Das Galaxy Ace hatte ich mir ziemlich spontan gekauft, denn eigentlich war ich, nach diversen anderen Android-Handys, auf der Suche nach einem Ersatz für mein Desire HD. Das Ace spielt natürlich nicht in derselben Liga! Allerdings ist damit klar, an welchen Maßstäben ich es gemessen habe.
Das Fazit: das Galaxy Ace hat mich in mehrfacher Hinsicht positiv überrascht! Dazu gleich mehr. Hier zunächst die von mir festgestellten Hauptvor- und nachteile:
(+) gelungenes Design, einwandfreie Verarbeitung
(+) schnelle Arbeitsgeschwindigkeit
(+) TouchWiz-Oberfläche mit durchdachter Bedienung
(+) sehr gute Kamera
(+) lange Akkulaufzeit
(-) kleiner interner Speicher
(-) niedrige Videoauflösung und Framerate
(-) kein Headset
Design und Verarbeitung:
Absolut gelungen! Wie bei Samsung üblich, gibt es keinerlei Verarbeitungsmängel. Auch die Materialwahl ist dem Preis völlig angemessen. Die Hülle besteht zwar nur aus Kunststoff, doch dieser wirkt deutlich hochwertiger als etwa beim Galaxy S. Das Ace taugt ohnehin mehr zum iPhone 4-Vortäuschen. Die fein geriffelte Rückseite ist aber robuster und sorgt dafür, dass das Ace gut in der Hand liegt. Die zentrale Home-Taste ist jedoch kratzanfällig. Mir gefällt zudem nicht, dass die Beleuchtung der benachbarten Sensor-Tasten so schnell abgeschaltet wird. Im Dunkeln ist das nicht gut, denn die Tasten sprechen leider nicht an jeder beliebigen Stelle an. Einen Helligkeitssensor besitzt das Ace zudem nicht.
Display:
Hier war ich zunächst etwas skeptisch. 320 x 480 Pixel klingen bei 3,5 Zoll Diagonale nicht unbedingt berauschend. Doch ich war überrascht, dass wenig sich dieses Manko im Alltag bemerkbar macht. Geht man nah an das Display heran, merkt man natürlich, dass andere Displays dieser Größenordnung schärfer sind, aber normalerweise hält man sein Handy ja auch nicht direkt vor's Gesicht. Auf Bauchhöhe gehalten sieht es gleich ganz anders aus. Außerdem kann man noch etwas tricksen: die Standard-Android-Schrift (Droid Sans) wirkt auf dem Display tatsächlich etwas grob, doch das Ace bietet die Möglichkeit, die Schriftart zu wechseln. Mit der App "Font for Galaxy" kann man sich die "DejaVu Sans" installieren, die deutlich angenehmer zu lesen ist - mit ihr bemerkt man die geringe Auflösung praktisch kaum.
Software/Arbeitsgeschwindigkeit:
Einen guten Eindruck macht schon von Anfang an, dass Samsung auch dem Ace eine Office-Suite spendiert und einen Dateibrowser, eine Memo-App sowie einen Task-Manager mit draufpackt. Von sonstiger tiefgreifender Crapware hat man dankenswerterweise abgesehen, was aber auch am recht kleinen internen Speicher liegen mag. Der ist mit 157 MB nämlich nicht gerade üppig, zumal sich auch trotz Android 2.2 längst nicht jede App auf der Speicherkarte installieren lässt. Immerhin liegt aber eine solche bei.
Dass man das Hauptmenü horizontal durchscrollen und die Reihenfolge der Apps nach Belieben ändern kann, ist aus meiner Sicht einer der größten Vorzüge der TouchWiz-Oberfläche. Sehr gut durchdacht ist, dass man nicht nur die bis zu sieben Homescreens, sondern auch die Menüseiten per Multitouch verkleinern und in der Übersicht dann beliebig anordnen kann.
