Zur Hardware und Verarbeitung muss nichtmehr viel hinzugefügt werden. Ich vermute, dass einige auch wie ich dieses Subnotebook kaufen wollen in Hinblick darauf, Linux zu installieren. Leute, die damit nichts anfangen können oder wollen brauchen ab hier nicht weiterlesen - jene sind mit Erkenntnissen aus den anderen Rezensionen besser bedient.
Nun ein paar Erfahrungen aus subjektiver Ecke:
Allem voran - als 'MacbookAir Competitor' mit Windows 7 versagt das Samsung Series 9 beinahe haarsträubend ohne Anpassungen. Viele schlechte Bewertungen im Netz rühren her aus Gründen, die Microsofts Betriebssytem betreffen. Also davon nicht abschrecken lassen.
Ein fünftel der ohnehin kleineren SSD geht drauf für eine versteckte Backuppartition. Wer nicht in der Lage ist, sein System anderweitig und korrekt zu sichern, entscheidet sich hier ohnehin für das falsche Gerät (und überhaupt. Backup eines Geräts auf dem Gerät selber? Ach, Microsoft...). Das OEM Windows 7 ist nach erstmaligen Einrichtung aufgebläht auf >30GB. Dazu zählt auch Schlangenöl-Software wie beispielsweise ein Norton Antivirus, welches sich regelmäßig mit einem Popup meldet, da es ja Lizenzkeys verkaufen möchte.
Das hat nichts auf einem Luxus-Modell zu suchen. Es ist schlecht fürs Auge und Gelduld und noch schlechter, um mit Äpfelprodukten aus Cupertino zu konkurrieren. Ich wiederhole: knapp die halbe SSD ist per Design benutzt.
Das Touchpad wurde oftmals bemängelt. Unter Windows kann ich eine Überempfindlichkeit bestätigen. Die integrierte Maustaste ist fast unbenutzbar, da der Zeiger immer ~1cm verzieht beim Runterdrücken des Fingers. Mit rudimentären Rumspielen an den Einstellungen konnte zumindest ich das nicht wirklich verbessern. Das heißt aber nicht unbedingt was.
Ansonsten läuft Windows stabil und sehr schnell, so wie man es von der Hardware erwartet.
Linux.
Zwei Distributionen habe ich getestet. Mein Favorit Arch Linux und natürlich Ubuntu.
Der Treiber für das WLAN ist ab Version 2.6.38 integriert. Daher habe ich das aktuellste Archboot gestartet. Bei der Installation darauf achten, keine weitere Firmware zu installieren, da sonst das Modul b43 fürs Wlan geladen wird, welches hier nicht funktioniert. Ich entschied mich für die Installation des aktuellen Gnome 3, war aber mit der Stabilität und Geschwindigkeit des Bootens (25 s) unzufrieden, was wahrscheinlich mehr am Gnome als am Notebook liegt. Wer KDE oder anderes bevorzugt kann hier dennoch auf seine Kosten kommen.
Ich habe mich dann für Ubuntu 11.04 entschieden. Dort läuft viel out-of-the-box, insofern man den Live-USB Stick rechts einsteckt und nicht links! Die Erkenntnis hat mich etliche Stunden Fehlersuchens gekostet. Am linken USB-Port gibt es einen wenig aussagekräftigen initramfs bug.
18 Sekunden nach Drücken des Powerknopfes ist ein Chromium gestartet, das ist wirklich schnell. 10 Sekunden davon sind Bios und Grub.
Unter 2.6.39 wurden die Treiber für die SandyBridge laut Heise nochmals beachtlich verbessert. Ich kann das insofern bestätigen, als dass die Performance ausgezeichnet ist.
Das Multitouchpad ist sehr angenehm bedienbar. Vor allem macht es Spaß, mit Wischgesten und der Hilfe von Compiz die virtuellen Desktopoberflächen durchzublättern. Genau dann ist ein Punkt erreicht, an dem man einem Macbook die Stirn bieten kann, was Usability und Eleganz anbelangt.
Es funkioniert ansonsten alles (Displayhelligkeit, Ethernet, Wlan, Grafikbeschleunigung, Fn-Tasten für Lautstärke...) bis auf:
- Die Helligkeit der Tastaturbeleuchtung ist nicht verstellbar - das ist ärgerlich und dafür gibt es noch keine Lösung. Glücklicherweise ist sie aber immer so hell, wie zuletzt unter Windows vorm Herunterfahren. Somit habe ich sie einfach immer auf mittlerer Stufe.
- Die Fn + Wifi Taste hat keine Funktion und die Fn + Mute Taste leuchtet nicht blau auf, funktioniert aber. Kleinere Schönheitsfehler und mit Engagement wahrscheinlich fixbar.
Ein Standard Windows hat eine bessere Energiebilanz als das out-of-the-box Ubuntu. Nach ein paar Anpassungen erreichte ich mit abgedunkeltem Display, mittlerer Tastaturbeleuchtung und eingeschaltetem WLAN jedoch eine Leistung von 7,5 Watt, was ein exzellenter Wert ist. Damit werden 6-7 Stunden surfen realistisch.
Fazit: Ich empfehle das Gerät einem Poweruser, der entweder die Zeit aufbringt, sein Windows zu entmüllen und sicher zu halten oder ein freies Betriebssystem installiert und auch noch abwarten kann, bis die letzten Funktionseinschränkungen unter Linux behoben werden. Für den durchschnittlichen Benutzer ist es kaum empfehlenswert.
Ich hoffe, ich konnte dem ein oder anderen interessierten Leser die Entscheidung erleichtern.
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Nachtrag, ein halbes Jahr später:
Allem voran, ich bin sehr zufrieden! Der Laptop ist seither fast täglich in der Uni im Einsatz und steigerte definitiv meine Produktivität.
Das Windows im Dualboot ist nun auch völlig obsolet, da es einen Workaround für die FN-Sondertasten gibt. Zu finden in den Kommentaren (hier darf ich keine Links setzen.)
Außerdem empfehle ich dringend einen aktuellen Kernel (3.0 oder neuer) zu installieren, um die CPU Stromsparfunktion für die Sandybridge zu aktivieren. Dies geht einfach mit dem Kernelparamter "i915.i915_enable_rc6=1". Damit konnte ich einen Laufzeitzuwachs von etwa 90min beobachten. Dies ist dann äquivalent zu Windows.