Wenn alles, was wir vom Saturn wissen, von einer Maus stammen würde, hätten wir den Saturn - aus der Perspektive einer Maus. Ähnlich das kleine Büchlein von Varuna Holzapfel, da ernsthafte deutschsprachige Publikationen zum Thema Santeria leider fehlen. Die Autorin hat hier zweifellos eine Marktlücke entdeckt - und genutzt. Nach spärlichen Informationen zum historischen Hintergrund der Regla de Ocha, die zudem einem Reiseführer entnommen scheinen (Berlitz Reiseführer Kuba, 1969), folgen persönliche Erinnerungen an für devisenmächtige Touristen übliche und zugängliche Initiationsritale. Erheiternd sind allenfalls die Erlebnisse der Verfasserin als frischgebackene "Santeria-Priesterin" in ihrer gewohnten Lebensumwelt im östlichen Ruhrgebiet. Daran anschließend gibt es kochrezeptartige Orakelschilderungen, deren Sinn nicht vorgebildeten Lesern verborgen bleiben dürfte. Informationen etwa zur Bedeutung der Santeria (die Beschränkung auf die westkubanische Regla de Ocha ist schlicht falsch) in der modernen kubanischen Gesellschaft fehlen völlig. Der Autorin scheint es auf tragische Weise an Distanz zu ihrem Gegenstand zu ermangeln. Stilistische Einförmigkeit rundet das Gesamtbild ab. Wer tatsächlich Interesse an der Problematik hat, dem sind die Bücher von Fernando Ortíz Fernández zu empfehlen; leider liegen nur teilweise Übertragungen ins Englische vor. Varuna Holzapfels Büchlein hingegen reiht sich ein die massenhaft präsente esoterische Literatur zum Hausgebrauch, mit der Verlage (und, in diesem Fall und indirekt) geschäftstüchtige kubanische Bauernfänger Geld verdienen, sowie frustrationsgeladene (west)deutsche Leser mit den schnellen Heilsillusionen gefüttert werden, die sie offenbar brauchen. Also: Kochen wir uns einen Orisha! (freilich bloß, wenn es nicht beim Bügeln stört.)