Es geht in dem Buch um eine Frau in einem diktatorisch regierten Land. Das könnte die Militärdiktatur in Argentinien sein, das könnte Franco-Spanien sein, das könnte Rumänien sein. Koch lässt das offen, nirgends ist ein geografischer Hinweis zu finden. Ein Land eben das faschitisch regiert wird und in dem Menschen einfach verschwinden. Die Hauptperson, Sara Broffe, erzieht ihre vier Kinder allein, ihren Mann einen Widerstandskämpfer hat die Junta schon geholt. Sie wird Witwe und eines Tages wird sie auch geschnappt, als sie jemand einen Mikrofilm zukommen lässt. Sie wird für 17 lange Monate in ein Haus am Stadtrand gesperrt, wird verhört, gequält, gefoltert, misshandelt. Man fragt sich schon, wie überlebt man so etwas? Und eben das erzählt dieses Buch. Sara erfindet Geschichten, sie summt Lieder vor sich hin, alle Kinderlieder die sie kennt. Sie erfindet konspirative Treffen. Sie versucht ganz dicht bei sich zu bleiben, um die Einsamkeit auszuhalten. Unter Saras Peinigern ist ein Musiker, namens Frits. Er interessiert sich für diese Frau. Er muss auch viel mehr mit ihr reden, denn er soll herauskriegen was sie da immer summt, ob darin irgendwelche Botschaften versteckt sind. Und er verliebt sich in sie. Dann ist das Regime gefallen, Sara wird lebendig entlassen - Frits und sie ziehen zusammen mit den Kindern, bis das andere Regime kommt, bis die Geschichte ins Gegenteil kippt. Und in diesem anderen Regime sitzt nun der Cellist im Gefängnis und muss Rechenschaft über sein Tun während der Junta ablegen. Und es ist interessant, ob Sara ihn da wohl herausholt oder nicht. Es ist ein großartiges Buch, sehr berührend, sehr bewegend. Ein wirklich gutes Buch wie dieses berührt unsere tiefsten Gedanken, unser Herz. Die komplizierte und brutale Weltgeschichte kann nie so gut begriffen werden, wie in Form der Schilderung von Einzelschicksalen, und diesen Kunstgriff lässt eben die Literatur zu. Es ist schwer so etwas zu lesen, aber leicht muss es ja auch nicht immer sein. Erwin Koch erzählt ganz leise, ganz vorsichtig - ohne spektakuläre Details, ohne die Folter besonders auszuschmücken, -was wir auch gar nicht lesen wollen, und auch gar nicht können. Er deutet an, er schmückt nicht drastisch aus, er lässt uns in Saras Seele blicken, ihre berührende Menschlichkeit spüren und Eindrücke aufnehmen die lange emotional bewegen.