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39
3,6 von 5 Sternen
San Miguel
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23 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Durch den Roman „Die Frauen“ hatte ich einen neuen Autor entdeckt, dank der Hörbuchfassung von „San Miguel“ einen neuen Sprecher. Und auf Jan Josef Liefers möchte ich zuerst eingehen, bevor ich kurz auf den Inhalt zu sprechen komme.

In den Produktbeschreibungen ist zu lesen, dass der 1964 geborene Jan Josef Liefers als Schauspieler, Synchronsprecher, Regisseur und Musiker tätig ist. Und all das hört man, wenn er uns T.C. Boyles Geschichte zweier Familien auf der gottverlassenen Insel San Miguel erzählt. Denn weil er sich in die Charakteren der einzelnen Figuren versetzt, erweckt er sie zum Leben. Und wenn Liefers die wortgewandten Beschreibungen der absoluten Langeweile vorliest, dann macht er dies mit Zwischentönen, die wahrscheinlich nur ein Musiker trifft. Kurz: Als Sprecher von Boyles neustem Roman ist Jan Josef Lievers ist die Idealbesetzung.

Zum Inhalt: T. C. Boyle erzählt von zwei Familien, die real existierten, lässt diese aber in einem Raum agieren, den Boyle mit fiktiven Elementen gekonnt auflädt. Boyles-Kenner müssen sich allerdings daran gewöhnen, dass der amerikanische Autor in diesem Werk auf Inhalte verzichtet, die spannende Abenteuerroman auszeichnen. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen drei Frauen, die Boyle so bestechend charakterisiert, dass sie schnell zu lebendigen Figuren werden. Aber weit mehr als nur eine Nebenrolle spielt auch die Landschaft. Denn mit ihr müssen sich alle Personen auseinandersetzen, die in diesem Roman einen Auftritt haben. Die Rauheit und Öde dieser Insel werden zu Blaupausen menschlicher Nöte und Ängste. Und mit der Frage, wie sich auf einer solchen Insel das Glück finden lässt, baut T. C. Boyle einen tragenden Spannungsbogen auf. Mehr zu verraten, würde ihn allerdings zusammenbrechen lassen. Zudem gehen ja andere Rezensionen schon ausführlicher auf den Inhalt ein.

Mein Fazit: T.C. Boyle gehört zu den Schriftstellern, die so gut schreiben können, dass auch scheinbar Langweiliges spannend wird. Meine Rezension verstehe ich vor allem als Werbespot für die Hörbuchfassung. Denn Jan Josef Liefers ist der beste Beweis, dass Sprache und Musik in enger Verbindung stehen. Und weil er als Schauspieler und Regisseur auch weiss, wie sich Langeweile spannend inszenieren lässt, kommt nie der Wunsch auf, das Geschehen auf der Insel San Miguel zu verlassen, bevor die Geschichte der beiden Familien zu Ende ist.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. November 2014
«Romane sind wie Rockkonzerte: Entweder bringst du die Leute zum Tanzen, oder sie feuern dir Bierdosen an den Kopf». Wendet man dieses Zitat von T.C. Boyle auf seinen letzten Roman «San Miguel» an, werden wahrscheinlich eher die Bierdosen fliegen, zum Tanzen animiert das elegische Buch wohl kaum. Unter den Fans dieses Romanciers hat es jedenfalls einige Verwirrung ausgelöst, steht es doch wie eine einsame Insel alleine da im üppigen Werk des schreibfreudigen amerikanischen Autors, der für witzige Formulierungen, kreative Plots und skurrile Figuren gleichermaßen bekannt ist (oder war?). Altersweisheit und –milde sei der Grund für den Stilwandel, wird gemutmaßt. «Am schwersten fiel mir, dass mein Buch weder ironisch noch lustig ist» hat der heute 66jährige Boyle geäußert, «Ich wollte sehen, ob ich das kann. Ich hätte tolle Szenen schreiben können, aber ich wollte nicht. Ich wollte, dass alles strikt an den historischen Hintergrund und die Insel gebunden ist. Es geht um San Miguel, diesen bedrohlichen Ort».

