Mit dem vorliegenden Band schließt Panini die erste Komplettveröffentlichung von Sandman in deutscher Sprache ab.
Gaiman bleibt seiner bisherigen Vorgehensweise treu. Die wirklich wichtigen Nachrichten erhalten die Ewigen nicht über ihre Galerie, sondern persönlich. Ein Bote überbringt die Botschaft des Todes von Morpheus und lädt die Familie zur Totenwache ein.
Der Nachfolger Dreams, Daniel. besteht darauf, nicht Morpheus genannt zu werden. So unterstreicht Gaiman noch einmal deutlich, dass es tatsächlich einen neuen Sandman gibt. Beeindruckend erzählt und gezeichnet ist dabei das Treffen der Ewigen auf der Kreuzung, was schon eine eigene Symbolik hat.
Die Trauerfeier selbst ist von einem Stelldichein von Nebencharakteren der Serie geprägt, wodurch sich auch der Leser nicht einem gewissen nostalgischen Gefühl entziehen kann. Auch Gaiman und Zulli sind ebenso anwesend wie einige Charaktere des DC-Universums. Hierzu zählen Superman, Batman und Martian Manhunter.
Auffallend ist, dass die Trauerreden der Ewigen eher neutral gehalten sind. Bis auf Delirium, die ihren Bruder vermissen wird, weiß keiner etwas wirklich Gutes über Morpheus zu sagen. Die reden selbst beleuchten Sandman als Charakter, aber auch die Serie, aus verschiedenen Perspektiven. Dies verdeutlicht einmal mehr, wie komplex Sandman als Charakter, aber auch als Comic-Serie zu betrachten ist. Auch hier achtet Gaiman darauf, dass die Leser miteinbezogen werden. Die Rede von Death wird nicht in Sprechblasen, sondern in Captions abgedruckt. Dadurch geraten die Bilder mehr in den Vordergrund, die erzählen, wie Morpheus Leichnam in einem Boot auf seine letzte Reise geschickt wird. Auffallend ist, dass Death diesmal etwas Rotes trägt und somit von ihrer traditionell schwarzen Kleidung abgewichen wird.
Die spärlichen Dialoge und noch mehr das Artwork tragen die melancholische Stimmung der Trauerfeier zum Leser und es scheint fast so, als sei auch Gaiman ein wenig traurig, dass er nun von seiner Serie Abschied nehmen muss.
Mathew, der Rabe und einer der Diener Morpheus, will nicht glauben, dass ein Herr verstorben ist und wird ausgerechnet von Morpheus Nachfolger getröstet. Gaiman legt mit den ersten Entscheidungen und Aussagen des neuen Dreams Wert, dass er gütiger als Morpheus auftritt. Mathew selbst versinnbildlicht eine der fünf Phasen der Trauer, nämlich das Leugnen.
Destruction dagegen geht seine eigenen Wege. Er besucht Daniel und vergewissert sich so, dass die Familie der Ewigen in ihrer Konstellation weiter bestehen wird und dass mit Daniel ein guter Nachfolger für Morpheus gefunden wurde. Sein Auftritt als harmloser Wanderer" erinnert ein wenig an Odin, der sich in einer ähnlichen Rolle oft nach Midgard begeben hat.
Die ersten drei Stories des Abschlussbandes sind so beeindruckend erzählt, dass sie ein Stück Comicgeschichte innerhalb einer wunderbaren Serie bilden.
Da treten naturgemäß die übrigen Stories des vorliegenden Bandes ein wenig in den Hintergrund. Doch auch hier gibt's eine Ausnahme.
Hob Gadling, einer der wenig sterblichen Freunde Morpheus, und auch schon Jahrhunderte alt, erscheint ein wenig lebensmüde., Auf einem Mittelaltermarkt tritt er herablassend, mürrisch und fast schon arrogant auf. Fast schon resignierend zeiht er sich zurück und trifft auf Death. Sie beginnen ein Gespräch.
Erst als Hob im Gespräch mit Death dem Tod buchstäblich ins Auge blickt, gewinnt er seinen schon verloren geglaubten Lebensmut zurück. Dabei lässt Gaiman geschickt aus, was Hob nach seinem Tod erwarten würde. Über Death erfährt man als Leser, dass es etwas ist, was jeder erleben muss,
Mit diesem Band setzt Gaiman nicht nur einen würdigen Abschluss, sondern setzt einen weiteren Meilenstein.