Aus der Amazon.de-Redaktion
Auf den ersten Blick mag man vor diesem Buch vielleicht ein wenig zurückweichen, weil "Dykewomon" doch wie eine Reminiszenz an die separatistischen 70er Jahre klingt und man befürchtet, dass mit ihr auch Ethno-Kitsch einhergehen könnte. Indes ist es frei von jeglicher Überdrehtheit und Sentimentalität. Ein prägnantes Glossar gewährt das schnelle Klären der jiddischen bzw. hebräischen Begriffe.
Elana Dykewomon erweist sich als ausgezeichnete Erzählerin, die ihre Leserschaft über 521 Seiten ohne einen einzigen Hänger zu fesseln weiß. Dabei mischt sie die historisch-politische Recherche virtuos mit Fiktion, mit warmer menschlicher Couleur. Eine sinnliche Liebesgeschichte gibt es auch, bei der allerdings das Bettgeschehen einmal nicht im Vordergrund steht. Mit Sarahs Töchter erwerben Sie einen schönen Roman, der Sie für zahllose Abendstunden in Atem halten wird. --Stephanie Sellier
Kurzbeschreibung
Auszug aus Sarahs Töchter von Elana Dykewomon. Copyright © 1999. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
"Von wegen Männer", sagte eine von ihnen. "Du willst doch für die Frauen auf der Arbeit flott aussehen. Du hast doch gar keinen Freund."
"Aber ich bin auf der Suche."
"Immer auf der Suche sein", meinte eine andere Stimme, "ist besser als Kochen und Kinderkriegen."
"Hört, hört - Miss Tanzt-mit-jedem-Fremden."
"Na und? Ich amüsiere mich eben gern."
Die Frauen lachten. Ja, sich amüsieren, seufzten die Jüngeren. Amerika war ein Ballon, der mit den Seufzern der Einwanderinnen gefüllt war. Hier stand uns die Welt offen; wir konnten uns ohne Anstandsdame bewegen, unser eigenes Geld verdienen und uns einen Stehplatz im jiddischen Theater leisten, selbst wenn wir uns manchmal vor Müdigkeit kaum auf den Beinen zu halten vermochten. Wir konnten mit Sozialisten über Politik diskutieren, mit Dichtern über Literatur und mit allen, die bereit waren, zuzuhören, über die Frage, ob Gott wirklich tot war. Wenn wir nicht vorher einschliefen. Wenn wir eine Stunde Zeit fanden. Wenn der Tag nur mehr Stunden gehabt hätte.
Ich schloss die Augen und lauschte. Der Dampf kroch unter meine Lider und zeigte mir ein verschwommenes Bild von Frauen im Wasser, ihre Köpfe auf den Bäuchen anderer Frauen, die Arme ineinandergeschlungen, ihre Brüste, die sich am Fleisch der anderen rieben. Konnte es tatsächlich sein, dass nur Rose und ich derartige Gefühle füreinander hegten?