Der 28. Juni 1914, der Tag, an dem das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand, den Thronfolger der österreichisch-ungarischen Donaumonarchie, geschah, wird in diesem Buch als der Tag gesehen, an dem eine Kettenreaktion begann, die über die beiden Weltkriege zu Europas Ende als Zentrum der Weltpolitik und -wirtschaft führte. Volker Berghahn erzählt, ausgehend von diesem Ereignis, die Geschichte Europas der Jahre 1900 bis 1930. Jede der fünf Phasen, in die er diesen Zeitraum unterteilt, wird unter drei Apekten analysiert: der politischen, der wirtschaftlichen und der kulturellen Entwicklung. Das Buch beeindruckt durch die Darstellung vieler Details und ihrer Beziehungen untereinander. Als Beispiel sei hier auf die Schilderung der Entwicklung der Stellung der Frauen in der Gesellschaft genannt, die Berghahn unter Wahlrechtsfragen, wirtschaftlichen Gesichtspunkten und in der Rezeption in Literatur und Film untersucht.
Leider ist der Stil der Darstellung manchmal recht schwerfällig, was an der Vorliebe des Autors für Zahlenmaterial liegen mag. Zahlreiche Passagen, denen schwer zu folgen ist, bestehen in einer Auflistung von Wahlergebnissen, oder der Entwicklung von Besucherzahlen in den Kinos, oder der Aufzählung von Rüstungs- oder Wirtschaftsdaten.
Doch dies beeinträchtigt kaum, daß man nach Lektüre dieses Buchs den Eindruck hat, viele neue Aspekte der Geschichte der ersten dreißig Jahre des 20. Jahrhunderts präsentiert bekommen hat.