Gestützt auf gründliche Recherchen beschreibt der Autor in den drei nach seinen Protagonistinnen benannten Teilen des Romans aus spezifisch weiblicher Sicht das karge Leben auf einer einsamen Insel, im Pazifik vor Santa Barbara in Kalifornien gelegen. Die schwindsüchtige Marantha folgt 1888 ihrem Will auf die Insel, die reine Luft dort würde ihr gut tun, hat er versprochen. Sie hat ihr ganzes Geld hergegeben, er verspricht sich von der dort betriebenen Schafzucht ein gutes Geschäft. Aber schnell wird klar, daraus wird nichts, und für sie und die Stieftochter Edith ist die Insel auch nicht das versprochene Paradies, es ist die Hölle. Beide sind schon bald nur noch von dem einen Wunsch beseelt, der rauen Natur und den primitiven Lebensverhältnissen dort zu entfliehen, aufs Festland zurückzukehren, in die Zivilisation. Als Marantha stirbt, zwingt Will die noch minderjährige Edith, weiterhin mit ihm auf der Insel zu leben, er braucht sie für den Haushalt. Nach einigen gescheiterten Versuchen gelingt Edith schließlich die Flucht, sie strebt eine Karriere als Künstlerin an, wie es ihr ergeht dabei erfahren wir leider nicht. Im dritten Teil übernehmen vierzig Jahre später Elise und ihr Mann die Pacht der Insel, sie bekommen zwei Kinder und leben in deutlich besseren Verhältnissen, die ihnen der technische Fortschritt ermöglicht. Ihr Glück aber währt nicht lange, die Weltwirtschaftskrise und der zweite Weltkrieg bedrohen ihre Idylle, und als Ediths Mann nach einem Unfall depressiv wird und Selbstmord begeht, kehrt sie desillusioniert von einer ihr fremd gewordenen öden Insel aufs Festland zurück.

Geschichten von wagemutigen Pionieren in menschenfeindlicher Natur, der amerikanische Traum also, hier in Form einer auf wahren Geschehnissen basierenden Robinsonade, sind so ganz nach dem Geschmack des Lesepublikums jenseits des Atlantiks. Boyle lässt seine beiden Männerfiguren scheitern, und er erzählt von den tapferen Frauen, die dem stets drohenden Unheil die Stirn bieten, so gut sie eben können. Die Handlung folgt keinem kontinuierlichen Ablauf, sie ist kapitelweise in Einzelszenen gegliedert, die aneinandergereiht jeweils bestimmte Ereignisse fragmentarisch erzählen. Der für Boyle ungewohnt nüchterne Sprachstil ist fast pathetisch, seine Geschichte aber bleibt ohne Spannung und Höhepunkte. Viel wird erzählt, wenig passiert, wobei die gekonnt beschriebene, reizlose Natur der überweideten, baumlosen Insel stets im Mittelpunkt steht, aber irgendwann wird es dann doch langweilig für den Leser. Besser gelungen sind die Beschreibungen der Figuren, deren Innenleben nachvollziehbar und glaubhaft dargestellt ist, ohne wirklich emotionale Tiefe allerdings. Ein historischer Roman, der mich nicht hat überzeugen können, ohne dass ich deshalb nun gleich zum Bierdosen-Werfer werde.
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24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der Schreibstil T.C. Boyles hat sich verändert. Waren die ersten Romane des 1948 geborenen amerikanischen Autors wie „Wassermusik“ oder „Grün ist die Hoffnung“ Anfang der 80er-Jahre noch geprägt von skurrilen Figuren sowie unglaublich witzigen Einfällen und Formulierungen, erzählt er seine Geschichten heute eher auf eine ernstere, seriösere Weise – wie in seinem neuesten Roman „San Miguel“.

Gegen diesen Wandel ist im Grunde nichts einzuwenden, und doch geht man als alter Boyle-Fan möglicherweise mit einer falschen Erwartungshaltung an seine Bücher von heute heran. Eines ist jedoch geblieben: Boyle verwendet für seine Romane oft historische Vorbilder. In „San Miguel“ sind es drei Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten auf der ansonsten unbewohnten kalifornischen Insel San Miguel gelebt haben: Den Anfang macht die schwindsüchtige Marantha, die 1888 mit ihrem herrschsüchtigen Mann Will, der dort von der Wolle von 4000 Schafen leben will, auf die Insel kommt. Die gute Luft, so glaubt er, werde sie heilen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Marantha geht es immer schlechter, und sie erträgt die raue Situation auf der Insel nur äußerst schlecht.

