Die Musik von Künstlern, die zu früh gestorben sind, umweht immer eine ganz besondere Aura. Sandy Denny ist Ende der siebziger an den Folgen eines Sturzes gestorben, und hinterläßt deshalb nur wenige Alben, von denen dieses hier das beste ist.
In der Tonalität verwurzelt in den Siebzigern, ist ihr doch ein Stück zeitlose Musik geglückt.
Vor allem anderen fällt ihre einzigartige Stimme auf. Unprätentiös und klar, schafft sie es, eine emotionale Tiefe zu transportieren, ohne die Trallala-Ausschmückungen vieler heutiger Sängerinnen zu benötigen. Wer hier eine Assoziation braucht: die Stimme erinnert ein wenig an Christine Mc Vie. Wenn sie das introvertierte "The lady" anstimmt, ist das von so berückenderen Einfachheit, das es einem die Tränen in die Augen treibt.
Dazu treten reduzierte Melodiene fast den Charakter von Volksliedern haben. Diese Fähigkeit, mit den einfachsten Mitteln den größtmöglichen Ausdruck zu schaffen erinnert an Carole King.
Spannend ist auch, wie sie ohne Mühen Folk, irische Klänge und Country zu einer wunderbaren Melange vermischt.
Schon der Opener erinnert mit seinem leichten Countryflair und seinen eleganten Gitarrenschichten ein wenig an Fleetwood Mac. "Sweet rosemary" ist eine leichte Ballade mit irischem Unterton, der von der Stimme ausgeht und von Geigensoli aufgegriffen wird.
"For nobody" ist ein ziemlich cooler Rocker mit treibenden Bläserriffs und einer mit Effektgerät in den Hintergrund gemischten Stimme.
"Quiet joys of brotherhood" ist ein Chor aus ihrer vervielfältigten Stimme und eine schwebende Geigenlinie und läßt ebenso irisches Liedgut erspüren.
"Listen listen" ist mit seiner eingängigen Melodie und dem hymnischen Refrain am ehesten charttauglich. Das tieftraurige "The lady" mit wunderschönem Geigenteppich ist sicher einer der Höhepunkte des Albums.
Als ob das nicht schon genug wäre, legt die Neuauflage noch Bonus-Material obendrauf. Hier hört man Demo-Versionen und ein französisches "Listen, listen". So wird diese CD entgültig zu einer der ganz wichtigen Kleinode der Siebziger, gerade weil Sandy Denny nie die Popularität von Carly Simon, Joni Mitchell, Carole King u.a erreichen konnte, und weil ihre Karriere so apprupt endete.