Was für ein Buch. Ich bin begeistert.
Es ist gleichermaßen spannender Thriller und gute Literatur - so etwas ist mir in dieser Form noch nie begegnet.
Den typischen Thriller liest man hungrig weg, ohne auf die Sprache zu achten. Kleinere Fehler stören nicht, die überliest man, um schnell zu erfahren, wie es ausgeht. Bei ernsthafter Literatur freut man sich an schöner Sprache oder/und erfährt etwas Neues über sich selbst, für sich selbst.
Es ist selten, dass man etwas Spannendes liest, das auch Gehalt hat. Und das findet man bei "Sand".
Auf den ersten 100 Seiten werden Personen vorgestellt, man findet sich in teils verwirrenden Szenen wieder und hängt ein bisschen in der Luft. Macht aber nichts, denn Herrndorf beschreibt so plastisch und auf ungewöhnliche Weise tiefgründig, dass es ein Vergnügen ist.
Und dann geht's los.
Ein Mann erwacht irgendwo in Nordafrika auf einem Dachboden mit schmerzendem Schädel und ohne Erinnerung. Die Szene seines Erwachens ist typisch für das Buch: er sieht aus einem Fenster und wie auf in einem Theater, eingerahmt von Brettern wie Bühnenvorhänge, sieht er wie sich in der Ferne wild gestikulierend vier Männer streiten. Die wenigen Satzfetzen, die er versteht, sind alles, was er für seine Suche nach seiner Identität zur Verfügung hat. Eine Achterbahnfahrt beginnt. Feinde werden Freunde, Freunde werden Feinde. Erfolge, die er sich mühsam erkämpft, werden brutal zerstört. Hilflos stolpert er von einer Katastrophe in die nächste.
Das ganze ist unglaublich plastisch erzählt, man sieht die Personen nicht nur vor sich, man versteht sie. Manchmal hat es was slapstickartig Komisches, manchmal ist es weise, manchmal grotesk ... ach man kann es nicht wirklich beschreiben. Ein typischer Herrndorf und auch noch spannend.
Lest dieses Buch. Es lohnt sich wirklich.