Der zweite Teil widmet sich der Adoptivtochter des Paares, Edith. Weil sie noch nicht volljährig ist, zwingt Will sie nach Maranthas Tod, ebenfalls mit ihm auf der Insel zu leben. Doch sie setzt sich mit allen Mitteln zur Wehr und plant die Flucht. Erst Elise, die viele Jahre später mit ihrem Mann auf die immer noch unwirtliche Insel zieht, scheint dort ihr Glück zu finden …

Das Buch leidet ein wenig darunter, dass bereits im Klappentext sehr viel von der Handlung vorweggenommen wird. Zwar bleibt es so immer noch lesenswert für historisch oder an besonderen Frauenschicksalen interessierte Leser, allerdings fehlt die Spannung weitgehend. „San Miguel“ ist ein stilsicher geschriebener Roman, dessen Erzählstrom stetig und ruhig dahinfließt, ohne die ganz großen Höhepunkte zu bieten. Man ist niemals versucht, ihn beiseitezulegen, aber manchmal wünscht man sich denn doch die alte Boylesche Fabulierlust zurück.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 25. Januar 2014
ich habe quasi alle Bücher von T.C Boyle gelesen. Ich mag seine Bücher, jedes ist wieder anders und mit immer interessanten Charakteren. Dieses Mal, beim Lesen von San Miguel, war ich aber sehr enttäuscht. Dieses Buch ist so durch und durch deprimierend, es gibt im ganzen Buch kaum einen Moment, wo mal Fröhlichkeit oder Wärme aufkommt, alles, das ganze Buch hindurch, ist nur traurig, triste, elendig. Ich hatte beim Lesen immer darauf gehofft, dass irgendwann eine Wende kommt, dass irgendwann auch mal etwas Schönes, Glückliches passiert, aber nein, bis zum Schluß (das große Finale der Depression!)gibt es nur Traurigkeit. Ich bin froh, dass ich dieses Buch, trotz allem bis zum Ende gelesen, weglegen kann.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Wieder nimmt uns T. C. Boyle mit in seine Wahlheimat und dieses Mal lässt er die dichtbesiedelte Küste Südkaliforniens mit ihrer Hektik noch radikaler hinter sich, als er es in seinem letzten Buch „When the killings done“, das bei uns unter dem sperriger klingenden Titel „Wenn das Schlachten vorbei ist“ erschienen ist, getan hat. Wieder, und noch deutlicher, steht eine der Kanalinseln vor Santa Barbara, San Miguel, im Mittelpunkt.

Bei seinen Recherchen zum letzten Roman stieß er auf die Aufzeichnungen von weiblichen Mitgliedern der Familie Waters und Lester, die T. C. Boyle zu diesem historischen Roman inspiriert haben. Die Waters lebten zum Ende des 19. Jahrhunderts als Schafzüchter auf der kleinen Insel, die Lesters von 1930 bis 1942. Beide Ehemänner waren Kriegsveteranen, die sich im Ringen mit den unerbittlichen Naturgewalten selbst entkommen wollten. Im Mittelpunkt jedoch stehen die Ehefrauen, die sich auf sehr unterschiedliche, aber immer unterordnende Weise mit den Visionen ihrer Männer arrangieren. Die eine kürzer, die andere länger, viel länger. Die dritte Frau, die uns T.C. Boyle präsentiert, der seit Jahren beim Schreiben die Sichtweise der Frauen in dem Focus seines Schaffens stellt, ist noch ein Mädchen, die Stieftochter der Waters, und die hat es in sich. Wie sehr, erfahren wir nur im Zeitraffer, weil der Autor sie uns schon bald aus den Augen verlieren lässt, was mich hoffen lässt, dass Edith in einem künftigen Roman des Autors im Mittelpunkt stehen wird, das Potential dazu hat sie. Sie schert sich einen Teufel darum, was Männer wollen, auch wenn sie einige Federn lassen muss. Bleiben also Marantha Waters, die schwindsüchtige Ehefrau von Will Waters, die das Inselleben hasst, und Elise Lester, ein „spätes Mädchen“ und einst Bibliothekarin in New York, die Jahre später mit ihrem Mann Herbie auf die Insel kommt und die das Leben auf San Miguel liebt. Beiden ist jedoch gemein, dass sie, nicht zuletzt der Zeit in der sie lebten geschuldet, sich ganz und gar den Wünschen und Zielen ihrer Männer unterordnen. Diese Männer sind „Macher“, Pioniere, wie Amerika sie liebt, aber dennoch wirken sie stets verlorener als ihre Frauen. Das kann gutgehen oder nicht, aber weder Unglück noch Glück ist von Dauer in dieser Welt, nicht einmal in ihren entlegenen Winkeln. Was am Ende bleibt? Ein Setzkasten vielleicht, mit verstaubten Erinnerungen, so einem wie jener, der auf dem gelungenen Einband abgebildet ist.

