Die Sanyo Xacti HD2000 würde ich als einen der wenigen "ehrlichen" HD-Camcorder bezeichnen,
denn sie hält, was sie verspricht und wird insbesondere dem HD-Anspruch gerecht,
was selbst Markenhersteller wie Sony gerade nicht tun.
So bin ich von meiner Sony HDR-CX6 - dem ersten HD-Camcorder mit Speicherkarte -
zur Sanyo HD2000 gewechselt. Die Stärken werden überhaupt erst bewusst,
wenn man sich die Schwächen der anderen klar macht.
So gibt es von Sony noch immer keinen Consumer-Camcorder auf dem Markt, der in 1080p statt i
aufnimmt. Ferner fehlt ein Sportprogramm und es gibt auch keine manuelle
Einstellung der Verschlusszeit. Diese 3 Dinge sind aber essentiell, um
Bewegungen überhaupt scharf aufnehmen zu können. Dabei geht es nicht nur
um Sportaufnahmen oder aus einem fahrenden Auto heraus, sondern
bereits moderate Schwenks werden total verschmiert.
Besonders merkt man das, wenn man das Video anhält, um sich ein Standbild anzuschauen.
Ganz anders hingegen Sanyo. Es gibt ein Sportprogramm, das gezielt kurze
Verschlusszeiten wählt, so dass JEDES Standbild scharf ist.
Abgerundet wird es durch die Aufzeichnung in 1080p mit sage und schreibe 60
vollen Einzelbildern pro Sekunde. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen
lassen, ein Kinofilm hat nur 24.
Faktisch bedeutet es eine Verdoppelung der Auflösung, denn
1080i, also "Interlaced" bedeutet, dass zeitgleich nur jeweils die Hälfte,
also 540 Zeilen aufgenommen werden und in der nächsten Zeiteinheit wieder nur die
Hälfte, wenn auch um 1 Zeile versetzt. Wenn dazwischen aber eine horizontale Bewegung stattfand, gibt es keine vertikale Deckungsgleichheit mehr und der kumulierte Schärfeeindruck bricht zusammen auf eben nur noch 540 Zeilen - von dem auffransen ganz zu schweigen.
Bei 1080p, also "progressive", werden hingegen
zu jeder Zeiteinheit komplett 1080 Zeilen aufgezeichnet.
Bei meiner früheren Sony CX6 ist noch zu sagen, dass es überhaupt kein "progressive" Modus gibt,
auch kein 720p, nur das 1080i, wobei auch das schon ein Betrug ist,
denn es werden keine 1920x1080 aufgezeichnet, sondern nur 1440x1080.
Sony kann eigentlich nur noch mit 3 Merkmalen punkten:
Dem optischen Bildstabilisator, der wirklich gelungen ist und wo Sanyo noch nicht
ganz so gut ist. Dem Nightshot, das Sanyo nicht bietet, sowie
dem Touchscreen, so dass man dem Autofokus durch Drücken auf den Bildschirm auch
Mal mitteilen kann, welchen Bereich er bevorzugen soll.
Unterm Strich überwiegen aber die harten Fakten der Sanyo mit ihrer besseren
Bildqualität. Video dient dazu, Bewegungen aufzuzeichnen, sonst kann man
ja auch Still-Fotos machen mit Ton dazu, und da zeigt Sanyo einfach richtig worauf es ankommt.
Es ist schliesslich überraschend, dass so ein Aussenseiter wie Sanyo
in Sachen HD ein so gutes Rennen macht und die meisten Camcorder der namhafteren Kokurrenz abhängen kann.
Das nährt aber auch den Verdacht, dass diese namhafte Konkurrenz sich vielleicht abgesprochen hat, dem Kunden bewusst mangelhafte Ware zu verkaufen, um an dem HD-Hype noch ein paar Mal mehr verdienen zu können - so wie ich, der nach knapp 1 unzufriedenen Jahr mit der Sony HDR-CX6 nun wieder wechselt. Zu Zeiten von Mini-DV hatte ich meinen Camcorder gut 6 Jahre lang (und das war damals auch ein Sony allerdings MIT "progressive" Aufzeichnung, wo sie noch dem Kunden was gönnten und zeigten, was man damit noch aus einfacher PAL-Auflösung herausholen konnte).
Denn es ist nicht zu glauben, dass Firmen wie Sony oder Panasonic nicht
besser können - mit ihren Tausende Euro teuren Profigeräten zeigen sie ja,
dass es geht - sondern für den Consumer nur nicht wollen.
Wer sich erinnert, weiss, dass selbst Apple CEO Steve Jobs dies schon kritisiert hat, als noch Chips mit weniger Pixeln in "HD-Camcorder"
verbaut wurden, um dann nachträglich auf HD hochzuskalieren.
(So wie Sony ja auch bei 1440x1080 teilweise noch immer macht - obwohl auf dem CX-6 grossmundig "Full-HD" steht).
Wirklich gut, dass der Aussenseiter Sanyo die Gunst der Stunde erkennt und sich nicht daran haltend immer mehr Marktanteile beim Kleinkunden sichert.