Zu William Adams hatte ich schon vor einigen Jahren eine Sphinx-Doku auf Arte gesehen, in der auch der Autor Giles Milton zu Wort kam. Außerdem bin ich ein großer Fan von Clavells "Shogun" (Roman und Verfilmung) und war daher superneugierig auf das Erscheinen von Samurai William, in dem die Geschichte des echten "Anjin-san" erzählt wird. Ich habe nicht zu viel erwartet: Der Autor versteht es, die spannende Geschichte des ersten europäischen Samurais so mitreißend wie einen Roman zu erzählen. Dabei stützt er sich auf die verfügbaren europäischen Quellen und der einzige Schwachpunkt des Buches ist, daß er keine japanischen Quellen zu Wort kommen läßt, die es zu so einer prominenten Persönlichkeit doch bestimmt gegeben haben muß. Ein reines Sachbuch ist dies sicher nicht, beim Lesen mußte ich immer wieder an ein mehrstimmiges Radio-Feature oder an eine Doku-Fiction denken, und es werden sich vielleicht einige Leute daran stoßen, daß das Buch nicht so eindeutig in eine Schublade zu stecken ist. Aber reine (und trockene) Sachbücher gibt es ja genug und jedem, der den Roman "Shogun" gelesen hat und sich für Japan ganz allgemein interessiert, sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Mich hat z.B. am Ende viel mehr die Geschichte des Richard Cocks und seiner skurrilen Kollegen interessiert und begeistert als William Adams selbst. Man glaubt die Leute dank der lebendigen Beschreibungen des Autors wirklich zu sehen und ich habe mich an einigen Stellen vor Lachen gebogen, während mir an anderen die Haare zu Berge standen. Die Übersetzung muß also ziemlich gut sein. Ich habe das Buch an einem Wochenende durchgelesen.
Was mir auch sehr gut gefallen hat, sind die vielen Bilder und das wirklich schön gemachte Äußere, der bedruckte Vorsatz und der Schutzumschlag. Gibt's auch nicht so oft. Also: unbedingt lesen!