Früher hat T. C. Boyle anders erzählt, spritziger, bissiger, skurriler, mit sich überschlagenden Einfällen und überschäumendem Humor, stets auch augenzwinkernd, ironisch, als ob immer noch der fantasiebegabte Schulschwänzer in ihm sein Unwesen treiben würde. Jetzt, mit bald 65 Jahren, scheint er ruhiger, abgeklärter und melancholischer geworden zu sein. Ich vermisse den alten Boyle, von dem ich kein Buch ausgelassen habe, aber den neuen, falls man das so plakativ ausdrücken kann, finde ich ebenso herausragend. Viele erfolgreiche Schriftsteller erheben mit zunehmendem Alter immer deutlicher den Zeigefinger, gerade so, als ob ihr Erfolg sie zu einer moralischen Instanz gemacht hätte (und nicht unbedingt ihr Verhalten). T. C. Boyle tut das nicht, es ist eher Demut, die aus seinen neuen Werken spricht, gepaart mit etwas Resignation in Hinblick auf die Menschlein, die doch nur so kurz existieren und gegenüber Zeit und Naturgewalten von vornherein früher oder später zum Scheitern verurteilt sind und sich trotzdem so wichtig nehmen.

Gleich geblieben ist seine wortgewaltige Fabulierkunst, sein Können, das im Minimalistischem genauso funkelt wie im Überbordenden. Das Buch ist, das wird ihm auch vorgeworfen, handlungsarm. Das ist es gewollt, den so ist San Miguel: Tagaus, tagein Wind, Sturm, Sand und immer dem heranrollendem Meer ausgesetzt, das an ihr nagt. Viel Arbeit, wenig Zerstreuung für die wenigen, die es dort aushalten. Die sonnigen, warmen Tage, die wir mit Ferien am Meer in Verbindung bringen, sind rar. Die Insel ersteht vor unserem Augen nicht durch wortgewaltige Beschreibungen, sondern durch die Kargheit der Sprache. Und dennoch dürfen wir sie aus zwei, eigentlich aus drei unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Die Insel ist immer gleich, aber es ist ein gewaltiger Unterschied, ob man sie mit hassenden oder liebenden Augen betrachtet. Vermutlich ist es auch ein gewaltiger Unterschied, ob man krank oder gesund ist. Kranke können diesem winzigen Flecken im Meer auf keinem Fall gewachsen sein, zumal die Errungenschaften, die in der Mitte des 20. Jahrhunderts bereits weit verbreitet waren, das Inselchen schon viel näher mit dem Festland verband, als das Ende des 19. Jahrhunderts der Fall sein konnte: Strom (Generator), Funk, Radio und Flugzeuge begannen die Abgeschiedenheit zu relativieren.

