Der Jakobsweg ist "in" - leider möchte man hinzufügen. Denn seit Hape Kerkeling "mal eben weg war", drängt es alles und jeden über die Pyrenäen, um nach stundenlangem blinzeln in die spanische Sonne an überfüllten Pilgerherbergen schlange zu stehen.
Stefan Albus nicht. Er packte sein Bündel und machte sich von Herne auf nach "seinem Santiago", dem ca. 400 Kilometer entfernten Trier. Auf dem gut beschilderten deutschen Jakobsweg ging er, "sich zu finden", den Weg zu erfahren und schlicht zu lauschen, welche Botschaft nach 3 Wochen Fußmarsch bei ihm ankommt.
Es kam auch eine Botschaft an, soviel sei verraten. Doch wichtiger war wie so oft der Weg dorthin, und mit seinem Erfahrungsbericht lässt der Journalist Albus uns daran teilhaben, ja, weckt durchaus auch die Lust, selber auf einen der zahlreichen deutschen Ableger zu wandern - trotz der modernen "Wegelagerer", die da in Pensionen und Cafés auf einen lauern mögen.
Mit Humor und Selbstironie beschreibt Albus seinen Weg nach Trier, die Eindrücke, die ihn umgaben, den Menschen, denen er begegnet ist und wie er doch noch, der "Ungläubige", zu Gott fand, zumindest in seiner Art. Er findet Helden, Heiden, Schurken und Gauner, aber auch Heilige. Und so sammeln sich viele kleine Episoden zu einer durchgängigen Geschichte.
Man merkt seine journalistische Ausbildung an, und mancher kurz und knapp gehaltener beschreibender Satz scheint eher aus einer Milieustudie eines Magazins ala "Spiegel", "Focus" oder "Stern" zu stammen, und könnte genau so in einem Bericht zu einem Moschee-, Stadion- oder Schrebergartenbesuch verfasst worden sein. Aber dann wandeln sich die Sätze wieder in blumige, manchmal bemüht humorige, ausschweifende Metaphern, die sich durchgängig durch die Seiten ziehen. Dieser ständige Stilwechsel ist gewöhnungsbedürftig, aber akzeptabel. Störend jedoch diese, alle 5 Sätze auftauchenden Folgesätze, die mit "O.K.:..." oder "Egal:..." beginnen und sich gut in einem Hörbuch oder auf der Bühne machen, im gedruckten Wort allerdings nerven.
Am Ende allerdings ist es vielleicht gerade dieser Stilmix, der dieses Buch so authentisch macht: der Autor nimmt - bildlich gesprochen - am Tresen neben dem Leser Platz und erzählt quasi seine Geschichte direkt. Das Buch ist nur Katalysator. Man muss sich nur darauf einlassen.
Ergänzt wurde das Buch um einige Aufnahmen der Wanderung, die einen guten Eindruck der Wanderung ermöglicht.
Sehr schön die umfangreiche Literatur- und Linkliste, teilweise vom Autor kommentiert, am Ende des Buches, die auch die eigene Vorbereitungen erleichtern und sehr hilfreich ist.
Was am Buch allerdings gewaltig stört - produktionstechnisch betrachtet - es stinkt! Kaum das die Folie entfernt und die ersten Seiten aufgeblättert wurden, verströmte es einen unangenehmen Geruch nach Druckerschwärze und musste erstmal ein paar Tage "belüftet" werden, bevor ich es lesen konnte...