Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Sehnsucht nach dem Exil, 2. Mai 2007
Es ist 1937, die Herrschaft des Nationalsozialismus liegt wie ein drückender Schatten auf Deutschland und die ersten Vorboten des kommenden Krieges zeigen sich schon am Horizont. Zu dieser Zeit trifft im kleinen Ostseestädchen Rerik eine Reihe ganz unterschiedliche Menschen zusammen, die alle durch ein Ziel verbunden sind: Die Sehnsucht nach dem Exil.
Anderschs "Sansibar und der letzte Grund" kreist letztlich nur um diese eine tiefe Absicht, versucht sie zu ergründen und gestaltet sie aus zu einer Anklage gegen den Nationalsozialismus und einem Plädoyer für die Freiheit des Andersseins. Besonders tritt dabei hervor wie vielgestaltig der Wunsch des Weggehens ist und welch unterschiedliche Personen ihn teilen. Egal ob KPD-Funktionär, Pfarrer oder Jüdin: Sie alle spüren die erdrückende, bleierne Zeit, in der sie leben.
Zusätzlich zu den menschlichen Exilianten beschreibt Andersch aber gekonnt noch einen anderen, hölzernen Flüchtenden, nämlich die Statur eines betenden Klosterschülers. Durch sie versteht es Andersch geschickt der Flucht ins Exil eine weitere Dimension zu geben, eine höhere, allgemeingültigere: Genauso wie der Nationalsozialimus die Statue auf Grund der durch sie symbolisierten Freiheit des (Anders-)Denkenden verfolgt, verfolgt er auch alle ihm unliebsamen Elemente, die sich nicht in sein System fügen können oder wollen.
Andersch Schreibstil ist dabei stets nahe am Geschehen und versteht es den Wink mit dem moralischen Zeigefinger gekonnt zu umschiffen. Stattdessen schafft er es sogar eine gewisse, auf der Authentizität der beschriebenen Charaktere beruhende Vertrautheit mit eben diesen zu schaffen, die noch durch Anderschs - gerade für eine Roman dieser Aussagekraft - überraschend kurzweilige Erzähltechnik unterstrichen wird.
"Sansibar und der letzte Grund" ist also sicher zu Recht ein "Lesemuss" der deutschen Nachkriegsliteratur, indem sich ebensoviel Tiefe wie kurzweilige Unterhaltung findet!
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Flucht mit Hindernissen, 18. Mai 2007
Schauplatz des Romans "Sansibar oder der letzte Grund", geschrieben von Alfred Andersch, ist ein Ostseestädtchen namens Rerik, in dem sich im Herbst 1937 der kommunistische Parteifunktionär Gregor, die Jüdin Judith, der regimekritische Pfarrer Helander und eine auf einer Verbotsliste stehende Skulptur befinden.Allesamt sind sie von den Nationalsozialisten, die in diesem Buch als "die Anderen" bezeichnet werden, bedroht und auf die Hilfe von Fischer Knudsen und seinem zunächst von Freiheit und Abenteuer träumenden Schiffsjungen angewiesen...(mehr wird nicht verraten)
Der Einstieg in den Roman fällt etwas schwer, da der Leser direkt in das Geschehen hineinkatapultiert wird. Aber das ist gewiss kein Grund, das Buch gleich wieder beiseite zu legen, denn schon nach wenigen Kapiteln, die stets mit dem Namen der im Fokus stehenden Person überschrieben sind, werden alle Fragen geklärt und die Zusammenhänge deutlich.
Während des weiteren Handlungsverlaufs erhält der Leser einen eindrucksvollen Einblick in die Gefühlswelt von vom Nationalsozialismus
bedrohter Personen. Angst, Verzweiflung, Hilflosigkeit und der Gedanke an Selbstmord werden von Alfred Andersch immer wieder geschickt in den einzelnen Handlungsabschnitten platziert.
Auch wird der Leser angeregt, über seine Zukunftsträume, die er in seiner Jugend hatte, nachzudenken. Meist stellt man dann etwas Fundamentales fest. Hat man eine bestimmte Sache nicht, so will man sie unbedingt haben. Doch hat man sie dann endlich, so verliert sie schnell ihren Reiz. So ergeht es in diesem Roman dem Schiffsjungen im Bezug auf Freiheit.
Des Weiteren stellt sich der Leser, aufgrund Knudsens quälender Gedanken, automatisch eine Frage. Würde ich mein Leben riskieren um einem Verfolgten zur Flucht ins Ausland zu verhelfen oder würde ich lieber meinem geregelten Leben nachgehen?
Neben dieser Dramatik, die sich bis zum finalen "Showdown" steigert, ist auch für genügend Romantik gesorgt. Somit sind alle nötigen Komponenten, die einen Roman lesenswert machen, enthalten.
Viel Spaß beim Lesen!
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Sehr interessantes Buch über Menschen in Flucht-Situationen, 26. Mai 2009
Dieses Buch ist vor allem für jene empfehlenswert, die gern beim Lesen hinter die Fassade von Menschen schauen möchten, warum reagiert und denkt er/sie so? Was sind die Gründe dafür? Die Handlung des Buches spielt in etwas mehr als 24 Stunden in der recht einsamen und trostlosen Stadt Rerik an der Ostsee, wohin gerade aus diesem Grund ein junges jüdisches Mädchen reist, um hoffentlich eine Fluchtmöglichkeit aus Deutschland zu finden. Sie lernt einen jungen Mann von der KPD kennen, der ihr hilft, obwohl er eigentlich in Rerik einen Partei-Auftrag ausführen soll. Da er aber selbst nicht mehr viel mit der Partei zu tun haben will, reizt ihn diese spannende Aufgabe viel mehr. Die eigentliche Ansprechperson von ihm, Fischer Knudsen, soll für den Pfarrer des Ortes eine sehr schöne Holzplastik von Ernst Barlach außer Landes schaffen , um sie vor den Nazis zu retten.... Und so spinnt sich eine Personenkonstelation zusammen, die alle eigentlich nur eins im Sinn haben: Flucht aus Deutschland, aber schaffen das alle? Sehr interessant und immer spannender werdend.
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Die neuesten Kundenrezensionen
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4.0 von 5 Sternen
Eine recht spannende Geschichte für zwischendurch
1937, Rerik an der Ostsee. Zufällig kommen hier Gregor, ein KPD-Funktionär, Helander, der Pfarrer Reriks, Judith, eine Jüdin aus Hamburg, Knudsen, ein Fischer, und ein Junge, der...
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Vor 14 Monaten von Adam veröffentlicht
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