Insel gleich Paradies, diese Gleichung geht eben oft nicht auf. San Miguel ist heute ein Naturschutzgebiet, nachdem es viele jahrzehntelang überweidet und später für eine Weile auch militärisch genutzt wurde. Es ist T. C. Boyles Verdienst, sie nun vielen Menschen nahegebracht zu haben, die vermutlich niemals einen Fuß auf die reale Insel setzen werden. Was gut für die Natur ist. Man kann bei dieser Lektüre den Schafgestank riechen, das eintönige Essen verdammen, sich vor dem vielen qualvoll gespukten Blut ekeln, an den Männern der Insel verzweifeln, den ewigen Wind und Sand, Regen und Einsamkeit verfluchen und noch einiges mehr. Wer sich dabei bereits zu langweilen beginnt, sich angeödet fühlt oder eine innere Unruhe verspürt, für denjenigen ist dieses kleine Fleckchen Erde in der Realität sicher erst recht kein lohnendes Ziel. Es gibt immer noch Orte auf dieser Welt, wo man fast nur auf sich selbst trifft. Welcher Mensch unserer Zeit hält das denn noch aus?

T.C. Boyle hat mit „San Miguel“ einen dichten, phasenweise beklemmenden Roman geschaffen. Ein stilles, ruhiges Meisterwerk auf gewohnt hohem Niveau, das allerdings nicht jedem gefallen wird.
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25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Der amerikanische Bestsellerautor T. C. Boyle hat sich mit diesem Roman der Geschichte zweier Familien angenommen, die auf der kleinen Pazifikinsel San Miguel vor der kalifornischen Küste lebten. Aufmerksam geworden auf diese Geschichte ist er während seiner Recherchen zu dem vorhergehenden Roman „Wenn das Schlachten vorbei ist". Mit den beiden nacherzählten Familiengeschichten, die in unterschiedlichen Epochen spielen, die erste im 19. Jahrhundert und die zweite 50 Jahre später im 20. Jahrhundert, nimmt sich Boyle dem Phänomen des immer weiter nach Westen strebenden Pioniers an. Wir finden den über 400 Seiten starken Roman in drei Teile untergliedert vor. Die ersten beiden Teile, die um 1880 spielen, sind der Familie Waters gewidmet. Der dritte Teil rückt dann in die Zeit ab 1930 vor, ragt bis weit in den Zweiten Weltkrieg hinein und erzählt die Geschichte der Familie Lester. Die kleine Kanalinsel, auf die die beiden Familien ziehen, ist geprägt von kargem Land. Kaum Vegetation ist lediglich Schafzucht in diesem minimalistischen Lebensraum möglich. Der Autor stellt zu Recht die Frage, was bewegte diese Menschen, auf diese Insel zu ziehen. Während Marantha Waters und ihre Tochter Edith nur dem Ruf von Maranthas Ehemann folgen und das Gefühl haben, auf der Insel wie in einem Gefängnis zu leben, geht Elise Lester mit ihrem Mann aus freien Stücken auf die Insel und lebt sehr gerne auf dieser Insel.

Beide Familien haben tatsächlich existiert und es liegen Dokumente über deren Leben auf der Insel vor. Das besondere Verdienst Boyles ist es, die real existierenden Familien in eine fiktive Handlung eingebettet zu haben, um sie plastischer vor dem geistigen Auge des Lesers entstehen zu lassen. Erst durch die Handlungen und Dialoge, wie sie nur in einem fiktiven Roman, zudem von einem wortgewandten Schriftsteller wie T. C. Boyle und seinem präzise und ebenso wortgewandten Übersetzer Dirk van Gunsteren machen die Verhältnisse und das Leben auf dieser Insel spürbar. Auch die Herausarbeitung von Figuren, wie sie vom Schriftsteller bezeichnet werden, sind nur in einer fiktiven Geschichte möglich. Dies macht die Charakterstudien der beiden Familien äußerst lesenswert.
Wer mit dem Roman jedoch ein spannendes Abenteuer wie „Drop City“ oder „Amerika“ erwartet, der wird enttäuscht werden. Harte Auseinandersetzungen und Konflikte zwischen zwei Menschengruppen stehen nicht im Vordergrund. Wohl aber eben solch harte Konflikte zwischen den Bewohnern dieser Insel und den Naturgewalten. Diese brechen herein in Form von Stürmen, in Form des Zweiten Weltkrieges, in Form von Krankheiten. Mit San Miguel kann man sich einlassen auf einen eine historische Fiktion. Es besticht durch die vom Autor gewohnten präzisen Charakterstudien und detailreichen Beschreibungen der Landschaft, die Heimat des Inselfuchses ist, der nur auf dieser und fünf anderen kleinen Kanalinsel lebt.

