Die stolzen weiteren Besitzer des Sandisk-Kartenlesers mögen mich gerne in der Luft zerreißen, wenn ich nicht in das Lied "Ich-gratuliere-mir-mal-wieder-selbst-zum-Fehlkauf" einstimme; aber was wahr ist, muss halt wahr bleiben...
Lesegerät kam schnell und in tadellosem Zustand an; danke Amazon !
Bekanntes:
- Klavierlackoptik; verdreckt in Nullkommanix. Dabei sind weniger Fingerabdrücke das Problem, eher die Tatsache, dass der Kunststoff Staub regelrecht fixiert.
- Ständer: Netter Versuch. Wenn man ein Billigkabel mit der Flexibilität einer Eisenbahnschwelle mitliefert, ist der Ständer absolut sinnlos, wenn man das Kabel nicht auf dem Schreibtisch festklebt, damit es den Ständer nicht weghebelt.
- Bemüht aus dem Englischen übersetzte Bedienungsanleitung mit Übernahme im Deutschen falscher englischer Syntax; OK, OK - wer braucht schon eine Bedienungsanleitung zu einem Kartenleser...
- Oh, wie toll ! Eine BLAUE LED (BLAU, welch Sensation, das muss man sich mal vorstellen !)... Außer Blau scheint es keine LED-Farben mehr zu geben. Sinnvoll wäre es gewesen, eine rot/grüne, meinetwegen auch rot/blaue LED zu verbauen, damit man zwischen Schreib- und Lesezugriff unterscheiden kann. Laut Anleitung bricht ja mindestens der dritte Weltkrieg aus, wenn man den Kartenleser bei laufendem Datentransfer vom Rechner trennt.
Von begeisterten Besitzern meist Verschwiegenes:
- Das Ding ist nicht schneller als andere Lesegeräte. Habe hier noch einen Superbillig-mindestens-Fuffzichtausend-zu-Eins-Kartenleser von Vivanco herumschimmeln; gefühltes Herstellungsdatum: 1812. Kein Geschwindigkeitsunterschied; weder beim Lesen noch beim Beschreiben. Ja, ich habe schnelle Karten zum Ausprobieren genutzt. Mag sein, dass es Kartenleser gibt, die deutlich langsamer arbeiten - ich aber habe keinen gefunden: Auch ein alter Hama-Veteran, der vermutlich aus der Zeit stammt, als Frauen den Stretch-Minirock noch als bequem und praktisch definierten, brachte denselben Datendurchsatz. Also nix mit hypermegagigahoher, nie dagewesener Sensationsgeschwindigkeit.
- Die Taste zum Aufrufen der ach-so-wichtigen Zusatzsoftware (die NICHT beiliegt) ist so selten dämlich platziert, dass man sie ständig ungewollt betätigt, wenn man eine Karte in das Gerät schiebt. Denn dazu muss man den Kartenleser in die Hand nehmen, da man sonst nur den ippsigen Ständer über den Tisch schiebt, bis er wegen des Blumendrahtkabels umkippt.
- Die für das Überleben des gesamten Universums sicherlich unverzichtbare Zusatzsoftware ist NICHT unter der in der Anleitung aufgeführten URL zu finden.
Bis hierher: Im Westen nichts Neues; allesamt Dinge, die bei Kartenlesern und ähnlicher Minihardware eher üblich denn ungewöhnlich sind.
Der Rückgabegrund allerdings ist dies:
Offenbar fehlt dem Kartenleser ein Taster im Inneren, der dem Rechner beim Einschieben einer Speicherkarte signalisiert: "Huhu ! Da steckt jetzt 'ne Karte drin; lies die mal !"
Und das bedeutet, dass man den Kartenleser nach einem Kartenwechsel nicht einfach per "Hardware sicher entfernen" auf das Einschieben einer neuen Karte vorbereiten kann. Nö: Man muss die USB-Verbindung komplett trennen und wieder herstellen, damit eine Speicherkarte nach dem Wechsel erkannt wird und man darauf zugreifen kann.
Unglaublich. Arbeitet man nur mit einer einzigen Karte, fällt dieser Missstand nicht weiter auf. Ist man aber stolzer Besitzer mehrerer Speicherkarten, kommt man um das USB-abrupfen-und-dranfummeln nicht herum. Ganz toll und sowas von lästig. Beim Vivanco-Uraltleser klappt die Erkennung des Kartenwechsels übrigens problemlos.
Nach den ersten erfolgreichen Versuchen war der Sandisk aber nicht einmal durch USB-ab-und-wieder-dran dazu zu bewegen, die eingelegte Speicherkarte zu erkennen. Nach fünf oder sechs Fehlversuchen gab ich auf.
An die "Experten":
1) Ja, ich habe das Ding direkt, nicht über einen Hub, an den PC angeflanscht.
2) Ja, ich habe zwischendurch und danach mit einem anderen Kartenleser und demselben Kartenadapter am selben Kabel überprüft, dass es weder am Kabel noch am USB-Port noch an der Karte lag.
Möglich, dass ich ein "Montagsgerät" erwischt habe und der Kartenwechsel bei anderen Geräten desselben Typs erkannt wird. Bei meinem Sandisk jedoch definitiv nicht.
Daher: Schwarzer Witz, den ich baldmöglichst rücksenden werde.
Schade; hatte mich wirklich auf das Ding gefreut...
Und die anderen Rezensenten mögen mir bitte eine ketzerische Frage beantworten: Wieso haben Sie dem Ding fünf Sterne gegeben ? - Nur, weil Sie's sich gekauft haben ?