Angebot der Region und ein umfangreiches Übernachtungsverzeichnis - in diesem Buch finden Sie alles, was Sie zu einer Radtour auf SIZILIEN (sic!) brauchen - außer gutem Radlwetter, das können wir Ihnen nur wünschen."
Von den genannten Versprechungen erfüllt der Reiseführer kaum eine. Präzise Karten stelle ich mir anders vor (1:120.000 ist nicht gerade detailliert, aber wenn sie präzise, also stimmig sind, ist das ja auch schon was), Stadt- und Ortspläne habe ich keinen einzigen gefunden (kann aber sein, dass ich Ihn einfach überblättert habe, was dagegen spricht, dass es "zahlreiche" sind). Wenn man sich mit einigen mageren stichpunktartigen Hinweisen auf Kultur und Tourismus zufrieden gibt, könnte man das gerade noch gelten lassen.
Im übrigen überlege ich mir nach der Lektüre ernsthaft, mein Fahrrad nach Sardinien mitzunehmen. Warum? Der Bikeline Radatlas hat mir die Augen geöffnet: "Die Routen auf Sardinien verlaufen auf befestigten, gut befahrbaren Straßen und Wegen. Aufgrund dessen ist jedoch in touristischen Gebieten in der Hochsaison mit starkem Verkehrsaufkommen zu rechnen. Außerdem sind bei allen Touren immer wieder starke bis sehr starke Steigungen und Gefällestrecken zu überwinden."
Schade, dann halt nicht. Vermutlich muss ich mich noch mehrfach mit den Details befassen, bevor ich den wahren Wert zu schätzen lerne...