Obwohl das Leben auf dieser Insel einem Abenteuer gleicht, ist der Roman kein Abenteuerbuch und man muss sich auf den Inhalt einlassen. Nichtsdestotrotz ist es hervorragend geschrieben und hat meine volle Punktzahl verdient. Ich freue mich auf ein Treffen mit dem Autor, wenn er in den nächsten Wochen durch Deutschland lesetourt.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 24. Juni 2015
Im Jahr 1888 bringt Will Waters, ein Bürgerkriegsveteran, seine schwindsüchtige Frau Marantha auf die Insel San Miguel vor der kalifornischen Küste. Will erhofft sich dort die Genesung seiner Frau. Die beiden werden von ihrer Adoptivtochter Edith begleitet, die unter Wills Strenge leidet und versucht, ihm zu entkommen. Jahre später zieht Herbie Lester, ebenfalls ein Kriegsveteran, mit seiner Frau Elise von New York nach San Miguel. In Zeiten der Wirtschaftskrise werden die beiden von der amerikanischen Presse als Inbild einer starken Pionierfamilie gefeiert, doch hinter ihrer schönen Fassade zeigen sich bereits erste Risse.

T.C. Boyle zeichnet in seinem Roman San Miguel das Schicksal dreier Frauen, die auf der einsamen Insel versuchen, sich ein neues Leben aufzubauen und ihr Glück zu finden. Boyle charakterisiert die Frauen sehr eindrücklich, so dass ich schnell das Gefühl hatte, lebendige Figuren in ihrem Leben zu begleiten. Alle Frauen müssen sich den Visionen ihrer Männer unterordnen und versuchen sich damit zu arrangieren. Die Ehemänner werden als Pioniere dargestellt, die dem amerikanischen Traum hinterherjagen. Die Handlung bietet keine besonderen Höhepunkte sondern ist eher eine Charakterstudie, trotzdem ist der Roman flüssig und spannend zu lesen.

Die heimliche Hauptfigur des Romans ist aber die namensgebende Insel San Miguel. Auf der Insel gibt es nur ein verfallenes Haus und eine ganze Menge Schafe. Durch die Kargheit in der Sprache wird die Insel gleichermaßen beschrieben, denn neben der Arbeit mit den Schafen gibt es nichts zu tun. Die Insel ist dem harten Wetter ausgesetzt und bietet nur wenige sonnige Tage. Obwohl die Geschichte immer auf derselben Insel spielt, betrachtet der Leser sie immer wieder aus einem anderen Blickwinkel. Es macht einen großen Unterschied ob man sie aus dem Blickwinkel der kranken Marantha betrachtet, die dem einsamen und entbehrungsreichen Leben nicht viel abgewinnen kann, oder durch die Augen einer anderen Frau, die auf der Insel scheinbar ihr Glück gefunden hat.

Boyle orientiert sich in seiner Geschichte an wahren Begebenheiten, denn über beide Familien liegen Dokumente vor, die ihr Leben auf San Miguel beschreiben. Durch die präzise und wortgewandte Sprache des Autors werden historische Geschehnisse wieder zum Leben erweckt und mit der Fiktion des Autors verbunden.