Das Arbeitstempo gehört für mich zu den eingangs erwähnten positiven Überraschungen: Mit einem 800 MHz-Prozessor und (vermutlich) 384 MB RAM ist das Ace auf dem Papier langsamer als das Galaxy S oder Desire HD, merken tut man davon im Normalfall aber nichts. Menü, Browser, SMS und die anderen Standard-Apps laufen vielmehr völlig verzögerungsfrei, nach meinem Empfinden genauso schnell wie auf dem Desire HD. Benchmark-Tests mögen Anderes behaupten und bei anspruchsvollen Apps wie Spielen werden sicher Unterschiede zu Tage treten. Doch im Alltag bekommt man mit dem Ace einen flotten Begleiter, bei dem außerdem positiv hervorzuheben ist, dass es ohne Software-Bugs zum Kunden kommt. Abstürze gab es bislang kein einziges Mal, lediglich eine fehlende Übersetzung beim Dialog zum Löschen von SMS-Threads und das klein geschriebene Wort "Dateien" in der Bezeichnung des Dateibrowsers sind bislang aufgefallen.
Telefon:
Die Gesprächsqualität würde ich als überdurchschnittlich, wenn auch nicht spitzenmäßig bezeichnen. Bei einigen Gesprächen von Handy zu Handy klangen die Gesprächspartner etwas dumpf. Clever gemacht ist dafür die Telefon-App: im Protokoll tauchen nicht nur Anrufe, sondern auch eingegangene und verschickte SMS auf. Einen Anruf oder eine SMS kann man aus der Kontaktliste heraus ganz einfach starten, indem man auf dem Namen den Finger nach rechts bzw. links bewegt.
Kamera:
Die Kamera ist für mich eins der Highlights des Geräts. Funktionen gibt es fast genauso viele wie auf dem Galaxy S, dafür hat das Ace aber einen LED-Blitz. Die Bildqualität finde ich hervorragend, gerade hier schwächeln viele Android-Handys. Bildrauschen ist quasi nicht vorhanden, Farben werden natürlich wiedergegeben und die Schärfe ist hervorragend. Auch im Stockdunkeln sorgt der LED-Blitz für eine ordentliche Ausleuchtung. Mit den entsprechenden Motivprogrammen bzw. dem Makro-Modus kann man je nach Situation noch etwas mehr aus dem Motiv herausholen. Vorzüglich ist aber auch die Geschwindigkeit: hat man die Option "Überprüfen" (also die Anzeige des Bildes nach dem Auslösen) deaktiviert, kann man direkt das nächste Bild machen. Super!
Während mich das Ace beim Fotografieren also rundum überzeugt hat, gilt für das Aufnehmen von Videos leider das Gegenteil: Mit einer Mini-Auflösung und nur 15 Frames in der Sekunde kann man leider kaum etwas anfangen. Immerhin VGA-Auflösung und zumindest doppelt so viele Frames wären auch in dieser Preisklasse angemessen gewesen.
Da ich allerdings auch in den zwei Jahren zuvor kein einziges Video auf meinem Android-Handy gedreht habe, fällt dieser Nachteil für mich persönlich zum Glück nicht ins Gewicht.
Musik:
Den MP3-Player nutze ich generell nicht, eher schon das FM-Radio. Doch auch das habe ich bis jetzt noch nicht ausprobiert, es fehlt mir nämlich noch ein Headset. Das darf man eigentlich als Beigabe erwarten, auch wenn das Ace nicht als Premiumprodukt gedacht ist. Die Lautsprecher machen zumindest einen sehr guten (und lauten) Eindruck.
Navigation:
Die Google-Maps-Navigation kam bei mir schon intensiv zum Einsatz und machte einen guten Job, sie stürzte (im Gegensatz zum Desire HD!) auch kein einziges Mal ab.
Akkulaufzeit:
Zu guter Letzt stellte sich die Frage: wie lang kommt das Ace mit einer Akkuladung aus? Auch hier gab es eine positive Überraschung: schon mit der ersten Ladung (nach der Spielerei- und Ausprobierphase) schaffte es vier Tage, zuletzt bei intensiverer Nutzung auch immer noch drei Tage. Zur Orientierung: WLAN bzw. mobile Datenverbindung mache ich nur bei Bedarf an, aber mehrmals am Tag, hinzu kommen durchschnittlich viele SMS und Anrufe; die Displayhelligkeit habe ich auf der Standard-Einstellung belassen. Im Vergleich zu meinen vorherigen Android-Handys ist das aus meiner Sicht hervorragend.
Weil die Nachteile für mich nicht allzu schwer wiegen und die positiven Merkmale dafür umso mehr hervorstechen, kann ich fünf Sterne vergeben. Insgesamt ist das Galaxy Ace also eine Kaufempfehlung!