Buch der 1000 Bücher
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Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Sansibar oder der letzte Grund
OA 1957 Form Roman Epoche Moderne
Mit dem zentralen Motiv der Flucht knüpft Alfred Andersch in seinem Romanerstling an den autobiografischen Bericht Die Kirschen der Freiheit (1952) an. Gegenüber anderen zeitgenössischen Erzählwerken ist das Dritte Reich nicht so sehr Ausgangspunkt einer Rekonstruktion vergangener Realität, sondern Modellsituation für das Nachdenken über die individuelle Handlungsfreiheit in und gegenüber historischen Abläufen.
Inhalt: Im deutschen Ostseehafen Rerik treffen an einem Herbsttag 1937 zufällig fünf Menschen zusammen, die sich alle mit dem Gedanken der Flucht nach Schweden tragen. Innere Monologe beschreiben die Motive und Lebens-umstände der Figuren: Einen namenlos bleibenden Jungen treibt die pure Abenteuerlust aus dem beengenden Elternhaus; der kommunistische Jugendfunktionär Gregor will einen illegalen Auftrag nutzen, um sich von der autoritären Partei und ihrem aussichtslosen Untergrundkampf abzusetzen. Sein Genosse, Fischer Knudsen, muss seine geistig verwirrte Frau vor den Nazis schützen und kann deshalb nicht fliehen. Dem Pfarrer Helan versagt eine neu aufgebrochene Kriegsverletzung die Flucht, er will aber Ernst Barlachs Plastik Der lesende Klosterschüler vor der Zerstörung durch die Nazis gerettet wissen. Die Jüdin Judith Levin, dem Abtransport ins Konzentrationslager entronnen, hofft nach Schweden ins neutrale Ausland zu gelangen.
Trotz Angst und Misstrauen und trotz vieler Unwägbarkeiten ergibt sich auf Betreiben Gregors zuletzt eine organisatorische Verknüpfung der einzelnen Fluchtvorhaben, an deren Ende die akut gefährdete Judith und der Klosterschüler gerettet werden. Die übrigen Figuren handeln jeweils entgegen ihren ursprünglichen Intentionen: Knudsen riskiert widerwillig die Überfahrt, Gregor verzichtet, der Junge kehrt wieder aus Schweden zurück, der Pfarrer tötet eine der Nazi-Chargen, die nach dem Verbleib der Plastik forschen. Die Figuren orientieren sich nicht an den durch Kirche und Partei vorgegebenen Normen; ihre Tat liegt, ganz im Sinn der existenzialistischen Philosophie des Autors, allein in freier individueller Entscheidung begründet.
Wirkung: Sansibar oder der letzte Grund gilt als das bedeutendste Buch von Andersch, da es die sich gegenüber Mächtigen behauptende Entscheidungsfreiheit des Einzelnen überzeugend darstellt. Wegen seiner strukturell klaren Komposition und seiner »existenziellen« Thematik ist es auch als schulische Lektüre beliebt. J. V.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Im deutschen Ostseehafen Rerik treffen an einem Herbsttag 1937 zufällig fünf Menschen zusammen, die sich alle mit dem Gedanken der Flucht nach Schweden tragen. Innere Monologe beschreiben die Motive und Lebensumstände der Figuren: Einen namenlos bleibenden Jungen treibt die pure Abenteuerlust aus dem beengenden Elternhaus; der kommunistische Jugendfunktionär Gregor will einen illegalen Auftrag nutzen, um sich von der autoritären Partei und ihrem aussichtslosen Untergrundkampf abzusetzen. Sein Genosse, Fischer Knudsen, muss seine geistig verwirrte Frau vor den Nazis schützen und kann deshalb nicht fliehen. Dem Pfarrer Helan versagt eine neu aufgebrochene Kriegsverletzung die Flucht, er will aber Ernst Barlachs Plastik Der lesende Klosterschüler vor der Zerstörung durch die Nazis gerettet wissen. Die Jüdin Judith Levin, dem Abtransport ins Konzentrationslager entronnen, hofft nach Schweden ins neutrale Ausland zu gelangen. Trotz Angst und Misstrauen und trotz vieler Unwägbarkeiten ergibt sich auf Betreiben Gregors zuletzt eine organisatorische Verknüpfung der einzelnen Fluchtvorhaben, an deren Ende die akut gefährdete Judith und der Klosterschüler gerettet werden. Die übrigen Figuren handeln jeweils entgegen ihren ursprünglichen Intentionen: Knudsen riskiert widerwillig die Überfahrt, Gregor verzichtet, der Junge kehrt wieder aus Schweden zurück, der Pfarrer tötet eine der Nazi-Chargen, die nach dem Verbleib der Plastik forschen. Die Figuren orientieren sich nicht an den durch Kirche und Partei vorgegebenen Normen; ihre Tat liegt, ganz im Sinn der existenzialistischen Philosophie des Autors, allein in freier individueller Entscheidung begründet.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.