Mit seinem Roman San Miguel gelingt Boyle eine Charakterstudie dreier Frauen, die stilistisch sehr gut gelungen ist, dabei aber keine wirklichen Höhepunkte bietet. Besonders gefallen hat mir die Darstellung der Insel, die auch immer wieder das Innenleben der Figuren spiegelt und die eigentliche Hauptfigur des Romans ist. Leider wird im Klappentext des Buches meiner Meinung nach zu viel der Handlung bereits vorweggenommen, weshalb es für mich etwas gedauert hat, bis Spannung aufgekommen ist.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 7. Januar 2015
Habe ALLE Boyle Bücher gelesen und muss sagen das hier kann man sich getrost schenken, die letzten beiden Bücher von Boyle ebenfalls ("Die Frauen" und "Wenn das Schlachten vorbei ist"). Alles davor ist wirklich deutlich Besser, sogar so das man es 2x lesen würde, aber irgendwie scheint mir das hier nur noch langweiliger Zwangsoutput
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18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 9. Oktober 2013
Der ehemalige Chef des Hanser-Verlags, Michael Krüger, hat in den Jahren 2011 und 2012 eine Reihe von Selbstgesprächen vor laufender Kamera geführt, die allesamt bei YouTube anzuschauen sind. In dieser Reihe ging und geht es um einen Blick hinter die Kulissen des Verlagswesens, und in einer besonderen Folge, die neue Autoren und deren Chancen thematisiert, verdeutlichte Krüger, warum manchmal schlechte Bücher bekannter Autoren veröffentlicht werden und deshalb, weil die Zahl der Programmplätze eben begrenzt ist, nicht so viele gute Bücher von unbekannten Autoren. Verlage, so erklärte Krüger sinngemäß, sind dem Werk ihrer berühmteren Stammautoren verpflichtet, und dazu gehört es dann auch, Romane zu publizieren, die man sogar im Haus für eher misslungen hält.

Hanser ist der deutsche Stammverlag von T. C. Boyle, und "San Miguel" ist wahrscheinlich ein solches Buch.

Der amerikanische Romancier, der wunderbare und amüsante Erzählungen wie - natürlich - "Wassermusik", aber auch "Willkommen in Wellville", "Grün ist die Hoffnung", "América" und viele andere vorgelegt hat (zudem sehr bemerkenswerte Anthologien), bewegt sich mit seinem Werk schon seit einigen Jahren in eine Richtung, die es mir immer schwerer macht, ihm zu folgen. Da Boyle fraglos ein ungebrochen brillanter Erzähler ist, boten auch Rohrkrepierer wie der Identitätswechselroman "Talk Talk" oder die seltsame Architektenbiographie "Die Frauen" und selbst das vergurkte "Dr. Sex" über den Sexualforscher Alfred Kinsey noch genug Potential, um über den fast völlig fehlenden Humor und die eigenartige Regionalität der Themen hinwegzutrösten, die eben, und hier zeigte sich Boyles neue Ausrichtung, die amerikanische Geschichte im Kleinen erzählen, um sie im Großen mit Transparenz auszustatten. Das kann interessant sein, und vermutlich ist es das für die Amerikaner auch, aber für die "Welt da draußen" muss ein Romanautor schon ein bisschen mehr bieten, um sie bei der Stange zu halten. Im vorletzten Roman, "Wenn das Schlachten vorbei ist", dessen Schauplätze übrigens mit denen aus "San Miguel" weitgehend übereinstimmen, waren es die akribische Erzählweise und der politische Kontext der Geschichte, zudem skizzierte Boyle sein Personal besonders eindringlich, aber all das fehlt dem aktuellen Werk leider völlig.

Um was geht es? Nun, das lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen. Vor der kalifornischen Küste, nicht unweit von Santa Barbara, gibt es eine kleine Inselgruppe, zu der auch das eher karge "San Miguel" gehört. Auf diese Insel zieht in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts eine kleine Familie, um dort Schafe zu züchten. Finanziert wird das Projekt von der schwindsüchtigen Ehefrau, die sich von der klimatischen Veränderung Heilung erhofft, der tendenzcholerische Zweitmann arbeitet, und es gibt noch eine hübsche Tochter, die sich auf dem Eiland vor allem langweilt. Am Ende des ersten Teils stirbt - wenig überraschend - die Ehefrau, im zweiten Teil kehren Stiefvater und Tochter auf die Insel zurück. Im dritten Teil des Romans erleben wir, in den Dreißigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts angekommen, eine andere Familie auf der Insel. Auch die züchten dort Schafe, sind aber überwiegend viel glücklicher als ihre Vorgänger. Den geschichtlichen Kontext bilden die Weltwirtschaftskrise und der drohende Zweite Weltkrieg, vorher waren es die Armut der oberen Unterschicht und der mählich versiegende amerikanische Traum. Die Gemeinsamkeit der beiden Familien, deren Geschichten erzählt werden, bestehen aus der einsamen Insel und der Schafzucht. Die Einsamkeit wird im dritten Teil etwas gebrochen, da es inzwischen Radios und Flugzeuge gibt; man ist nicht mehr ausschließlich auf das alle paar Monate eintreffende Versorgungsschiff angewiesen.

