Sie sieht jung aus und hübsch, doch sie ist alt und mörderisch. Sie ist eine Hexe. Sie ist Thessaly.
Thess wird von Fetch, einem gut aussehenden Geist besucht. Und das gleich nachdem sie eine Horde von bestialischen Höllenhunden zur Strecke gebracht hat. Er behauptet, sie hätte ihn seinerzeit umgebracht, erinnert sich aber an keinerlei Einzelheiten mehr. Doch er ist da, um sie davor zu warnen, dass ihr jemand nach dem Leben trachtet. Oder war es er selbst, der ihr die Seele aus dem Leib reißen will? Weiß er das überhaupt selbst so genau? Beide gemeinsam machen sie sich jedenfalls auf die Suche nach den Übeltätern. Thess besteht darauf, die Sache als echte Queste anzugehen, damit sie am Ende auch wirklich am gewünschten Ziel anlangt. Dabei trifft sie natürlich auf den ersten (schwachen), zweiten (stärkeren) und dritten (mords-gefährlichen) Wächter. Jeder einzelne versucht sie daran zu hindern, zu ihrem Ziel zu gelangen, was ihnen natürlich nicht gelingt. Allerdings ist Fetch nicht ganz unbeteiligt am Ausgang der einzelnen Begegnungen. Schließlich finden sie beiden natürlich den Weg zum Verursacher von Thessalys Suche, doch kann die letzte der thessalischen Hexen, die bekannt ist für ihre Grausamkeiten, sich tatsächlich dieser Herausforderung stellen?
Bereits der Titel dieses Bandes gibt einen Anhaltspunkt zum Ausgang dieser Geschichte, der trotzdem absolut überraschend daher kommt. Bill Willingham und Shawn McManus haben mit der "Thessaly"-Reihe die Geschichte einer Figur aus Neil Gaimans berühmtem "Sandman"-Zyklus weitererzählt. Ebenfalls in Comicform begegnen wir hier einer frechen, immer ein wenig naiv wirkenden, jungen Hexe mit blutiger und magischer Durchschlagskraft. Wo Thesally sich ihren Weg gebahnt hat, wächst kein Gras mehr. Es sei denn, sie will es so. Dabei hat sie jedoch immer einen coolen Spruch auf den Lippen, was auf den ersten Blick so gar nicht zu ihrem bebrillten Äußeren passen will. Monster besiegt sie schon mal durch eine Diskussion, eigentlich löst sie Probleme aber eher auf die grobe Art und Weise. Fetch, der ihr hier zur Seite steht, bleibt bis zuletzt ein undurchschaubarer Charakter, der selbst nicht so genau zu wissen scheint, was er eigentlich will. Der hier vorliegende Band "Die Hexe lässt das Morden nicht" enthält allerdings lediglich die ersten vier von insgesamt acht ursprünglichen Episoden, die Thesallys Geschichte erzählen, man darf also gespannt auf die Fortsetzung sein.
Im Gegensatz zu den "Sandman"-Comics enthält diese Geschichte wesentlich mehr Humor. Man muss immer wieder Schmunzeln, wenn man der Hexe dabei zusieht, mit welch unkonventionellen Mitteln sie zu ihrem Ziel gelangt. Die Lektüre macht unglaublichen Spaß und verbindet geschickt Horror-Elemente mit allerlei amüsanten Einsprengseln. Dabei wird der Kenner der "Sandman"-Comics jedoch noch ein wenig mehr Freude an der Geschichte haben, wird er doch zahlreiche Figuren wiedererkennen, die Thesally hier begegnen. Es gibt vielfältige Anspielungen auf andere Erzählungen, die dem Fan besonderen Spaß bereiten, kennt man sie nicht, wir aber auch nicht unbedingt auffallen, dass eigentlich etwas fehlt.
"Thesally - Die Hexe lässt das Morden nicht" ist eine wunderbare Ergänzung zum Sandman-Universum. Der komplett farbige Comic-Band bietet leichte Unterhaltung mit einem ernsten Hintergrund und einer guten Portion Horror.