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"Santana 3" (1971) schließt die Anfangstrilogie von Santana nach dem Debutalbum und dem folgenden "Abraxas" ab - eine weitere Scheibe, prall gefüllt mit heißer, begeisternder, afrokubanisch geprägter Rockmusik, mit der Santana sich im allgemeinen Bewusstsein als Begründer des Latinrocks etablierte. Nach diesem Album machte die Combo mit deutlich veränderter Besetzung weiter und trat in eine jazzorientierte Phase ein. Daher stellen die ersten drei Veröffentlichungen in gewisser Weise ein abgeschlossenes Kapitel dar...
...das freilich in sich eine hörbare Fortentwicklung aufweist. Die Musiker wurden von Platte zu Platte versierter, mutiger, haben komplexere Songs geschrieben und verschachteltere Arrangements realisiert. Heraus kam dieses niveauvolle Album. Obwohl es fünf Wochen lang die Billboard-Charts anführte, ließen sich keine wirklich auffälligen Hits auskoppeln. "Everybody's Everything" war mit einer Höchstplatzierung auf Rang 12 noch der erfolgreichste Einzeltitel. "Santana 3" ist eben ein Gesamtkunstwerk und mehr als die Summe seiner Teile. Man muss es ohne Unterbrechung hören.
Vom ersten Ton an ist klar, wohin die Reise geht. Langsam blendet die Percussion von "Batuka" ein. Wah-Wah-verzerrte Gitarren und Greg Rolies Keyboard lassen das Stück schwer und dickflüssig wie Honig werden, bevor es ebenso leichtfüßig endet, wie es begonnen hat und in "No One To Depend On" übergeht. "Taboo" ist bereits ein leichter Vorgeschmack auf Santanas Zukunft nach diesem Album (mit "Caravanserai" usw.). "Toussaint L'Overture" (benannt nach einem haitianischen Freiheitskämpfer) ist sehr erdig und von hypnotischer Intensität. In "Everybody's Everything" sorgt nicht zuletzt die Horn Section von Tower Of Power für begeisternde Spritzigkeit. "Guajira" ist wieder ganz anders, Klavier statt Keyboard, irgendwie schwebender, mit einem tollen Bläser- und einem ebenso schönen Gitarrensolo. In "Jungle Strut" röhren die Gitarren von Carlos Santana und Neal Schon mächtig um die Wette. "Everything's Coming Our Way" ist ein rundherum fröhliches Lied. Bei "Para Los Rumberos" schließlich, ebenso schnell wie kurz, legen alle Musiker einen berauschenden Schlussspurt hin. Das war's.
Ursprünglich, jedenfalls. Seit 1998 befinden sich drei Bonus-Livetracks auf der CD, aufgenommen am 4. Juli 1971 im Fillmore West und natürlich previously unreleased. Hübsche Extras. Kantige, nicht ganz ausgefeilte Alternativversionen von "Batuka" und "Jungle Strut" sowie ein Jamsession ähnliches "Gumbo", immerhin eine zusätzliche Viertelstunde Santana.
Nach diesem Album also drifteten die Musiker auseinander. Umso interessanter und erfreulicher, dass fast die gleiche Crew 1997 erneut zusammenkam, um unter dem Namen "Abraxas Pool" das gleichnamige, hörenswerte Album zu produzieren: Greg Rolie (Gesang und Keyboards), Michael Shrieve (Schlagzeug), Michael Carabello (Congas), Jose Chepito Areas (Timbales) und Neal Schon (Gitarre). Es fehlen lediglich der Bassist David Brown (ersetzt durch Alphonso Johnson) - und Carlos Santana.
Vor allem ist Santana auf den frühen Platten noch erheblich unkommerzieller und das hört sich immer noch gut an, auch wenn es in den Augen von einigen Hörern schon verstaubt klingen mag.
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