Dieses Pionierwerk für einen islamischen Religionsunterricht ist sehr ansprechend gestaltet und vermag jungen Musliminnen und Muslimen den Islam wirklich näher zu bringen. Schön ist es, dass hier die deutsche und arabische Sprache nebeneinander stehen; auch wenn es gut gewesen wäre, wenn wirklich alle Textbestandteile auch ins Deutsche übersetzt worden wären.
Das Religionsbuch selber ist hervorragend auf Jugendliche abgestimmt und bietet mit einem bunten Foto-, Zeichnungs-, Abbildungs-, Lieder- und Textpotpourri vielfältige Möglichkeiten der konkreten Auseinandersetzung mit Religion. Die 13 Autorinnen und Autoren sparen dabei andere Religionen nicht aus, sondern vermögen sehr einfühlsam, diese neben dem Islam darzustellen.
In den einzelnen fünfzehn Kapiteln findet man neben den am Koran orientierten Glaubens- und Gottfragen unterschiedliche Stellungnahmen zu konkreten Ausdrucksformen muslimischen (und auch christlichen, jüdischen und anderen)Glaubens im Alltag.
Diese Kombination von Glaubens- und Lebensbezug entspricht derjenigen aus den Religionsbüchern, wie sie für den evangelischen bzw. katholischen Religionsunterricht verwendet werden.
So kommen Aufgaben vor, die sich am Selbst- und Fremdbild, an sozialen Bezügen (z.B. in der Familie) oder an Themen wie Frieden, Gerechtigkeit und Rituale orientieren.
Bei Themen, die häufiger im Alltag zu Diskussionen und Auseinandersetzungen mit Muslimen/-innen führen, wie beispielsweise Kopftuchtragen, Sexualität und Partnerschaftsformen, vermitteln die Autoren/-innen eher ein tolerantes, vielfältiges Bild, ohne aber gerade die beiden letztgenannten Themen näher anzugehen. Hier hätte man sich gewünscht, dass nicht nur z.B. Frauen mit und ohne Kopftüchern auf den Abbildungen gezeigt werden, sondern auch Partnerschaft, Gleichberechtigung und unterschiedliche Lebensentwürfe stärker thematisiert und diskutiert werden.
Die diversen Schüler/-innen-Aufträge haben vor allem die Begegnung und Auseinandersetzung im Blick. Ob nun ein interreligiöser Kalender gestaltet, eine Religionszugehörigkeits-Umfrage gemacht werden oder gar ein interreligiöses Fest organisiert werden soll: immer steht das aktive Tun, das genaue Erforschen und die konkrete Auseinandersetzung udn Begegnung im Vorder- und Mittelpunkt.
Sehr hilfreich ist das im Anhang eingefügte Lexikon, welches diverse Begriffe noch einmal konkreter beschreibt.
Preislich ist das Buch sehr günstig, so dass man davon ausgehen kann, dass es auch tatsächlich im schulischen Alltag Verwendung finden wird.
Die graphische Aufmachung ist äußerst gelungen und in Kombination mit dem sehr variablen Schriftbild vortrefflich.
Im Gesamten ist "Saphir" nicht nur ein Edelstein für den muslimischen Religionsunterricht, sondern zudem ein Meilenstein auf dem Weg der interreligiösen Verständigung. "Saphir" ist ein wunderbares Dialogangebot sowohl zwischen den Religionen als auch für eine transparente Unterweisung muslimischer Schülerinnen und Schüler in den Schulen Deutschlands.
"Saphir" ist nicht zuletzt ein Kommunikationsangebot, andere Wege der religiösen Unterrichtung und Begegnung zu beschreiten. Es baut Vorurteile ab und vermag den oftmals steinigen Weg der Verständigung zu einem Pfad zu machen, der von glanzvollen Begegnungsmomenten mit den Edelsteinen der verschiedenen Religionen gesäumt wird. Möge dieser Begegnungsbeginn in einem anerkennenden Miteinander münden!