Nunwohl. Boyle hat ja nicht damit aufgehört, großartig erzählen zu können, wenn man auch den boyleschen Humor mit dem Teleskop in "San Miguel" suchen muss, ohne übrigens fündig zu werden, aber was er da erzählt, vermutlich inspiriert durch die Recherchen zu "Wenn das Schlachten vorbei ist", beschränkt sich auf eine marginale, aber nicht durchgehende Handlung ohne den Hauch eines Spannungsbogens, sehr oberflächlich konturiertes Personal und ansonsten jene Geschehnisse, die man auf einer Schafzucht-Insel irgendwo vor der Küste Kaliforniens nun einmal erwarten würde - Stürme, fremde Besucher, Unfälle, viel Lammfleisch und das gelegentliche Auftauchen der Scherer, eingebettet in eine Art Doku-Soap. Es gelingt dem Autor durchaus, die Atmosphäre und die Besonderheiten des Insellebens zu veranschaulichen, aber wenn es um Emotionen und menschliche Interaktion geht, bleibt Boyle verblüffend zurückhaltend, ist sich nicht einmal dafür zu schade, beispielsweise einfach zu behaupten, eine Person wäre glücklich, statt es zu zeigen. Einzig jener Tochter, um die es im ersten und zweiten Teil auch geht, obwohl ihr Schicksal anschließend in wenigen Sätzen abgehakt wird, wird etwas wie Figurenzeichnung zuteil, leider aber auch in vorhersehbarer und teilweise ziemlich klischeehafter Weise. Das vergleichsweise umfangreiche Personal im dritten Teil muss demgegenüber fast ohne Eigenschaften auskommen.

Bleibt ein Buch, das wieder einmal (eine) amerikanische Geschichte erzählt, in dem viel geschildert wird, aber nur wenig geschieht, und das eine Zähigkeit entwickelt, die bei Boyle langsam typisch zu werden droht. Eine Entwicklung oder Humor, gar Spannung sucht man vergebens. Das Buch ist so öde wie die titelgebende Insel - vermutlich - ist, dabei routiniert heruntererzählt, ohne Tiefe zu entwickeln. Und die Frage, was Boyle mit diesem langweiligen Roman sagen wollte, kann zumindest ich nicht beantworten. Leider: Verschwendete Lesezeit.
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7 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. Oktober 2013
T.C. Boyle hat seinen Stil in der Tat geändert. Von den grellen Skurrilitäten der frühen Bücher ist nichts geblieben. Boyle ist jetzt ein normaler Autor. Schade eigentlich. Noch etwas hat sich bei San Miguel geändert: Bisher waren seine Romane auch eine Auseinandersetzung mit einem bestimmten gesellschaftlichen Thema. Die Immigration in "América", die Schizophrenie in "Riven Rock", die widersprüchliche Naturvorstellung der Ökologiebewegung in seinem letztjährigen Roman "Wenn das Schlachten vorbei ist", um nur einige Beispiele zu nennen. Auch das fehlt mir bei San Miguel". Es sind zeitlich aufeinander folgende, locker verwobene historische Familiengeschichten. Drei Episoden über Personen, die auf einer abgelegenen Insel leben. Die ersten beiden sind packende Schilderungen des Kampfes zweier Frauen um ihre Rückkehr in die Zivilisation. Die letzte Episode ist harmonischer, fast belanglos. Spannend aber, wie Boyle das tragische Scheitern der Männer beschreibt. Der amerikanische Traum, ein unbesiedeltes Land zu erschließen und in ein blühendes Paradies zu verwandeln - zumindest für die beiden zentralen Männerfiguren des Buches hat er sich ausgeträumt. Das ist interessant und treffend beschrieben. Anfangs konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Gegen Ende wurde es allerdings zäh.
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