Wenn ich es nicht selbst besser wüsste so würde ich annehmen, dass der Meister meine letzte Rezension zu
Santana - Live at Montreux 2004/Hymns for Peace [Blu-ray] gelesen und sich zu Herzen genommen hat.
Was für ein Unterschied! Diesmal ist ausschließlich ausgewähltes Spitzenpersonal am Start und gespielt werde zum größten Teil seine alten Lieder und Coversongs.
Doch von Anfang an.
=== Das Konzert ===
Der Anfang hat mich ein wenig verwirrt, da ganz zu Beginn die Gruppe in eine Freejazzeinlage (SOCC) abgleitet. Ich dachte erst, ich wäre im falschen Film. Aber schon der dritte Song (Back In Black) reist alles raus.
Die Band tritt mit einem Schlagzeuger (Dennis Chambers) und zwei Percussionisten (Raul Rekow, Karl Perazzo) auf. Dieses Trio erzeugt einen unglaublichen Groove und Rhythmik. Alleine diesen drei könnte ich den ganzen Abend zuhöhren.
Dazu zwei Sänger (Andy Vargas, Tony Lindsay) die mit ihrer Stimme und ihrem Auftreten jeden Deutschen Songcontest gewonnen hätten.
Begnadet auch der Keyboarder (David K. Mathews). Meiner Meinung nach gibt es nur zwei Tasteninstrumente, die auf eine Bühne gehören, die Hammond Orgel und das Rhodes Piano. Und was soll ich sagen, der Meister nutzt die Hamond Orgel in absolut virtuoser Weise. Die Soli und Einlagen sind durch die Bank weg alles reinste Sahnestückchen.
On Top kommen dann noch zwei Bläser (Bill Ortiz, Jeff Cressman), ein Bassist (Benny Rietveld), wie ich ihn seit Jaco Pastorius nicht mehr gesehen habe, sowie einem Gitarrist (Tommy Anthony), der in perfekter Harmonie mit Santana ist. Die beiden müssen Wochen lang zusammen geübt haben um die Unisonoläufe so perfekt hin zu bekommen.
Hinzu kommen noch diverse Special Guests wie Cindy Blackmann (Schlagzeug as its best), Derek Trucks (Gitarre mit einem ausgefeilten Bottleneck Spiel) und Susan Tedeschi (Gesang, die Stimme passt perfekt in die Gesamtkonstellation). Dieses mal kommen die Gäste nicht fehlplatziert vor, sondern erhalten alle massgeschneiderte Songs, in welche sie sich optimal einbringen können.
Und dann die Laufzeit. Das eigentliche Konzert geht über 2h 47m. Wo gibt es denn sowas noch?
=== Das Bild ===
Ohne Fehl und Tadel. Da es sich bei Montreux vermutlich um eine Festinstallation handelt und hier geschultes Personal im Einsatz ist, gibt es keine Grund zu meckern. Keine Körnung auch in dunklen Szenen, ein immer scharfes Bild, ein nicht zu nervöser Schnitt und eine gute Kameraführung. Ich schau mir solche Sachen zuhause auf einem HD-Beamer an und es kommt zumindest im Bild die Konzertatmosphäre gut rüber.
=== Der Ton ===
Das macht jeder Produzent nun mal anders und man muss jedes mal auf's Neue entscheiden ob es einem gefällt. Hier also mein persönlicher Eindruck.
Das gesamte Konzert wird vom Mischpult abgenommen. Das hat den Vorteil, dass der Ton astrein ist und übrigens, anders als in der Produktbeschreibung angegeben, in DTS-HD Master Audio statt in DTS-HD High Res Audio vorliegt. Technisch also einwandfrei. Die Abmischung selbst gefällt mir nicht so gut. Der Toningenier hat versucht, den Zuhörer in das Konzert auf die Bühne zu setzen statt davor. Santana kommt meistens aus allen Speakern und kann so nicht verortet werden. Bei den anderen Instrumenten ist dieses Symptom nicht so ausgeprägt. Dazu kommt auch, dass der Keyboarder ein Leslie Kabinet nutzt, dieses jedoch nicht per Mikro abgenommen wird. Den wirklich genialen Sound dieses Verstärkers haben also nur Besucher dieses Konzert direkt vor Ort geniesen können.
Auch habe ich nicht das Gefühl, dass die Möglichkeiten von DTS-HD MA voll ausgenutzt werden, das Konzert kommt letztendlich nicht zum Klingen.
Auch das Publikum wird immer nur in den Pausen kurz eingeblendet, ansonsten ist da nichts zu hören. Ein weiteres Zeichen dafür, dass die Sourroundkanäle gemischt und nicht aufgenommen wurden. Das alles tut in meinen Augen der Konzertatmospäre nicht gut. Diese kommt leider im Sound nicht rüber. Wer wissen möchte, was ich unter Konzertatmosphäre verstehe soll sich einmal
Bon Jovi - Live at Madison Square Garden [Blu-ray] anhören. Da dies aber eine persönliche Vorliebe meinerseits ist und der Ton sonst handwerklich o. k. ist gibt es keine Abzug.
=== Fazit ===
Kaufen! Kaufen! Kaufen! Besser geht's nicht und eine vollständigere Sammlung der alten Santan Hits wird's wohl nie mehr geben.