Aus der Amazon.de-Redaktion
Achtundzwanzig überwiegend unbekannte Autorinnen erzählen Lesbisches aus völlig unterschiedlichen Kontexten und fremden Orten. Zusammen entwerfen sie eine neue Topografie der lesbischen Welt, deren einziges verbindendes Element nun ausgerechnet der Kuss der abendländischen Dichterfürstin sein soll. Abgesehen von diesem kultur-imperialistischen Missgeschick der Herausgeberin ist die Anthologie spannend und empfehlenswert. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass im ersten Kapitel pflichtschuldig die Frage nach der Repräsentation von Exotik und Fremdheit diskutiert wird: Ist das politisch korrekt? Wer ist überhaupt exotisch -- die schwarze Lesbe für die weiße -- und umgekehrt? Die Autorin wirft Fragen auf, die das Buch insgesamt zwar nicht beantwortet, aber präsent hält. Vor allem Kitty Tsuis verstörende Erzählung "Eine Femme in Männerkleidern" ist in dieser Hinsicht interessant. In diesem Text verschwimmt die Definition von Fremdheit als Folge bloß geografischer Bedingungen. Plötzlich ist die Femme, die sich nicht wie eine benimmt, viel fremder als eine rollenkonforme Ethno-Lesbe je sein könnte.
Entspannt von dieser Erkenntnis macht dann auch ein Titel wie "Maori mögen fette Mösen" wieder richtig Spaß. Er lehrt uns sogar noch, dass auch Neuseeländerinnen Alliterationen benutzen. Und wenn antike Stilmittel bis in den neuseeländischen Busch vorgedrungen sind, geht Sappho im Titel schließlich auch in Ordnung. --J. Hager
Kurzbeschreibung
Der Verlag über das Buch
Nach "Sappho küßt Europa" der Herausgeberinnen Madeleine Marti und Marianne Ulmi ein weiterer Höhepunkt in der Entdeckung lesbischer Literatur: Käthe H. Fleckenstein präsentiert eine literarische Anthologie mit Autorinnen, die im deutschsprachigen Raum größtenteils unbekannt sind. Achtundzwanzig Geschichten aus vier Kontinenten spiegeln die Vielfalt der Kulturen und Lebensbedingungen wider. Achtundzwanzig Autorinnen schreiben von Lust und Liebe, von Migration und Rassismus, von der Unsichtbarkeit als Lesbe und von der Stärke der Frauen. Beeindruckend sind die unterschiedlichen Erzählweisen, zumal einige Kurzgeschichten in der direkten Rede Worte und Wendungen aus der ersten Sprache beziehen, z.B. malayisch, chinesisch, maori. Sappho küßt die Welt und verführt zum Blick über den eigenen Tellerrand.