"Ich hatte mal gelesen, daß die Batterien eines menschlichen Lebens nach ungefähr 650000 Stunden leer sind.". Mit solchen trübsinnigen Berechnungen schlägt der 37-jährige, allein lebende Junggeselle und Literaturdozent Samuel de Juan die Stunden einer weiteren ereignislosen Silvesternacht in seinem wenig abenteuerlichen Leben tot. Da bringt ein herumstreunender Stubentiger Schwung in sein tristes Dasein und läßt ihn allerhand zufällige Bekanntschaften machen, die zu liebenswerten und schrulligen Freundschaften werden und zuletzt findet er rein zufällig seine Jugendliebe wieder. Einziges Problem: die Auserwählte kann sich beim besten Willen nicht an den unscheinbaren Samuel erinnern und weist ihn ab. Doch Hartnäckigkeit und die Magie des Alltäglichen führt diese wunderschön und völlig unaufgeregt erzählte Geschichte nach vielen Verwicklungen doch noch zu einem guten Ende.
Nach einigen Büchern mit schwerverdaulicher Kost hatte ich so richtig Lust, mal wieder was Leichtes und Fröhliches zu lesen und wurde vom verspielt gestalteten Buchumschlag von "Samuel und die Liebe zu den kleinen Dingen" magisch angezogen. So geht es mir im übrigen immer. Die Bücher finden mich, nicht umgekehrt. Und wieder wurde ich belohnt. Genau das, was ich gesucht hatte. Der 42-jährige, 2009 mit dem Premio de Novela Cindad de Torrevieja ausgezeichnete, spanische Autor erzählt die bezaubernde Geschichte eines einsamen Menschen ("Einpersonenhaushalt, eine Schnecke mit ihrem Haus, in das nur sie allein hineinpasst"), der durch einen kleinen Zufall (Gibt es Zufälle?) in Person einer herumstreundenden Katze, mitten ins Leben gestupst wird. Zunächst will er die Katze, die er Mishima nach einem japanischen Autor nennt, wieder loswerden. Gewinnt sie aber zunehmend lieb und kann sich schließlich nicht mehr von ihr trennen. Dies Erfahrung wird sicherlich auch jeder nachvollziehen können, der sich schon einmal im Leben hat von einem Tier "verführen" lassen.
"Man tut eine kleine gute Tat, gibt ein kleines bißchen Liebe und löst damit eine Kette von kleinen, aber bedeutsamen Ereignissen aus, die einem die Liebe doppelt und dreifach zurückgeben. Am Ende kannst du nicht mehr dahin zurück, wo du hergekommen bist, selbst wenn du es wolltest. Weil diese neuen Wege dich zu sehr verändert haben."
Durch die Katze macht er die Bekanntschaft mit seinem Nachbar Titus, einem pensionierten Redakteur und Buchautor.Durch eine Besorgung, die er für den alten Mann macht, begegnet er seiner schon völlig vergessenen Jugendliebe wieder. Und durch die Suche nach ihr begegnet er dem schrulligen Valdemar, der Mondstudien betreibt und Heimweh nach der Zukunft hat. Während er bei einem Glas Absinth langsam Freundschaft mit Valdemar schließt, lernt er den 17-Minuten-Mann kennen, der ihn wiederum zu einer seiner Studentinnen führt und so weiter ... Wie das Leben so spielt ... Das alles ist so unterhaltsam geschrieben, daß man das Buch am liebsten in einem Rutsch zu Ende lesen möchte. Dabei ist es leicht, aber keineswegs seicht und gespickt mit lauter klugen Lebensweisheiten. Und nicht zuletzt bekommt man selbst wieder richtig Lust sich ins Leben zu stürzen, neue Bekanntschaften zu schließen und sich neuen Aufgaben zu widmen, um wieder die Magie des Lebens zu spüren ...
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