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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Meisterwerk des Horrors, 25. Oktober 2008
Der Sandmann ist ein sehr vielschichtiges, tiefgründiges Werk. Da hier schon zahlreiche sehr gute Rezensionen vorliegen, die auf verschiedenste Aspekte eingehen und ich mich in letzter Zeit mit moderner Horrorunterhaltungsliteratur befasst habe, möchte ich mich auf den Horroraspekt der Erzählung beschränken.
E.T.A. Hoffmann skizziert mit einigen wenigen Pinselstrichen ein Meisterwerk des Horrors. Ich habe noch nie zuvor irgendetwas gelesen, das so erschreckend ist und unter die Haut geht wie der Eröffnungsteil des Sandmanns. Bemerkenswert ist, dass Hoffmann diese schreckliche Bild des Sandmanns in einer düsteren, angespannten Atmosphäre sehr kurz und präzise erzählt ohne weit auszuschweifen. So manch moderner, gefeierter König des Horros schafft auf 1000 Seiten nicht, was Hoffmann auf nur 10 erledigt. Beim Lesen hat man das Gefühl, dass man sich tatsächlich selbst in der Situation befindet: man ist ein Kind, das mit Schrecken darauf wartet, dass der Sandmann die Treppe heraufgeht. Die Figur des Sandmanns selbst ist in wenigen Worten so erschreckend und furchteinflößend dargestellt, dass man hofft ihm niemals zu begegnen.
Allein der von mir beschriebene Aspekt verdient sich 5 Sterne. Dieser ist aber, wie bereits oben erwähnt, nur einer von vielen, den dieses Meisterwerk zu bieten hat.
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11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Quell des Unheimlichen, 25. Februar 2007
"E.T.A. Hoffmann ist der unerreichte Meister des Unheimlichen in der Dichtung." Auf diese Weise äußerte sich kein Geringerer als Sigmund Freud über den großen Schauerromantiker, der bereits zu Lebzeiten größtes internationales Ansehen genoss. Freuds Schwärmerei fußte allerdings auf einer wissenschaftlichen Sichtweise, so nimmt es nicht wunder, dass Freud zur Begründung seiner Theorie des Unheimlichen Hoffmanns Erzählung "Der Sandmann" (1817) auswählte.
Freuds Theorie des Unheimlichen besagt, dass das Unheimliche auf der Wiederkehr von Verdrängtem oder Überwundenem beruht. Und so ergeht es auch dem Protagonisten im "Sandmann", dem Studenten Nathanael, dessen Begegnung mit dem Wetterglashändler Coppola traumatische Kindheitserlebnisse weckt: Als kleiner Junge glaubte Nathanael einst im dämonisch wirkenden Advokaten Coppelius den fürchterlichen Sandmann aus den ihm vorgetragenen Ammenversen zu erkennen - der Kindern die Augen stiehlt, wenn sie diese nicht rasch schließen und ins Reich der Träume hinabsinken. Den mysteriösen Tod seines Vaters, der mit Coppelius Geschäfte trieb, lastete Nathanael eben jenem finsteren Advokaten an, den Nathanael nun in Coppola zu erkennen glaubt.
Das Gegenstück zum zerrissenen und traumatisierten Nathanael ist dessen Braut Clara. Sie tut all die Befürchtungen und Verdächtigungen ihres Geliebten als bloße Projektionen ab. Nathanael überzeugt sich nach einer Begegnung mit Coppola, dass dieser offenbar wirklich nichts Übernatürliches an sich hat und kauft ihm ein Perspektiv ab. Dieses Perspektiv verzerrt Nathanaels Sicht auf die Welt in grotesker Weise; er verliebt sich in die leblose Olimpia (eine anthropomorphe Automate), während ihm seine Frau Clara nunmehr als bloßes Holzpüppchen erscheint. Nathanaels Wahn ist nicht mehr zu bremsen und steigert sich unaufhaltsam...
Fazit: E.T.A. Hoffmanns "Der Sandmann" ist ein psychologisches Meisterwerk und spricht für die fundierte Kenntnis, die Hoffmann von der menschlichen Seele und deren Nachtseiten hatte. Es vermischt sich in Hoffmanns Erzählung Übernatürliches, etwa der Dämonenglaube, mit Psychologischem, nämlich Nathanaels Verfolgungswahn und seinen projizierten Ängsten. Hinzu kommen sprachliche Eleganz und perspektivische Vielschichtigkeit, was dieses Werk zu einer vollkommenen Meisterleistung macht.
Wer den Sandmann schon einmal gelesen hat und zu schätzen wusste, der wird vielleicht noch immer ein subtiles, namenloses Kribbeln verspüren, wenn er liest "sköne Oke" oder "Holzpüppchen dreh dich!" Das ist eben E.T.A. Hoffmann, der unübertroffene Schauerromantiker, dessen geniale Erzählung auch nach bald 200 Jahren noch nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat.
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9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Faszination des künstlichen Menschen., 30. November 1999
Von Ein Kunde
Eine phantastische Erzählung um den künstlichen Menschen von beeindruckender Aktualität. Der junge Student Nathanael schreibt seinem Freund Lothar von einer schauderhaften Begegnung. Ihm sei der Alchimist Coppelius über den Weg gelaufen, bei dessen obskuren Experimenten sein Vater den Tod fand und mit dem der Alptraum seiner Kindheit verbunden ist: die beinahe Beraubung der Augen. Seine lebensfrohe Verlobte Clara versucht vergeblich, den vom Düsteren faszinierten Nathanael vom Abgrund wegzuziehen. Dieser ist bereits der geheimnisvollen Tochter des neuen Professors Spalanzani verfallen. Ihm entgeht ihre völlige Leblosigkeit ebenso wie der Spott und die beginnende Unruhe seiner Kameraden - Olimpia ist eine so geduldige Zuhörerin. Schliesslich taucht Coppelius wieder auf und raubt "das Automat" des Erfinders Spalanzani. Der Spuk scheint vorüber, doch Nathanael bleibt besessen und stirbt im Wahnsinn. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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