Seit nunmehr fünf Monaten bin ich im Besitz des Wave II, meinem ersten Smartphone. Ein iPhone kam für mich nicht in Frage, da ich in diesem Leben wohl nicht mehr zum Apple-Fan werde. Beim Wave II überzeugte zumindest auf dem Papier das Preis-Leistungs-Verhältnis. Wie sich das nun im täglichen Gebrauch darstellte, darüber möchte ich hier kurz berichten:
1. Das Wave II selbst
Mein erster Eindruck damals: Im Vergleich zu meinem Handy davor, dem Samsung UGH-900, ist das Wave II ganz schön gross. Aber das lässt sich bei einem 3,7"-Display nun mal nicht vermeiden. Und es passt immer noch problemlos in die Jackentasche. Ausserdem fiel mir sofort die gute Verarbeitung auf.
Meine Befürchtungen, erst eine längere Eingewöhnungsphase zu benötigen, bevor ich mit dem Touchscreen klarkomme, waren unbegründet. Es dauerte nur wenige Minuten, bis ich wie selbstverständlich durch die Menüs navigierte, die Einstellungen anpasste und alles mal ausprobierte. Der Touchscreen reagiert hervorragend auf die Eingaben meiner Wurstfinger, selbst kleinste Elemente treffe ich problemlos. Na ja zumindest die meiste Zeit, auf der Tastatur vertippe ich weiterhin gerne mal.
Nachdem ich mich intensiver mit den Funktionen beschäftigte, stellte sich schnell heraus, dass das GPS einige Anlaufzeit braucht (meist ca. 2-3 Minuten, manchmal innerhalb einer Minute). Eigentlich kein Problem, denn darauf kann man sich einstellen. Für manche Apps allerdings wohl doch zu lange, denn die geben nach 30 Sekunden auf und behaupten, GPS würde nicht funktionieren. Das vorinstallierte Navigationssystem hat hier jedoch keine Probleme, wartet halt, so lange es dauert, und danach läuft es dann einwandfrei.
Davon abgesehen bin ich aber weiterhin sehr zufrieden. Das Display ist klasse, auch wenn es kein Super-Amoled ist, aber ausser bei direkter Sonneneinstrahlung ist alles einwandfrei zu erkennen und die Farben sind schön kräftig. Ausserdem ist dies mein erstes Handy, bei dem ich es auch nach Monaten noch nicht geschafft habe, das Display zu verkratzen.
Der Music Player hat einen ordentlichen Sound, so dass mein MP3-Player mittlerweile in der Schublade vor sich hingammelt. Videos in HD anzusehen ist ein reines Vergnügen, und die Kamera macht vernünftige Bilder, so dass es für Schnappschüsse definitiv reicht.
2. bada
Beim Betriebssystem wurde, anders als bei der Galaxy-Serie zum Beispiel, nicht Android genommen, sondern die Eigententwicklung bada bevorzugt. Die derzeitige Versionsnummer 1.2 zeigt bereits, dass es noch in den Kinderschuhen steckt. Allerdings muss es sich trotzdem nicht vor den grossen Brüdern Android und iOS verstecken. Für den alltäglichen Gebrauch ist es vollkommen ausreichend, und was jetzt noch Probleme macht (wie der nicht sehr gelungene Browser) wird mit Version 2.0, die noch dieses Jahr kommen soll, hoffentlich verbessert. Wenn man vorher weiss, dass bada zwar bereits gute Arbeit leistet, aber längst nicht ausgereizt ist, sollte es eigentlich keinen Grund zur Frustration geben.
3. Kies und der App-Store
(Nachtrag März 2012: Vor kurzem wurde Kies durch ein Update um einiges schneller, so dass der nachfolgende Absatz hoffentlich nur noch nostalgischen Wert hat)
Kies ist die Software, die dem Wave II beigelegt ist. Hiermit soll man Musik, Videos und Kontakte synchronisieren können. All das kann Kies auch, aber dies tut es unendlich langsam. Allein der Start des Programms dauert schon so lange, dass man sich in der Zwischenzeit locker einen Kaffee zubereiten kann. Sollte man auf die Idee kommen, seine komplette Musik- und Video-Bibliothek hier abzulegen, verzögert sich der Vorgang entsprechend. Daher habe ich jene auch gleich wieder rausgeschmissen und überspiele die Dateien ausschliesslich manuell.
