Emo! Ja, jetzt habe ich es gesagt. Und ich sag es immer wieder. Emo! Emo! Emo! EMO! Pah! Mir doch egal, dass das angeblich ja so verpönt ist. Echte Männer zeigen doch keine Gefühle. Und besonders nicht in der Musik. Es sei denn, sie klampfen und haben weinerliche Stimmen. Genau. Nun ja - das südkalifornische Quintett Saosin hat keine Klampfen. Vielmehr packen die fünf Jungs die dicken E-Gitarren-Bretter aus. Und geweint wird auch nicht. Saosin rocken - und das extrem hymnisch.
Zwölf Songs sind auf ihrer Debüt-LP - keiner ist ein Ausfall. Woran das liegt? An den schnellen Riffs der Gitarristen Beau Burchell und Justin Shekovski? An der ebenso kraftvollen, wie angenehmen Stimme von Sänger Cove Reber, der oft mit sich selbst im Duett, Terzett, Quartett singt? An der Rhythmik von Bassist Chris Sorenson und Schlagzeuger Alex Rodriguez? Oder liegt es einfach nur an diesen mitreißenden Songs? Diesen grandiosen Refrains, die jedes dieser zwölf Lieder hat?
Wahrscheinlich stimmt alles irgendwie und gerade deshalb ist das Debüt so gut. Mit einem beißenden, stechenden Gitarrenstakkato beginnt es und lässt einen dann etwa 40 Minuten nicht mehr los. Der Opener "It's far better to learn" vereint die ganzen Zutaten dieses kraftvollen Albums. Der Overdub-Gesang, die harmonischen, hymnischen Refrains, das manchmal etwas Widerspenstige in den Strophen. Man könnte Saosin höchstens Eintönigkeit vorwerfen. Zu oft wiederholen sie dasselbe Schema. Nur hin und wieder nehmen sie Tempo und Lautstärke raus. Wie am Ende von "Voices" oder den Rockballaden "I never wanted to" und dem zwar etwas kitschig-pathetischen, aber wundervollen "You're not alone". Wem beim Hardcore das Geschrei auf die Nerven geht, wem Jimmy Eat World zu soft sind oder wem My Chemical Romance zu düster-morbid, der sollte unbedingt mal in "Saosin" reinhören. Viel falschmachen kann man nicht...