Nach einem weiteren Klick und einer weiteren Minute Wartezeit landet man im App-Store. Und hier wird es für viele die erste wirklich negative Überraschung geben. Während sich die Android-Nutzer beklagen, dass ihr Store weit davon entfernt ist, mit dem App-Angebot von iTunes mithalten zu können, wäre der bada-Nutzer bereits glücklich, wenn man Android-Niveau erreicht hätte.
Hier muss man ganz klar sagen: Wem es nicht nur darum geht, ein Smartphone zu besitzen, sondern auch darum, eine möglichst grosse Auswahl an Apps zu haben, der sollte die Finger von bada lassen. Andererseits ist auch klar, wer die Auswahl eines iPhones haben will, der muss ein iPhone kaufen. Apples Smartphone ist nun mal der derzeitige Stand der Dinge, und die meisten Entwickler programmieren zuerst fürs iOS, danach eventuell für Android, und ganz am Schluss bleibt noch eine Hand voll übrig, die auch bada bedienen. Das hat zur Folge, dass gefühlte 90% aller Neuerscheinungen im Store keine Apps sind, sondern Themes.
Fazit: Mancher wird sich jetzt fragen, warum ich 5 Sterne vergebe, wenn es offensichtlich doch so einiges zu kritisieren gibt. Aber das hat einen ganz einfachen Grund: Mit dem Handy selbst bin ich mehr als zufrieden. Kies ist ein Ärgernis, jedoch werden selbst Power User es nicht sehr häufig benutzen, und auf die Macken kann man sich einstellen. Was die Apps betrifft, hatte ich schon vor dem Kauf des Wave II einen längeren Blick in den Store geworfen und entschieden, dass das Angebot für mich durchaus reicht. Mein Problem ist auch eher, dass ich nicht genug Platz für alle Apps habe, die ich mittlerweile besitze.
Aber es sei noch einmal ganz deutlich gesagt: Wer ein iPhone haben möchte, der muss zum iPhone greifen. Wer auf Android steht, sollte kein Wave II kaufen. Das Wave II ist für das, was es kann, geradezu sensationell günstig. Ob es das richtige Handy für einen selbst ist, darüber man sich problemlos vorher informieren. Gelegenheitsnutzer jedenfalls können bedenkenlos zugreifen.
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Update: Jetzt gibt es doch einen Stern Abzug dank bada 2.0. Lange haben die Besitzer der alten Waves auf die neue Version des Betriebssystems gewartet, doch dann wurde der Termin mal eben um ein ganzes Quartal verschoben. Dass es tatsächlich darum geht, dass die Anpassung an die Hardware so lange dauert, ist wohl eher nur vorgeschoben; wahrscheinlicher ist es, dass man mit den Verkaufszahlen des Wave III unzufrieden ist und Neu- wie Bestandskunden nahelegen möchte, doch bitte gleich auf das neue bada-Flaggschiff umzusteigen, wenn man denn 2.0 haben will. Mit dem Galaxy S II und Android 4.0 wurde übrigens dasselbe versucht, so dass man den Eindruck gewinnt, dass sich Samsung nur so lange für seine Kunden interessiert, bis sie ihnen ein Handy andrehen konnten.
Davon abgesehen bietet bada 2.0 leider nicht, von der Optik mal abgesehen, die Verbesserung, die man sich von so einem "grossen" Versionssprung erhoffen sollte, und ist zudem für das Wave III in einer Version voller Bugs veröffentlicht worden. Wenn man bedenkt, wie lange Samsung für 2.0 braucht, kann man davon ausgehen, dass man bis zum Update auf 3.0 noch eine Ewigkeit warten wird, und Samsungs Betriessystem somit Android und iPhone auf Dauer weit hinterherhinken wird.